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Beitrag Nr. 107275 vom 27.11.2006

Sarbanes-Oxley weichgespült?

Der Sarbanes-Oxley-Act, der an US-Börsen notierten Firmen strikte Kontrollsysteme aufbürdet, könnte nach dem Wahlsieg der Demokraten stark überarbeitet und aufgeweicht werden. Grund sind vor allem die Kosten, die die Unternehmen aufwenden müssen, um das Gesetz zu befolgen.

Der Kostenfaktor sei für die Unternehmen nicht zumutbar, die US-Wirtschaft könnte möglicherweise international wegen der hohen Kosten, die das Einhalten des Sarbanes-Oxley-Gesetzes (SOX) für die Akteure bedeutet, nicht mehr konkurrenzfähig sein, gibt die Börsen-Zeitung die Befürchtungen demokratischer, aber auch republikanischer amerikanischer Politiker wieder. SOX war eine Reaktion auf die großen Finanzskandale wie Enron und Worldcom. Die meisten Parlamentarier hatten für das Gesetz gestimmt, ohne es zuvor gelesen zu haben.

Es verpflichtet Unternehmen, "fehlerfreie interne Kontrollsysteme" einzuführen, geringe Verstöße ziehen schwere Strafen nach sich, berichtet die Börsen-Zeitung. Die meisten Konzerne hätten deshalb mit "aufwendiger Überregulierung" reagiert. Firmen dürfen demzufolge keine Kredite an Mitarbeiter vergeben und müssen Insidergeschäfte sofort melden. Manager des Unternehmens dürfen während so genannter "blackout periods" für die Pensionsfonds keine Aktien kaufen oder verkaufen, so die Zeitung. Damit soll verhindert werden, dass Führungskräfte - wie im Fall Enron - Aktien vor Bekanntwerden gigantischer Verluste in großen Umfang verkaufen, während dies Mitarbeitern nicht gestattet ist.

SOX kostet jedes Unternehmen 4 Millionen Dollar

Besonders umstritten ist nach Angaben der Börsen-Zeitung der Paragraf 404: Demnach müssen "Unternehmen einen ,internen Kontrollbericht' vorlegen, der die Fehlerfreiheit der Selbstüberprüfung garantieren soll, ehe der Jahresabschluss den Wirtschaftsprüfern vorgelegt wird". Gerade dieser Passus hat Kritikern zufolge "zu einer massiven Überregulierung geführt".

Im Schnitt wendet jedes Unternehmen jährlich 4,36 Millionen Dollar zusätzlich auf, um diese Vorgaben erfüllen zu können - zu diesem Ergebnis ist eine Umfrage der Organisation Financial Executives International unter 217 Firmen gekommen. Große Konzerne können dies vielleicht verkraften, für kleinere und mittlere - die jetzt von den Politikern im Zuge ihrer Wahlkampfkampagnen wieder entdeckt wurden - bedeutet dieser finanzielle Aufwand eine riesige Bürde. Von dem Gesetz sind auch 19 deutsche Unternehmen, deren Aktien an US-Börsen notieren, betroffen. (kib)

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