Beitrag Nr. 113890 vom 21.03.2007
Preis für die Fair-Value-Bewertung ist zu hoch
Markenzeichen der International Financial Reporting Standards (IFRS) ist die Fair-Value-Bewertung, die stille Reserven verhindern soll. Professor Karlheinz Küting, Direktor des Saarbrückener Instituts für Wirtschaftsprüfung, vertritt jedoch in seinem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) die Ansicht, dass der Marktwert die Bilanz entobjektiviert.
Das deutsche Handelsgesetzbuch wurde vor allem wegen der Möglichkeit, stille Reserven bilden zu können, kritisiert, schreibt Küting. Die IFRS, die auf eine "an den aktuellen Marktwerten und Tagespreisen orientierte Bewertung" setzen, "vermittelt den Charme einer angeblich aktuellen und verlässlichen Bewertung, die stille Reserven in der Rechnungslegung ausschließen soll". Investoren wären damit bestens über die tatsächliche Situation des Unternehmens informiert. Allerdings sei "der Begriff des Fair Value" nicht eindeutig und für alle Bilanzierungsbereich definiert: "Der Wertmaßstab des Fair Value kommt vielmehr an verschiedenen Stellen und im Kontext zahlreicher IFRS-Regelungen in den unterschiedlichsten Ausprägungsformen vor", stellt der Saarbrückener Professor fest. Die internationalen Richtlinien würden Fair Value als "beizulegenden Zeitwert" definieren, in der Praxis lässt sich dieser Wert "jedoch nur in den allerseltensten Fällen eindeutig bestimmen, da für die weit überwiegende Mehrheit von Vermögenswerten kein verlässlicher Zeitwert existiert", moniert Küting. Deshalb würden die Unternehmen andere Werte, etwa Bar-, Ertrags- oder Wiederbeschaffungswerte zur Bestimmung des Fair Value verwenden.
Fair Value entobjektiviert Bilanzen
"Die Verwendung von Hilfslösungen zur Bestimmung des Fair Value verdeutlicht dabei die Hilflosigkeit des IFRS-Anwenders mit diesem Wertmaßstab", konstatiert der Professor. Hinzukomme, dass die IFRS den Unternehmen Wahlrechte und Ermessensspielräume einräume. Hier stecke viel "bilanzpolitisches Potenzial", schreibt Küting. "Je weiter die gewählte Ausprägungsform des Fair Value vom Marktpreis entfernt ist, desto geringer ist die Nachvollziehbarkeit des gewählten Ansatzes und desto stärker wird der Weg zu einer entobjektivierten Bilanz beschritten." Der Professor plädiert deshalb dafür, dass weniger die Theorie bei der Bilanzierung an erster Stelle stehen sollte, sondern "was in der Praxis umsetzbar oder überhaupt von Bedeutung ist". Aufgabe der Unternehmen sei es, erfolgreich zu sein - und nicht "überzogene Anforderungen und Erwartungen an eine Fair-Value-dominierte Rechnungslegung bewerkstelligen zu müssen". (kib)
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