Beitrag Nr. 88314 vom 08.03.2006
Amerikaner und Europäer streben einheitliche Bilanzstandards bis 2008 an
In zwei Jahren sollen die größten Unterschiede zwischen den International Financial Reporting Standards (IFRS) und den amerikanischen Generally Accepted Accounting Principles (US-GAAP) beseitigt sein. EU und USA wollen dann die jeweiligen Standards des anderen anerkennen.
Durch die gegenseitige Anerkennung der Bilanzstandards würden international organisierte Unternehmen wahrscheinlich mehrere Millionen Euro sparen können, da sie dann nicht mehr zwei Bilanzen vorlegen müssten, meldet die Financial Times Deutschland (FTD). Gestern legten die beiden Standardsetter, das International Accounting Standards Board (IASB) und sein US-Pendant, das Financial Accounting Standards Board (FASB), "einen detaillierten Arbeitsplan" fest, so die Zeitung. Bis 2009 wollen die Security and Exchange Commission (SEC) und EU-Binnenmarktkommissar Charles McCreevy die gegenseitige Anerkennung der Bilanzstandards vollzogen haben.
Bei ihrem Treffen legten die Vertreter von IASB und FASB elf Themenkomplexe fest, für die sie neue Regeln erarbeiten wollen, weil es zu schwierig wäre, die bestehenden Standards in beiden Rechnungslegungswerken aneinander anzugleichen. In zehn weiteren Bereichen prüfen die beiden Boards derzeit noch, "ob sie bislang eher schwächere durch stärkere Standards ersetzen", hat die FTD erfahren. Vertreter beider Gremien gaben allerdings zu, dass sie nicht alle Vorhaben bis 2008 umsetzen könnten.
Entschärfte Fair-Value-Regel
Zu den Standards, die relativ zügig angeglichen werden sollen, gehört die Fair Value-Regel, also die Bilanzierung von Derivaten anhand ihres Zeitwerts. Die EU hat "nur eine entschärfte Version dieses IFRS-Standard 39 akzeptiert", schreibt die FTD. Laut IASB-Chef David Tweedie soll die Bilanzierung nach Zeitwerten nicht ausgedehnt werden; er garantierte Unternehmen in der EU wenigstens "kurzfristig Stabilität bei den gerade erst verabschiedeten IFRS-Standards", so die Zeitung.
Die beiden Gremien wollen außerdem die Regeln für "Abschreibungen auf den Firmenwert nach Fusionen und Übernahmen" aneinander anpassen. Die Bilanzierung von Gemeinschaftsunternehmen, Einkommenssteuern, Finanzierungskosten, Forschung und Entwicklung und auch Staatsgarantien stehen außerdem auf der Angleichungsagenda. Nach den IFRS können Unternehmen wählen, ob sie Finanzierungskosten als Investition oder als Kosten verrechnen - letztere Möglichkeit will das IASB nun abschaffen. (kib)
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