Anti-Korruptions-Olympia?!

Wird Rio als Anti-Korruptions-Olympia in Erinnerung bleiben?

Foto Salvatore Saporito, LexisNexis GmbH

Letztes Wochenende wurden die Olympischen Spiele 2016 in Rio mit einer spektakulären Abschlussfeier beendet. Die Paralympics beginnen nächsten Monat. Die großartigen Leistungen von Usain Bolt und Michael Phelps bestimmten die Überschriften in den Medien während des letzten Monats. Aber neben den sportlichen Ereignissen wird Olympia 2016 auch aufgrund einiger Bestechungs- und Korruptionsvorwürfe in Erinnerung bleiben.

Die Ereignisse in Rio haben zu Untersuchungen zur Rolle des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) geführt, der Schweizer Organisation, die die Wettbewerbe veranstaltet. IOC-Funktionär Pat Hickey wurde in Brasilien wegen Anschuldigungen über illegale Ticketverkäufe verhaftet. Ihm wird von den brasilianischen Behörden vorgeworfen, in Machenschaften verstrickt zu sein, im Rahmen derer Tickets für die Spiele zu überhöhten Preisen weiterverkauft wurden.

Das ICO gab bekannt, dass es mit der Polizei im Rahmen der Untersuchungen kooperieren würde, dass Hickey aber solange als unschuldig gelten sollte, bis das Gegenteil bewiesen wurde.

Durch die Verhaftung könnten allerdings erneut die Stimmen lauter werden, die Veränderungen in der Organisation der Olympischen Spiele verlangen. Das IOC jongliert mit riesigen Geldsummen aus Übertragungsrechten, Sponsorengeldern, Lizenzen und Ticketverkäufen. Es steht nun den Anschuldigungen der Medien gegenüber, mit diesem Geld nicht transparent und verantwortungsvoll umzugehen.

In einem Blogpost als Reaktion auf Hickeys Verhaftung stellt Rio Olympics Neighbourhood Watch, ein NGO-Projekt in Rio, die Fragen „Wie viel ist über die internen Tätigkeiten des IOC und seine Finanzen bekannt? Wer ist diese elitäre Gruppe an Entscheidungsträgern, von denen jeder die Freigabe hat, während der Spiele 900 US-Dollar pro Tag auszugeben und deren Entscheidungen sich permanent auf kleine Fabriken in der ganzen Welt auswirken?"1

FIFA, der Weltfußballverband, war in den vergangenen Jahren ähnlicher Kritik ausgesetzt. Dies gipfelte in der Verhaftung von 14 Funktionären im Mai 2015. Die Festnahme von Pat Hickey führte nun zu einem noch stärkeren Druck auf diese Organisationen, sich zu verändern. Unternehmen, die sich entscheiden, mit den Olympischen Spielen oder der Fußball-Weltmeisterschaft zusammenzuarbeiten, zum Beispiel im Rahmen von Sponsorings oder Ausschreibungen, sollten die Medienberichterstattung über das IOC und die FIFA genau beobachten. Diese Unternehmen könnten auch ihren Einfluss nutzen, um die Organisationen zu Veränderungen zu bewegen.

Doping- und Bestechungsvorwürfe

Die Olympischen Spiele in Rio wurden auch von Doping- und Bestechungsvorwürfen begleitet. Schon bevor die Spiele begonnen hatten, wurden 118 russische Athleten wegen Verdacht auf staatlich unterstütztes Doping ausgeschlossen. Einem Gewichtheber aus Kirgisien wurde die Bronzemedaille aberkannt und eine Reihe anderer Athleten wurde wegen Dopingvorwürfen nach Hause geschickt. Viele Athleten beschuldigten ihre Konkurrenten des Dopings. Ein Schwimmer sagte über einen Kontrahenten „Der pinkelt lila".

Schon bei vergangenen Olympischen Spielen kam es immer wieder zu Bestechungsvorwürfen. Beispielsweise im Rahmen von Bauaufträgen für Stadien oder Infrastruktur, der Wahl des ausrichtenden Landes oder um potenzielle Kunden oder politisch exponierte Personen (PEPs) mit Tickets zu bestechen. In Rio wurden sogar die Kampfrichter von irischen und US-amerikanischen Boxern beschuldigt, Bestechungsgelder anzunehmen, um ihre Entscheidungen zu beeinflussen. Einige der Kampfrichter wurden daraufhin der Spiele verwiesen.

Man könnte diese Fälle als Schaden für die Olympische Marke betrachten. Andererseits zeigt der Ausschluss der Kampfrichter und Athleten, dass die Anti-Korruptionsmaßnahmen im Sport Wirkung zeigen. Andy Spalding, Dozent an der University of Richmond School of Law, schrieb in einem Artikel für den FCPA-Blog „Die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio könnten, nein sollten in die Geschichte eingehen als die Anti-Korruptions-Spiele. Wir haben vermutlich nie zuvor so viel über Betrug oder Betrugsverfolgung geredet, und darüber, wie man am effektivsten Betrug eindämmen kann, wie gerade."2

Korruption in Brasilien im Rampenlicht

Schon vor dem Start der Olympischen Spiele war Korruption ein wichtiges Thema in Brasilien. Präsidentin Dilma Rousseff wurde suspendiert, da ihr vorgeworfen wurde, Haushaltszahlen manipuliert zu haben, was sie selbst bestreitet. Diese Woche wird entschieden, ob sie des Amtes enthoben wird. Weitere Anschuldigungen betreffen die Ölfirma Petrobas, die Regierungsvertreter im Rahmen von Vertragsverhandlungen bestochen haben soll.

Durch die Olympischen Spiele blickt die Welt nun auf diese Fälle in Brasilien. Manche Beobachter könnten meinen, das Land habe einen Korruptions-Negativ-Rekord. Aber ein Bericht des University of Richmond Law School Anti-Corruption team meint, dass „diese Skandale eigentlich Beweis dafür sind, dass die jüngst in Kraft getretenen Korruptionsgesetze Wirkung zeigen."3 Der Clean Company Act von 2014 zielt auf ein strenges Vorgehen gegen Bestechungen im Rahmen von Vertragsverhandlungen ab. Absprachen bei Ausschreibungen und Betrug sind im öffentlichen Einkauf unzulässig. Das Gleiche gilt für die Bestechung brasilianischer Behörden.

Nach Spalding ist die öffentliche Aufarbeitung der Korruptionsfälle, in die Spitzenkräfte von Unternehmen und Behörden in Brasilien verwickelt sind, ein Zeichen dafür, dass das Land jetzt effektive Maßnahmen zur Bekämpfung von Bestechung und Korruption verfolgt. Verstöße gegen Korruptionsgesetze können Beweis dafür sein, dass diese Gesetze funktionieren. Sie schaffen Vertrauen in das Engagement eines Landes, um hart gegen Bestechung und Korruption vorzugehen. Rio wird wegen der sportlichen Spitzenleistungen von Bolt und Phelps im Gedächtnis bleiben. Aber vielleicht sollte man sich an Rio auch als Anti-Korruptions-Spiele erinnern.


Zur Person

Salvatore Saporito ist Business Development Manager Risk & Compliance und seit 2003 bei der LexisNexis GmbH. Er studierte an der Universität zu Köln Wirtschaftswissenschaften (Betriebswirtschaftslehre) mit dem Abschluss Diplom-Kaufmann. Er ist Mitglied im Deutschen Institut für Compliance (DICO), im österreichischen Compliance Praxis Netzwerk sowie im American Chamber of Commerce. Salvatore Saporito ist regelmäßig Referent zum Thema Geschäftspartnerüberprüfung.


1 The Machine Behind the Scenes: Get to Know the IOC, rioonwatch.org

Andy Spalding: Why doping scandals are good for the Olympics, fcpablog.com

3  law.richmond.edu/olympics

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