Beitrag Nr. 70391 vom 26.06.2005
Wirtschaftsprüfer kritisieren IFRS
Wenig Euphorie unter den Anwendern und Kritik an der umstrittenen Ermittlungsmethode für Fair Values - das ist die Bilanz ein halbes Jahr nach der Einführung der International Financial Reporting Standards (IFRS).
Die Verlässlichkeit des Zeitwertansatzes der IFRS kritisiert die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Die Standards seien nicht darauf ausgelegt, "dass subjektive Bewertungsmodelle nach außen transparent würden", berichtet die Börsen-Zeitung. Fair Value stehe für "Vermögensposten und Verbindlichkeiten" sowie "liquide Märkte mit unabhängigen Handelspartnern". Ließen sich die Werte für die Bilanz nicht mehr aus realen Märkten ableiten, kämen subjektive Bewertungsmodelle zum Zug - und die seien mit erheblichen Gefahren verbunden, meint Ernst & Young. Die Prüfer bezweifeln, dass die Fair-Value-Bewertung die Kriterien Vergleichbarkeit, Nachvollziehbarkeit und Glaubwürdigkeit erfüllen würden.
Fair Value ist nicht immer fair
Die Gesellschaft fordert deshalb vom Standardsetter International Accounting Standards Board (IASB), dass die Unternehmen erläutern müssen, welche Folgen die Modelle zur Fair-Value-Bewertung haben. Ernst & Young plädiert dafür, dass nur solche Bilanzpositionen nach den Fair-Value-Ansätzen behandelt werden, "für die echte Marktwerte vorlägen", schreibt die Börsen-Zeitung. Für die anderen Posten seien "theoretische Zeitwerte" im Anhang samt einer Analyse ihrer Schwankungen ausreichend. So erhielten Investoren & Co. ein "aussagekräftigeres Rechenwerk". Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft kritisierte zudem, dass die IFRS mehr Wert auf Informationen als auf Glaubwürdigkeit legen würden. Investoren müssten einfacher zwischen Tatsachen und angenommen Werten unterscheiden können, schreibt die Zeitung.
Skepsis unter IFRS-Anwendern
Wie die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Mazars in einer Umfrage unter 556 europäischen Unternehmen herausfand, stehen diese selbst den internationalen Standards in punkto Transparenz und Vergleichbarkeit skeptisch gegenüber. Weniger als die Hälfte der Befragten glaubt, dass die IFRS mehr Transparenz in die Abschlüsse bringen, meldet die Börsen-Zeitung. Andererseits halten sie weder US-GAAP noch eigene europäische Standards für eine Alternative. Und zu den nationalen Regeln wollen sie auch nicht zurückkehren. Eine Ausnahme bilden hier allerdings die befragten Unternehmen aus Deutschland: Die Hälfte würde gerne wieder Bilanzen nach dem Handelsgesetzbuch erstellen.
Dieser Beitrag wurde erstellt von Dr. Kirsten Broecheler.
Weitere Meldungen: PC-Controllingpraxis online
Worldwide