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Beitrag Nr. 118175 vom 12.06.2007

Deutsche Wirtschaft fordert neue internationale Bilanzregeln

Die Auseinandersetzung zwischen deutschem Mittelstand und dem in London ansässigen International Accounting Standards Board (IASB) könnte vielleicht bald ein Ende haben: Das IASB und der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) wollen mit einer gemeinsamen Arbeitsgruppe die Bilanzregeln für die KMU überarbeiten.

Die von BDI und IASB gegründete Arbeitsgruppe soll in den nächsten zwölf Monaten Vorschläge erarbeiten, "wie die Bedenken des deutschen Mittelstands gegen die neuen Rechnungslegungsmethoden ausgeräumt werden können", berichtet die Financial Times Deutschland (FTD). Nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) müssen seit vergangenem Jahr alle Unternehmen bilanzieren, die kapitalmarktorientiert sind, d.h. auch diejenigen, die Anleihen an einem Wertpapiermarkt haben. Kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), die sich auf diesem Weg Kapital beschaffen möchten, sehen sich daher einer Finanzberichterstattung gegenüber, die für sie zu kompliziert und auch vielfach zu teuer ist. Anfang dieses Jahres legte das IASB einen Entwurf für KMU-Regeln vor, den aber besonders die deutschen Mittelständler kritisierten: Er sei zu stark an den "großen" IFRS orientiert, vor allem aber sei "das "existenzielle Problem" der Abgrenzung zwischen Eigen- und Fremdkapital ungelöst", schreibt die FTD.

Zockerregeln?

Das kaufmännische Vorsichtsprinzip sieht Arnold Kawlath, Chef der Gießerei Schubert & Salzer, dem Zeitungsbericht zufolge, gefährdet. Die geplanten Regeln würden es durch eine "Zockermentalität" ersetzen. In den IFRS-Bilanzen stünden Hoffnungswerte, während das Handelsgesetzbuch Zahlen verlange, "die bereits erarbeitet wurden". Die IFRS gelten vielen Mittelständlern zudem als Eigenkapitalvernichter. Die Geschäftsführerin des Deutschen Rechnungslegungs-Standards Committees (DRSC), Liesel Knorr, sieht die Bilanzregeln positiv: "Viele Mittelständler haben heute mehr Auslands- als Inlandstöchter, und es ist schwierig, Indern das deutsche HGB nahezubringen", sagte sie der FTD. Zustimmung erhalten die KMU-IFRS auch von Sven Hayn von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young: "Das HGB hat zum Beispiel keine Vorschriften für Leasing und aktienbasierte Vergütungsmodelle", zitiert die Zeitung ihn. Zudem könnten Unternehmen, die nicht nach IFRS bilanzieren, Schwierigkeiten bei der Kapitalbeschaffung bekommen. David Tweedie, der Vorsitzende des IASB, fordert die deutschen Mittelständler zur Mitarbeit auf: "Sagen Sie nicht, die Regeln sind zu kompliziert. Sagen Sie, wo sie vereinfacht werden sollen." (kib)

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