Beitrag Nr. 69318 vom 15.06.2005
IFRS-Bilanzen kaum vergleichbar?
Die Konzernabschlüsse börsennotierter Unternehmen sind zwar durch die International Financial Reporting Standards (IFRS) transparenter geworden - vergleichen lassen sie sich trotzdem kaum.
Durch die IFRS ist die Vergleichbarkeit von Bilanzen kapitalmarktorientierter Firmen nicht größer geworden. Zu diesem Ergebnis kommen die Fachhochschule Münster und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, nachdem sie die Jahresabschlüsse 2001 bis 2003 von 100 börsennotierten deutschen Unternehmen untersucht haben, berichtet die Börsen-Zeitung.
Zwar konnten die Firmen durch die IFRS ihre Abschlüsse transparenter machen, ohne dass es dabei zu mehr Anwendungsfehlern gekommen sei. Dennoch gäbe es Unstimmigkeiten. "Diese resultieren vermutlich daraus, dass sich einige IFRS-Anwender (noch) nicht an die Dynamik der Vorschriften des IASB gewöhnt haben", zitiert die Börsen-Zeitung die Studienmacher. Teilweise hätten die Unternehmen Regeln genutzt, die das International Accounting Standards Board (IASB) zwischenzeitlich aktualisiert hat.
Unternehmen nutzen Spielräume der IFRS
Jede Firma nutzt jedoch die Wahlrechte, die ihr IFRS bieten, auf ihre Weise. Es gebe keine "generelle Übereinstimmung, welche Bilanzierungsoptionen in welcher Richtung genutzt würden", meldet die Zeitung. 60 Prozent der Unternehmen würden beispielsweise den Korridoransatz nutzen, um ihre Pensionsverpflichtungen zu bewerten. Damit können sie Änderungen bei der Bewertung über eine längere Zeit verteilen und so ihr Ergebnis schönen, berichtet die Börsen-Zeitung. Auch im Zeitablauf würden die Firmen die Wahlrechte unterschiedlich ausüben.
Die Untersuchung moniert, dass die IFRS noch nicht einmal die Konzernabschlüsse innerhalb eines Landes vergleichbarer gemacht haben - geschweige denn auf internationaler Ebene. Der Grund sei, dass die Firmen alle Methoden, die ihnen für die Bilanzierung, Bewertung und Darstellung zur Verfügung stehen, auch nutzen würden.
"Solange das Regelwerk des IASB solche Wahlrechte und Ermessensspielräume zulässt, ist eine uneinheitliche Bilanzierung indes systemimmanent", zitiert die Börsen-Zeitung Isabel von Keitz, Professorin an der Fachhochschule Münster. Selbst innerhalb einer Branche würden die IFRS sehr unterschiedlich angewendet - damit sei man von "einer einheitlichen Bilanzierungspraxis" weit entfernt, so die Zeitung.
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