Lieferkettengesetz: Das sollten Sie wissen

Was sind globale Lieferketten?

Die Lieferkette bezeichnet vereinfacht gesagt den gesamten Weg eines Produktes oder einer Dienstleistung vom Rohstoff über die Veredelung bis zum Endkunden. Bei der Lieferkette, auch Supply Chain genannt, handelt es sich streng genommen jedoch nicht um eine Kette, sondern eher um ein Netzwerk von Organisationen, die an den verschiedenen Prozessen der Wertschöpfung in Form von Produkten und Dienstleistungen für den Endkunden beteiligt sind.

Das Supply-Chain-Management, also das Lieferkettenmanagement, hat die Aufgabe, den gesamten Wertschöpfungsprozess eines Produktes zu koordinieren. Dazu gehört die Zusammenarbeit zwischen Herstellern, Lieferanten, Distributoren und Verbrauchern.

Im Zuge der Globalisierung werden die Lieferketten immer komplexer. So reist ein T-Shirt beispielsweise rund 18.000 Kilometer um die Welt, bis es bei uns im Laden landet. In den globalen Wertschöpfungsketten sind über 450 Menschen beschäftigt. Deutschland ist so intensiv in internationale Lieferketten eingebunden wie keine andere Industrienation: Deutsche Unternehmen haben im Jahr 2018 im Import einen Umsatz von 1,09 Billionen Euro erwirtschaftet.

Diese Branchen sind besonders auf Leistungen aus anderen Ländern angewiesen:

  • Textil- und Modeindustrie
  • Elektronikbranche
  • Chemie- und Pharmaindustrie
  • Lebensmittelindustrie
  • Automobilindustrie
  • Maschinenbau

Ob Smartphone, Kaffee, Schokolade oder Pflastersteine: Etliche Produkte aus globalen Lieferketten sind Teil unseres Alltags.

Was passiert bei einem Verstoß gegen das Lieferkettengesetz?

Unternehmen, die gegen die Sorgfaltspflicht verstoßen und gegen die ein Bußgeld verhängt wird, werden bis zu drei Jahre von öffentlichen Ausschreibungen ausgeschlossen. Zudem können NGOs und Gewerkschaften für betroffene Arbeitnehmende vor deutsche Gerichte ziehen, wenn es Verstöße gegen Standards in Lieferketten gibt.

Für wen gilt das Lieferkettengesetz und wann tritt es in Kraft?

Das Lieferkettengesetz gilt ab 2023 für alle Unternehmen mit Sitz in Deutschland, die mehr als 3.000 Mitarbeitende beschäftigen. Ab 2024 gilt es für alle deutschen Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden.

Doch auch kleinere Unternehmen können betroffen sein: nämlich dann, wenn sie Teil einer Lieferkette von Großunternehmen sind.

Das „Gesetz über die unternehmerischen Sorgfaltspflichten in Lieferketten“ soll im Sommer 2021 in Kraft treten.

Welche Kritik gibt es am Lieferkettengesetz?

Sowohl vonseiten der Wirtschaft als auch von Umweltverbänden und Menschenrechtsorganisationen kommt Kritik am Lieferkettengesetz.

Das kritisiert die Wirtschaft...

In Wirtschaftskreisen macht sich die Sorge breit, dass deutsche Unternehmen im europäischen Vergleich einen Wettbewerbsnachteil haben könnten, weil sie Standards einhalten müssen, die in anderen Ländern nicht gelten. Ein entsprechendes Gesetz auf EU-Ebene ist derzeit jedoch in Arbeit. Zudem kritisieren Wirtschaftsverbände, dass die Bußgelder für Verstöße sowie der bürokratische Aufwand zu hoch und unverhältnismäßig seien.

Das kritisieren Menschenrechtsorganisationen...

Von Menschenrechtsorganisationen kommt Kritik, dass die Sorgfaltspflicht der Unternehmen abgestuft ist und somit nur für den eigenen Geschäftsbereich und die direkten Zulieferer uneingeschränkt gilt. Die gravierendsten Menschenrechtsverletzungen passierten jedoch häufig bei der Rohstoffgewinnung, wo das Gesetz nur bedingt greift. Die Tatsache, dass eine zivilrechtliche Haftung im Lieferkettengesetz ausgeschlossen ist, mache es den Betroffenen zudem noch schwieriger, rechtlich gegen Unternehmen vorzugehen.

Das kritisieren Umweltverbände...

Umweltverbände kritisieren, dass der Umwelt- und Klimaschutz im Gesetzentwurf kaum berücksichtigt wird. Die Verletzung von Umweltstandards verstößt nur dann gegen das Lieferkettengesetz, wenn dies unmittelbare Folgen für die Gesundheit der Menschen in der Umgebung hat – also beispielsweise, wenn Chemikalien ins Wasser geleitet werden und dadurch die Trinkwasserversorgung gefährdet ist.

Wer profitiert vom Lieferkettengesetz?

Vor allem Menschen, die in Ländern leben, die stark von Armut betroffen sind, könnten vom Lieferkettengesetz profitieren. So sind aktuell etwa 75 Millionen Kinder von ausbeuterischer Kinderarbeit betroffen. Der Lohnanteil einer Näherin eines Marken-T-Shirts liegt bei 0,6 Prozent. Pro Jahr werden 43 Millionen Tonnen Chemikalien in der Textilproduktion eingesetzt, die häufig gesundheitliche Schäden bei den Arbeitenden und den Menschen in der Umgebung auslösen. Wenn Unternehmen dazu verpflichtet werden, ihrer Sorgfaltspflicht nachzugehen, könnten sich die Umstände vieler Menschen entlang der Wertschöpfungsketten verbessern.

Hierzulande profitieren vor allem Unternehmen vom Lieferkettengesetz, die bereits freiwillig Initiativen gestartet haben, um ihrer Sorgfaltspflicht nachzukommen. Durch Investitionen und möglicherweise höhere Preise für Endverbraucher hatten sie bisher einen Wettbewerbsnachteil. Womöglich könnte sich dieser Nachteil nun sogar zu einem Vorteil entwickeln: Sie haben bereits eine Infrastruktur in ihrer Lieferkette etabliert, die die Sorgfaltspflicht berücksichtigt und haben somit einen Vorsprung in der Umsetzung des Gesetzes.

Was bedeutet das Lieferkettengesetz für das Supply-Chain-Management?

Für das Supply-Chain-Management bedeutet das Lieferkettengesetz zunächst, dass Unternehmen ihren eigenen Geschäftsbereich und die direkten Zulieferer auf Verletzungen der Standards hin überprüfen müssen. Eine Überprüfung bis ins letzte Glied der Lieferkette verlangt das Gesetz nicht. Sollten Sie jedoch von Verstößen bei mittelbaren Lieferanten erfahren, müssen Sie handeln.

Wie setzen Unternehmen das Lieferkettengesetz um?

Unsere Tools Nexis® Entity Insight und Nexis Diligence™ helfen Ihnen, Ihrer Sorgfaltspflicht nachzugehen.

Nexis® Entity Insight ist eine schnelle und effiziente Lösung zur proaktiven Risikoüberwachung von lokalen sowie globalen Lieferanten und Geschäftspartnern. Entity Insight liefert ein umfassendes Spektrum an Market-Intelligence-Inhalten aller PESTEL-Kategorien, die im frei verfügbaren Internet oft nicht zugänglich sind oder hinter Paywalls verborgen liegen – und das fast in Echtzeit. PESTEL steht dabei für Political, Economic, Social, Technological, Environmental und Legal. Das Tool wurde speziell für Compliance-Verantwortliche, Einkaufsabteilungen und Supply-Chain-Manager entwickelt.

Nexis Diligence™ ist ein webbasiertes Due-Diligence-Tool für Know-Your-Customer-Analysen, mit dem Sie über eine nutzerfreundliche Oberfläche Ihre Geschäftspartner gegen Sanktions- und PEP-Listen, Firmendatenbanken, Biografien, Rechtsurteile sowie internationale Nachrichtenquellen abgleichen können. Um Unternehmensrisiken vorzubeugen, überprüfen Sie durch die Hintergrund-Checks mit Nexis Diligence™ Ihre direkten Geschäftspartner und auch deren Geschäftspartner.

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