Beitrag Nr. 73332 vom 07.08.2005
Chancen und Risiken bei Bilanzierung des Goodwill nach IFRS
Firmen, die nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) bilanzieren, schreiben den Goodwill nicht mehr planmäßig ab, sondern unterziehen ihn einem Impairment-Test. Entpuppt sich der Goodwill dann im Vergleich zum Vorjahr als geringer, können die Unternehmen die Differenz außerplanmäßig abschreiben - was das Jahresergebnis mindert.
Bei einigen Unternehmen hat sich das Ergebnis im Konzernabschluss nach außerplanmäßigen Abschreibungen um 30 Prozent verändert, berichten Robert Spartmann, Mitglied des Vorstands der Gesco AG, und Professor Carsten Theile von der Fachhochschule Bochum in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Sie weisen daraufhin, dass der entsprechende Standard IFRS 3 fordere, "dass der Kaufpreis nicht nur auf die beim erworbenen Unternehmen schon vorhandenen Vermögenswerte und Schulden aufgeteilt werden soll, sondern darüber hinaus bislang nicht bilanzierte immaterielle Vermögenswerte anzusetzen sind".
Goodwill soll zur Residualgröße schrumpfen
Viele immaterielle Vermögenswete seien getrennt vom Goodwill zu bilanzieren. Das International Accounting Standards Board (IASB) beabsichtige damit wohl, dass der Goodwill möglichst gering bleibt. Der Goodwill könne so zu einer "bilanziellen Residualgröße" schrumpfen, die nur noch die erhofften Synergieeffekte und ähnliches beinhalte. "Gestaltungsspielraum" hätten Firmen deshalb nur bei "der Aufteilung der Anschaffungskosten (Gesamtkaufpreis) auf (abnutzbare) immaterielle Vermögenswerte auf der einen und den (nicht abnutzbaren) Goodwill auf der anderen Seite". An der Art, wie die Firmen diesen Gestaltungsspielraum nutzen würden, zeigten sich die Absichten des Managements.
Die planmäßige Goodwill-Abschreibung habe zwei Aspekte: geringe Abschreibungen würden zu einem höheren Ergebnis führen. Allerdings stehe der Goodwill "bis in alle Ewigkeit" oder zumindest bis zur Wertberichtigung aufgrund eines Impairment-Tests in der Bilanz, meinen Spartmann und Theile. Will das Management kein großes bilanzielles Risiko eingehen, wird es die Anschaffungskosten so weit es geht auf "abschreibungsfähige Güter (abzüglich Schulden) verteilen"; das Risiko würde damit schrittweise minimiert und letztlich eliminiert. Firmen, die einen hohen Goodwill bilanzieren, würden hingegen akzeptieren, dass ihre Jahresabschlüsse weniger kontinuierlich aussähen. Planbarkeit nehme ab, Volatilität der Ergebnisse hingegen zu und Anleger müssten mit unangenehmen Überraschungen rechnen.
Dieser Beitrag wurde erstellt von Dr. Kirsten Broecheler.
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