Beitrag Nr. 84375 vom 12.01.2006
Künftig mehr Europäer im IASB
Die EU-Kommission hat einen kleinen Sieg errungen: Künftig sind mehr Europäer unter den Treuhändern, die das für die internationalen Bilanzregeln zuständige International Accounting Standards Boards (IASB) beaufsichtigen.
Seit Jahresanfang führt der Italiener Tommaso Padoa-Schioppa, der früher im Direktorium der Europäischen Zentralbank saß, den Vorsatz des IASB-Treuhandgremiums. Er hat das Amt vom Ex-US-Notenbankchef Paul Volcker übernommen, berichtet die Financial Times Deutschland (FTD). Die EU-Kommission begrüßte diese Entscheidung.
Europäischer Einfluss gewachsen
Außer Padoa-Schioppa gehören William McDonough, Ex-Chef der US-Bilanzaufsicht Public Companies Accounting Oversight Board (PCAOB), und Samuel DiPiazza, Vorstandsvorsitzender der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers, zu den neuen Treuhändern. Max Dietrich Kley, Aufsichtsratsvorsitzender von Infineon, bleibt weitere drei Jahre Treuhänder des IASB, so die FTD. Nur ein Posten im Gremium ist noch offen. Dennoch dominieren die Europäer mit acht Treuhändern in diesem Gremium, die USA stellen nur vier, Asien/Ozeanien sechs. Der IASB-Vorsitzende David Tweedie, der zuletzt wegen der sehr späten Überarbeitung des Derivatestandards IAS 39 in die Kritik geraten war, wurde für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt, meldet die Zeitung.
Bislang schaffte es das IASB, sich nahezu jeder politischen und finanziellen Kontrolle zu entziehen - das ändert sich nun langsam. Schon im vergangenen Juli gestanden die IASB-Treuhänder der EU-Kommission "mehr Transparenz bei der Auswahl und Benennung der Gremiumsmitglieder" zu, schreibt die FTD. Allerdings haben die Europäer bei den IASB-Mandaten noch nicht das Gewicht, wie es Binnenmarktkommissar Charles McCreevy vorschwebt. Die Treuhänder wehren sich gegen eine geografische Gewichtung, da so "das Ziel, globale Standards festzulegen", in Gefahr gerate, meldet die FTD. Seit seinem Amtsantritt vor etwa einem Jahr setzt sich McCreevy für mehr europäischen Einfluss im IASB ein. Er moniert, dass die USA auf die internationalen Bilanzstandards "große Macht ausüben", so die Zeitung, obwohl amerikanische Unternehmen nach US-GAAP bilanzieren. (kib)
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