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Beitrag Nr. 77891 vom 13.10.2005

EU und Regierungen streiten um IFRS für Mittelstand

Die EU will die für börsennotierte Unternehmen geltenden International Financial Reporting Standards (IFRS) auch für kleinere und mittlere Unternehmen einführen, das Parlament sowie die Regierungen der Mitgliedsstaaten wollen das verhindern.

Die EU-Parlamentarier streben an, dass die strengen Offenlegungspflichten der IFRS für kleinere und mittlere Unternehmen nicht gelten. Unterstützung erhalten sie von einigen Regierungen, berichtet die Financial Times Deutschland (FTD). Die Europäische Kommission hingegen will zwei Richtlinien zur Bilanzierung aktualisieren und den Unternehmen die Möglichkeit nehmen, Schulden oder Risikogeschäfte in Special Purpose Entities (SPE) zu schieben und damit aus ihren Bilanzen auszulagern.

Parlament und Regierungen für weniger Bürokratie

Dieses Vorhaben stößt allerdings auf den Widerstand von Einzelregierungen und EU-Parlament, die mit Mittelständlern weniger hart verfahren wollen, nicht zuletzt auch deshalb, weil strengere Offenlegungspflichten mehr Kosten und Aufwand mit sich bringen könnten. "Gerade kleine und mittlere Unternehmen müssen sich mit allen Ressourcen auf das operative Geschäft konzentrieren", zitiert die FTD Klaus Bräunig, in der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) für Mittelstandspolitik verantwortlich.

Noch viel besser mit dem Mittelstand meint es CDU-Abgeordneter Klaus-Heiner Lehne, zuständiger Berichterstatter im Parlament: Seiner Ansicht nach sollen Mitgliedsländer Unternehmen von den Offenlegungspflichten freistellen können, so die Zeitung. Er will möglichst viele Unternehmen aus der Pflicht nehmen, indem er die Definition für mittelständische Unternehmen aufweicht und fordert, "Schwellenwerte wie Bilanzsumme und Nettoumsatzerlöse" um 25 oder sogar 33 Prozent anzuheben, berichtet die FTD.

Einige Regierungen, vor allem in Südeuropa, plädieren für strengere Regeln. Mittelständler sollten, so die FTD, über SPE und Geschäfte etwa mit Anteilseignern berichten, wenn auch nicht in dem Umfang, wie börsennotierte Unternehmen dies tun müssen. Diese Länder wollen die Definitionswerte nur um drei Prozent erhöhen. Trotz dieser Differenzen glaubt Lehne dem Zeitungsbericht zufolge an eine Einigung bis zum Jahresende - unterstützt durch die Arbeit der Kommission, die bis Ende Oktober Kalkulationen vorlegen soll, wie viele Unternehmen "nach verschiedenen Anhebungen der Schwellenwerte von den Erleichterungen profitieren würden".

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