Beitrag Nr. 109963 vom 22.01.2007
Fasten kann tödlich enden
Wirksame und ungefährliche Methode zur Gewichtsreduzierung: proteinmodifiziertes Fasten/"Entschlacken" - ein Ammenmärchen
Das Deutsche Institut für Ernährungsmedizin und Diätetik (D.I.E.T.) warnt angesichts der bevorstehenden traditionellen Fastenzeit vor dem sogenannten Heilfasten und vor Nulldiäten. Denn eine Nullkalorienzufuhr könne schlimmstenfalls tödlich enden. Fastenkuren sollten, wenn überhaupt, nur unter ärztlicher Aufsicht und möglichst in einer Klinik stattfinden.
Zum Abspecken seien Fastenkuren ungeeignet. Denn dabei werde dem Körper Flüssigkeit entzogen und die Eiweißreserven, also Muskelgewebe abgebaut. Da die Muskulatur stoffwechselaktiv ist, werde bei einem Abbau der Muskelmasse auch der Grundumsatz herabgesetzt. Für die Aufrechterhaltung der Lebensvorgänge wird dann weniger Energie benötigt. Wird nach dem Fasten wieder wie vorher gegessen, komme es zu dem gefürchteten Jo-jo-Effekt: Die mühsam abgehungerten Pfunde werden bald wieder auf die Waage gebracht - meist sogar noch ein paar mehr.
Durch den Eiweißabbau könne auch der Herzmuskel angegriffen werden, wodurch es zu Herzrhythmusstörungen und Kammerflimmern kommen und schlimmstenfalls der Herztod eintreten könne. Wird länger als einige Tage gefastet, sei auch eine Blutübersäuerung möglich. Häufig würden schmerzhafte Gichtanfällen durch die eingeschränkte Nahrungszufuhr beobachtet. Folgen der hohen Flüssigkeits- und Elektrolytverluste könnten zudem niedriger Blutdruck, Schwäche, Kopfschmerzen, Müdigkeit, trockene Haut und Schleimhaut, Mundgeruch sowie erhöhtes Kälteempfinden sein. Bedenklich sei zudem bei längerem Fasten die fehlende Zufuhr von essenziellen Fettsäuren, die für verschiedene Stoffwechselvorgänge unbedingt benötigt werden.
Fasten ist daher nach Ansicht von Ernährungsexperten für Schwangere, Stillende, Herz-, Leber-, Nieren- und Krebskranke, für Diabetiker sowie für Senioren und Kinder absolut ungeeignet.
Im Allgemeinen wird von Fastenärzten und Autoren einschlägiger Bücher immer wieder behauptet, dass durch Heilfasten der Körper entschlackt werden würde. Diese These sei jedoch wissenschaftlich unhaltbar: Die Nahrung werde im menschlichen Organismus vollständig verstoffwechselt und die Überreste auf natürlichem Wege ausgeschieden. Es fallen keine Schlacken an, folglich müssten sie auch nicht mit Hilfe irgendwelcher Diäten oder Trinkkuren ausgeschwemmt werden.
Wer nach der Weihnachts- und Schlemmerzeit einige Pfunde loswerden will, sollte an eine konsequente und anhaltende Ernährungsumstellung denken, raten die Ernährungsmediziner des D.I.E.T. Dazu empfehlen sie eine ballaststoffreiche und fettarme Kost, die gut sättigt und Fettreserven langsam und sicher abbaut.
Um schnell und reichlich abzuspecken, wird ausschließlich das proteinmodifizierte Fasten empfohlen. Es deckt den Eiweißbedarf des Organismus und der unerwünschte und gefährliche Muskelabbau findet dabei nur eingeschränkt statt. Auf diese Abspeckmethode setzten auch ärztlich geführte und in ihrer Wirkung wissenschaftlich belegte Adipositasprogramme wie Optifast, bei denen anfangs Fertigprodukte aus Apotheke oder Drogerie, eine sogenannte Formula-Diät, die normale Nahrung ersetzen. Sie enthalten nach Auskunft von D.I.E.T. neben lebensnotwendigen Proteinen auch Vitamine, Mineralstoffe, Kohlenhydrate und essenzielle Fettsäuren.
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