Beitrag Nr. 82109 vom 10.12.2005
IFRS benachteiligen deutsche kleine und mittlere Unternehmen
Sollten die International Financial Reporting Standards (IFRS) für KMU gelten, drohen dem deutschen Mittelstand nach Ansicht konservativer EU-Parlamentarier "massive Nachteile", melden die VWD Wirtschaftsnachrichten. Klaus-Heiner Lehne, rechtspolitischer Sprecher der EVP-ED-Fraktion, und Alexander Radwan, wirtschaftspolitischer Sprecher derselben Fraktion, setzten sich deshalb beim EU-Ministerrat sowie bei der EU-Kommission für Sonderregelungen ein.
Zwar gebe es beim Standardsetter, dem International Accounting Standards Board (IASB), eine Arbeitsgruppe, die sich nur mit dem Mittelstand beschäftige, Deutschland stelle aber nur eins von 33 Mitgliedern - darunter auch Vertreter aus Trinidad und Neuseeland -, so die beiden Abgeordneten gegenüber den VWD Wirtschaftsnachrichten. "Es kann nicht sein, dass englischsprachige Zwergstaaten mehr Einfluss haben als die größte Volkswirtschaft Europas", zitiert der Dienst Lehne und Radwan.
Ende Januar 2006 trifft sich diese Arbeitsgruppe wieder zu einer Sitzung; spätestens dann sollten die Europäer nach Ansicht von Lehne und Radwan "angemessen" vertreten sein. Selbst der EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy forderte, dass die Standards die "Interessen der Nutzer berücksichtigen" müssten, so der VWD-Dienst. Auch Frits Bolkestein, der diesen Posten vorher innehatte, verlangte mehr Einfluss für die Europäer, dieselbe Ansicht vertraten zudem die EU-Finanzminister.
Bonität muss international vergleichbar sein
Die IFRS machen nicht nur Bilanzen transparent und untereinander vergleichbar, sondern auch die Bonität der Unternehmen. Mit Basel II werden die Bilanzstandard quasi zum Standard für alle Unternehmen, da die "dann erforderliche Bonitätsermittlung eines Schuldners international vergleichbar sein müsse", schreiben die VWD Wirtschaftsnachrichten.
Radwan betrachtet dem Bericht zufolge auch den IFRS-Standard "zur Bilanzierung von immobilen Gütern und Grundstücken" mit Skepsis: Der Zeitwert dieser Güter müsste bilanziert werden und könnte so die "Ertragslage und die Steuerlast der Unternehmen verfälschen". Er kritisiert auch die Regelung, Gesellschafteranteile von Personenhandelsgesellschaften als Fremd- statt als Eigenkapital zu werten, da sich damit die Kreditwürdigkeit der Unternehmen sehr verschlechtern könnte. (kib)
Weitere Meldungen: PC-Controllingpraxis online
Worldwide