Beitrag Nr. 101805 vom 08.09.2006
Mittelstand hat von IFRS und Basel-II-Ratings wenig zu fürchten
Viele mittelständische Betriebe fürchten, dass die neuen Eigenkapitalregeln für Banken (Basel II) sie zwingen werden, ihre Bilanzen nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) zu erstellen. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Dem sei jedoch nicht so: Ob ein Unternehmen einen Kredit bekomme und zu welchen Konditionen, hänge von seiner wirtschaftlichen Situation und nicht von den Bilanzregeln ab.
"Es würde auch ökonomisch keinen Sinn ergeben, wenn die gleichen Sachverhalte je nach Art der Bilanzierung zu unterschiedlichen Ratingergebnissen führten", so die Zeitung. Deshalb würde Basel II den Unternehmen nicht vorschreiben, nach welchen Regeln sie bilanzieren müssen. Auch die Bundesregierung plane nicht, die IFRS für Mittelständler verpflichtend zu machen. Und selbst die Banken wollen von den Unternehmen keinen Abschluss nach internationalen Regeln verlangen.
Externe Faktoren für Bilanzierung nach IFRS
Allerdings könnten andere Aspekte dazu führen, dass eine mittelständische Firma doch auf IFRS umstellt, beispielsweise wenn ausländische Kunden oder Lieferanten von ihr einen solchen Abschluss erwarten, berichtet die FAZ. Die Banken seien deshalb auf verschiedene Bilanzsysteme vorbereitet und könnten nicht nur die im Mittelstand häufig verwendeten Abschlüsse nach dem Handelsgesetzbuch (HGB) für ihre Ratingprozesse nutzen, sondern eben auch IFRS. Die Unterschiede zwischen den Rechnungslegungssystemen bereinigen die Banken für das Ratingergebnis "durch verschiedene Anpassungen". Die Zeitung nennt als Beispiel die Unterschiede in der Fremd- und Eigenkapitalbehandlung. Die IFRS sind hier mit dem Standard IAS 32 strenger: Personenhandelsgesellschaften müssen meist ihr Eigen- als Fremdkapital bilanzieren.
Den Banken sei dieses Problem bekannt und sie korrigieren diese Unterschiede zu den HGB-Bilanzen. Mittelständler, die nach IFRS bilanzieren, müssten nicht befürchten, mit weniger Eigenkapital dazustehen als Betriebe, die nach dem HGB ihre Abschlüsse erstellen, weiß die FAZ. Andererseits könnten IFRS-Bilanzierer aber auch profitieren, da die internationalen Regeln eher zu mehr Eigenkapital führen - dies sei jedoch auch nicht der Fall. Die Banken würden durch ständige "Überprüfung ihrer Ratingmodelle" Fehler aufdecken und ihre Systeme korrigieren. (kib)
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