Danske Bank und Siemens bringen ABC-Compliance in die Vorstandsetage

Die Wichtigkeit von Compliance nimmt weiterhin zu

Foto Salvatore Saporito, LexisNexis GmbH

In diesem Sommer haben die Danske Bank und Siemens leitende Compliance-Beauftragte in ihre Vorstände berufen. Wir gehen der Frage nach, warum Compliance von immer mehr Unternehmen als absolut unabdingbar aufgefasst wird.

Bei der nächsten Vorstandssitzung der größten Bank Dänemarks wird zum allerersten Mal in der Geschichte des Unternehmens ein leitender Compliance-Beauftragter mit am Tisch sitzen. Die Danske Bank gab die Einstellung Philippe Vollots1 bekannt, der zuvor schon Maßnahmen gegen Finanzdelikte und Geldwäsche für die Deutsche Bank ergriffen hat. Die Aufwertung des Compliance-Status stellt in den USA und Europa einen wachsenden Trend dar. Auch Siemens2 berief mit Sylvie Kandé de Beaupuy eine eigene, leitende Compliance-Beauftragte in den Firmenvorstand. Dies zeigt, dass Compliance, anders als gesetzliche oder Audit-Maßnahmen, als einer der wichtigsten Geschäftsaspekte weithin akzeptiert ist.

Regulatorischer Druck begünstigt Compliance

Den vielleicht bedeutendsten Motor für die Zunahme von Compliance stellt die weltweite Verabschiedung von Gesetzen und Verordnungen gegen Bestechung und Korruption dar. In einer Duff & Phelps-Umfrage3 aus dem Jahr 2017 unter 183 hochrangigen Finanzfachleuten gaben neun von zehn Unternehmen an, dass regulatorische Reformen höhere Compliance-Kosten nach sich ziehen. In den letzten Jahren wurden in Großbritannien, den USA und in der EU neue Gesetze gegen Bestechung und Korruption sowie härtere Strafen bei Verstößen verabschiedet. Unternehmen, die wegen Bestechung oder Korruption verurteilt werden, zahlen nun beträchtliche Strafen und erleiden massive Imageverluste.

Ein jüngst beobachteter regulatorischer Trend besteht darin, Unternehmen, die Compliance ernst nehmen, Anreize zu bieten. Im vergangenen Jahr setzte das US-Justizministerium eine Corporate Enforcement-Maßnahme4 um, die Unternehmen, welche Vergehen gegen den Foreign and Corrupt Practices Act von sich aus zur Anzeige bringen und bestimmte Auflagen erfüllen, „zusätzliche Vorteile“ bietet. Eine zentrale Auflage besteht in der „Implementierung eines tragfähigen Compliance- sowie Ethikprogramms“, darunter „die von Unternehmen für Compliance aufgewendeten Ressourcen“ und „die Befugnis und Unabhängigkeit der Compliance-Funktion und die Verfügbarkeit einer Compliance-Expertise für den Vorstand“.

Erhöhung der Compliance-Budgets

Ein Bestechungs- oder Korruptionsskandal stellt für ein Unternehmen häufig den Auslöser dar, um den eigenen Umgang mit Compliance von Grund auf neu zu überdenken. Die Entscheidung der Danske Bank, den eigenen Compliance-Status auf eine neue Stufe zu heben, kann als Beispiel dafür gewertet werden. Sie lässt gegenwärtig eine interne Überprüfung von Anschuldigungen durchführen, wonach Kunden ihres estnischen Tochterunternehmens zwischen 2007 und 2015 das Institut zu Geldwäschezwecken missbraucht hätten.

Auch die brasilianische Baufirma Odebrecht hat in Compliance investiert, um infolge eines weitreichenden Bestechungsskandals das Ruder herumzureißen. Im letzten Jahr zahlte das Unternehmen 3,5 Milliarden US-Dollar an US-amerikanische, brasilianische und schweizer Korruptionsbekämpfungsbehörden, um Bestechungsvorwürfe in Brasilien abzuwehren. Danach hat es einen leitenden Compliance-Beauftragten ernannt und sein Compliance-Budget von 3 Millionen US-Dollar im Jahr 2015 auf 20 Millionen Dollar in diesem Jahr aufgestockt5.

Doch sind skandalumwitterte Unternehmen nicht die einzigen, die ihre Compliance-Budgets erhöhen. Umfragen unter Compliance-Fachleuten haben ergeben, dass der Großteil der Firmen mehr Geld für Compliance aufwendet. Ein Grund dafür ist, dass Unternehmen verstanden haben, dass sich ein Compliance-Fokus durchaus positiv auf die Geschäfte auswirken kann. Kunden und Investoren möchten mit Firmen zusammenarbeiten, die als ethische Unternehmen gelten. Ein gutes Beispiel dafür ist David Helgason, Mitbegründer eines bedeutenden dänischen Videospiel-Unternehmens, der sein Bankkonto einem anderen Institut anvertraute, nachdem er von den Geldwäscheanschuldigungen der Danske Bank erfahren hatte6.

Seriöse Unternehmen verfügen über bessere Beziehungen zu Drittparteien. Firmen, die sich an Gesetze gegen Bestechung und Korruption halten, kommen für lukrative Aufträge von Institutionen wie der Weltbank in Frage. Da mehr und mehr Unternehmen ein Gespür dafür entwickeln, werden weltweit wohl immer mehr Compliance-Beauftragte in die Vorstandsetagen rücken.

Die Führungsriege gibt den Ton an

Der Schritt von Danske Bank und Siemens zeigt deutlich, dass erkannt wurde, wie wichtig es ist, ethisches Verhalten in der Führungsriege beginnend einzufordern und den Kampf gegen Bestechung und Korruption von der Vorstandsetage aus zu führen. Selbst die besten Compliance-Programme sind nur dann wirkungsvoll, wenn die leitenden Firmenmanager rückhaltlos hinter diesem Prinzip stehen. Ist dies nicht der Fall, könnten sich jüngere Mitarbeiter dazu veranlasst fühlen, Verdachtsmomente hinsichtlich unethischen Verhaltens einfach unter den Tisch zu kehren. Firmenchefs haben auch die treuhänderische Verantwortung7, um im besten Interesse des Unternehmens und seiner Anteilseigner zu handeln; ein unter ihrer Aufsicht ans Licht kommender Korruptionsskandal kann als Missbrauch dieser Verantwortung aufgefasst werden.

Bestmögliche Verwendung Ihres Compliance-Budgets

Die Compliance in den Vorstand zu berufen und die Budgets dafür zu erhöhen, sind bedeutende Schritte im Umgang mit dem Bestechungs- und Korruptionsrisiko. Doch sind sie ohne flankierende Maßnahmen leider unzureichend. Unternehmen müssen sicherstellen, dass sie das Meiste aus ihrer Investition herausholen, indem sie bewährte Verfahren anwenden. Dazu zählt auch ein risikobasierter Due-Diligence-Ansatz, also die Bestimmung der Risikohöhe jedes Kunden, Lieferanten oder anderen Geschäftspartners, auf die bei Bedarf eine Enhanced Due Diligence folgt. Technologien können Unternehmen bei der Verringerung des Zeit- und Finanzaufwands für Compliance helfen und automatisierte Überprüfungen und Risikoabschätzungen ermöglichen, um existierende und aufkommende Risiken unzähliger Einheiten und Personen hinsichtlich unterschiedlichster Quellen zu identifizieren – von Sanktionskatalogen bis zu negativer Berichterstattung.

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Zur Person:

Salvatore Saporito ist Teamleiter Europa Risk & Compliance und seit 2003 bei der LexisNexis GmbH. Er studierte an der Universität zu Köln Wirtschaftswissenschaften (Betriebswirtschaftslehre) mit dem Abschluss Diplom-Kaufmann. Er ist Mitglied im Deutschen Institut für Compliance (DICO), dem Berufsverband der Compliance Manager (BCM), in der DGI Fachgruppe Compliance sowie im österreichischen Compliance Praxis Netzwerk. Salvatore Saporito ist regelmäßig Referent zum Thema Geschäftspartnerüberprüfung.


Quellen:

1 Danske Bank Names New Compliance Chef, The Wall Street Journal, 20.07.2018
2 Siemens nominates compliance professional to Board, The FCPA Blog, 5.06.2018
3 Compliance costs to more than double by 2022, Financial News, 27.04.2017
4 FCPA Corporate Enforcement Policy, Justice Gov
5 Odebrecht’s new chief compliance officer takes steps to leave bribery scandal behind, mlex, 7.05.2018
6 Danske Bank’s money laundering scandal spooks investors, Financial Times, 2018
7 Fiduciary Responsibilities: Corporations, Lawyers.com

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