Beitrag Nr. 86151 vom 08.02.2006
Mittelständler sollen kein Eigenkapital durch IFRS verlieren
Der Deutsche Standardisierungsrat hält die International Financial Reporting Standards (IFRS) bezüglich der Bewertung von Eigenkapital für nicht sachgerecht. Der Bilanzstandard IAS 32 soll deshalb im deutschen Sinne geändert werden.
Laut Harald Wiedmann, Präsident des Deutschen Standardisierungsrats (DSR), sollen Familiengesellschaften ihr Eigenkapital nicht verlieren, wenn sie nach den IFRS bilanzieren. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Dem Bilanzstandard IAS 32 zufolge ist Kapital nur dann Eigenkapital, wenn es nicht zurückgezahlt werden muss oder unkündbar ist. Damit würde aus dem Eigenkapital der meisten deutschen Mittelständler Fremdkapital. Wiedmann zufolge sollen die IFRS jedoch "im deutschen Sinne" noch dieses Jahr geändert werden, meldet die FAZ.
Knappes Eigenkapital
Deutschem Recht zufolge können jedoch Gesellschafter oder Genossen von Personengesellschaften wie OHG und KG sowie von Genossenschaften ihre Unternehmensanteile kündigen oder sie auszahlen lassen. Auch viele GmbH räumen ihren Gesellschaftern vertraglich ein Rückgaberecht ein. Diese Anteile würden den internationalen Bilanzstandards zufolge nicht als Eigenkapital gelten, sondern als Fremdkapital - demnach hätten deutsche Mittelständler noch weniger Eigenkapital in den Bilanzen stehen, was beispielsweise Verhandlungen mit Banken und Investoren erschweren kann.
"Das Eigenkapitalproblem wurde unterschätzt", zitiert die FAZ DSR-Präsident Wiedmann, da das International Accounting Standards Board (IASB), das die Regeln festlegt, sich auf die börsennotierten Gesellschaften konzentriert habe. Erst nachdem 20 mittelständische Unternehmen einen Verein gegründet hätten, mit dem Ziel, die IFRS zu beeinflussen, sei klar geworden, dass Mittelständler ein großes Problem mit den neuen Bilanzrichtlinien haben.
"Die aktuelle Abgrenzung von Eigenkapital und Fremdkapital ist für deutsche Unternehmen nicht hinnehmbar", zitiert die Zeitung eine Passage aus Wiedmanns Brief an das IASB in London. Dieses Problem betreffe fast alle deutschen Unternehmen. Die freiwillige Übernahme der IFRS sei damit gefährdet. Der DSR-Präsident forderte das IASB in seinem Brief zudem auf, Eigenkapital neu zu definieren. Wiedmann hofft auf eine entsprechende Änderung bis zum Jahresende. (kib)
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