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Beitrag Nr. 114495 vom 04.04.2007

KMU-IFRS vor dem Aus?

Der Entwurf der internationalen Bilanzregeln für mittelständische Unternehmen steht innerhalb Europas massiv unter Beschuss. Die EU will die Richtlinien nicht umsetzen.

Die vom Londoner International Accounting Standards Board (IASB) definierten internationalen Bilanzregeln für den Mittelstand werden so wohl nicht umgesetzt werden, da sie innerhalb der EU in der Kritik stehen, berichtet die Financial Times Deutschland (FTD). Damit würden die Standards schon im Entwurfstadium scheitern. Die Wirtschaft hatte während der gesamten Entwicklungsphase kritisiert, dass der Standardsetter die Belange des Mittelstands und speziell von familiengeführten Betriebe nicht berücksichtigen würde. Die International Financial Reporting Standards (IFRS) gelten ohnehin schon als kompliziert und aufwendig, die großen Konzerne tun sich mit den Regeln schwer. Die für die KMU abgespeckte Version ist aber ebenfalls zu kompliziert für den Mittelstand: "90 Prozent aller KMU in Deutschland beschäftigen beispielsweise weniger als zehn Mitarbeiter", weiß die FTD. Laut Knut Tonne, Experte bei der EU-Kommission in Brüssel, dürfte die EU den IASB-Entwurf für den Mittelstand "in seiner jetzigem Form weder wahlweise noch verpflichtend" umsetzen. Die EU oder die jeweiligen Mitgliedsstaaten müssen die Standards absegnen. Als "nicht sehr realistisch" beurteilt auch die EU-Kommission den Entwurf, schreibt die Zeitung.

Keine Stimme für den Mittelstand

Der Mittelstand dürfte die IFRS nur dann freiwillig anwenden, wenn die vierte und die siebte EU-Bilanzrichtlinie geändert werden. Derzeit überarbeitet die Kommission diese beiden Regeln, um "Vereinfachungen und Kostensenkungen für den Mittelstand zu erzielen", weiß die FTD. Im nächsten Frühjahr sollen erste Vorschläge vorliegen. Diskutiert werde zudem, ob nicht die einzelnen Mitgliedsstaaten künftig die Bilanzstandards für den Mittelstand selbst vorgeben sollen. Experten warnen davor, die IFRS zur freiwilligen Anwendung in der EU zuzulassen: "Denn Mittelständler müssten befürchten, dass das Wahlrecht faktisch über die Zwänge der Kapitalmärkte zur Pflicht wird", so die FTD.

In der Kritik steht weiterhin auch der Standardsetter selbst: Nur drei der über 30 Mitglieder der Arbeitsgruppe, die sich mit den KMU-Standards beschäftige, seien aus dem Mittelstand - davon kämen zwei aus den USA und einer aus Europa, nämlich Lemphirz-Chef Oliver Roth: "Wir konnten da nicht wirklich mitarbeiten", berichtet er. "Die Interessen familiengeführter Firmen wurden bei den Diskussionen in London nicht einmal erwähnt." (kib)

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