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Beitrag Nr. 115341 vom 19.04.2007

IFRS-Vorschlag zur Bilanzierung von Versicherungsverträgen

Der Standardsetter International Accounting Standards Board (IASB) wird bald ein Diskussionspapier zur Bilanzierung von Versicherungsverträgen ausgeben, der letztlich zu einem gemeinsamen Standard für europäische und US-Unternehmen führen soll.

Im Zentrum stehe die Frage, wie Verbindlichkeiten bei Versicherungen zu bewerten sind, berichtet Deloitte-Experte Christoph Bonin in seinem Gastbeitrag für die Börsen-Zeitung. Derzeit würden in Deutschland "erhaltene Prämien werden zunächst als Verbindlichkeit ausgewiesen und über die Vertragslaufzeit aufgelöst". So stehe also schon zu Vertragsabschluss fest, "wie sich der Ertrag aus dem Vertrag entwickeln wird". Einzige Ungewissheit seien die Höhe und "der Zeitpunkt der Schäden".

Wie hoch der Jahresgewinn ausfällt, ist also vorhersehbar - es sei denn Großschäden oder Katastrophen treten ein. Geht es nach dem IASB, soll sich die Verbindlichkeit dagegen aus drei Aspekten zusammensetzen: "einer unverzerrten Schätzung von erwarteten Prämien, Schäden und Kosten, deren Diskontierung und dem Zuschlag einer expliziten Risikomarge", weiß Bonin. Die Unternehmen müssten diese Größe dann für jede Bilanz anhand von "aktuellen Prognosen über Prämieneinnahmen und Schadenverlauf" neu berechnen, mit "marktkonformen Zinssätzen" diskontieren "und um eine tagesaktuelle Risikomarge" erhöhen - die Versicherer müssten ihre Methoden und Systeme dafür komplett umstellen, gerade kleine und mittlere Unternehmen hätten massive Investitionen zu tätigen.

"Die bisherigen, kostenbasierten Accounting Tools sind überwiegend nicht in der Lage, eine wert- und risikobasierte Betrachtung der Cash-flows zu generieren", weiß der Deloitte-Experte. Doch wer seine Zahlungsströme nicht schätzen und das Risiko nicht gewichten könne, werde auch keinen "verlässlichen Erwartungswert" ermitteln können.

Verlust trotz vieler Verträge

Der IASB-Vorschlag würde die in Deutschland gängige Praxis umkrempeln, "denn auch die Risikomarge wird nicht als Risikopuffer betrachtet, sondern als Indikator für den Marktwert des Risikos", so Bonin. Ziel sei eine "Marktbewertung des Vertragsrisikos zum Bilanzierungsstichtag". Grundlegend ändern will das Board auch die "Behandlung von Abschlusskosten". Sie sollen als Aufwand angegeben, aber "nicht mehr über die Laufzeit des Vertrags verteilt werden". Bonin moniert, dass eine Versicherung am Jahresende einen Verlust ausweisen muss, obwohl sie viele profitable Verträge abschlossen habe. Damit würde dem Kapitalmarkt nicht geholfen. (kib)

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