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Beitrag Nr. 77207 vom 04.10.2005

Interpretationsinstanz für IFRS verzweifelt gesucht

Seit einem Dreivierteljahr müssen börsennotierte Unternehmen in Europa nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) bilanzieren. Dabei treten die Schwächen der neuen Regeln zutage, die nur durch verbindliche Interpretationen ausgebessert werden können. Offen ist, wer sie liefern soll.

Die IFRS offenbaren in der Praxis ihre Schwächen - zu viele Optionen, zu viel Unsicherheit. Die Börsen-Zeitung macht deswegen steigende "Frustpegel" bei Unternehmen und Prüfern aus. Dabei wollten das International Accounting Standards Board (IASB) und die EU Bilanzstandards schaffen, mit denen Abschlüsse vergleichbar werden und damit auch "die Integration des europäischen Kapitalmarkts" vorangetrieben wird. Hinzukommt, dass die USA von den Europäern eine konsistente IFRS-Anwendung erwarten, sollen US-GAAP und die europäischen Regeln sich aufeinander zu bewegen.

Internationale Gültigkeit der IFRS erhalten

Demnach müssen die IFRS präziser formuliert werden - eine Aufgabe, die weder das IASB, noch das Interpretationskomitee IFRIC übernehmen wollen. Infrage käme der EFRAG, der Beratende EU-Ausschuss zur Rechnungslegung, in dem unter anderem Wirtschaftsprüfer, Unternehmensvertreter und Finanzinstitute sitzen. Er könnte dabei mit den nationalen Rechnungslegungskomitees zusammenarbeiten. Alternativ könnten sich die Standardsetter der EU-Länder für diese Aufgabe zusammenschließen. Diesem Modell steht jedoch die EU-Verordnung entgegen: IFRIC-Positionen gelten als rechtlich verpflichtend, "interpretatorische" Leitsätze eines solchen EU-Gremiums gelten nur als "Softlaw", so die Zeitung. Darüber hinaus ist das Risiko für die EU groß, den Anspruch internationaler Vergleichbarkeit der IFRS durch eine eigene Präzisierung der Regeln zu gefährden. Schließlich setzen auch Australien und Hongkong, wie die Börsen-Zeitung weiß, diese Standards schon ein; Russland und China stehen in den Startlöchern.

Ein Ausweg aus dem Dilemma wäre, dass der EFRAG das IFRIC unterstützt, indem der Ausschuss kritische Aspekte früh genug entdeckt, analysiert und entsprechende Lösungsvorschläge an das Interpretationskomitee weiterleitet. Allerdings müssten dazu alle Beteiligten - EU, nationale Instanzen und EFRAG - an einem Strang ziehen. Die Europäer könnten auf diesem Weg jedoch mehr Einfluss auf die Standards bekommen, meint die Börsen-Zeitung.

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