Compliance-Risiken an Weihnachten

Unternehmen nutzen Wirtschaftskriminalität, um Umsätze anzukurbeln.

Foto Salvatore Saporito, LexisNexis GmbH

Weihnachten mag die Zeit der Nächstenliebe sein. Aber Firmen müssen sich darüber im Klaren sein, dass das Fest auch ein erhöhtes Risiko für Wirtschaftskriminalität mit sich bringt. Diese Risiken sind beispielsweise Bestechung, um höhere Verkaufszahlen während der lukrativen Weihnachtszeit zu erzielen, Korruption getarnt als Gastfreundschaft und unethische Beschaffung von Waren.

Wahnsinn im Einzelhandel verleitet zu Bestechung

Die Weihnachtszeit ist für den Einzelhandel die wichtigste Zeit des Jahres. Die Einnahmen im Dezember tragen enorm zum gesamten Jahresumsatz bei. Die Versuchung, eine Finanzstraftat zu begehen, um Umsätze weiter anzukurbeln ist zu dieser Zeit besonders hoch. Geschäftsführer, die ihr nachgeben, neigen dazu, Bestechungsgelder zu zahlen, um vor der Konkurrenz einen Vertrag oder einen Kauf abzuschließen. Es ist also entscheidend, dass Firmen angemessene Compliance-Prozesse implementieren, um Fälle von Wirtschaftskriminalität in Ihrem Geschäftsumfeld aufdecken zu können.

Das neueste Spielzeug, das auf keinen Fall unter dem Weihnachtsbaum fehlen darf, oder reduzierte Smartphones zum Jahresanfang – manche Produkte sind diesen Monat besonders stark gefragt. Deshalb sollten Einzelhandelsunternehmen ihre Mitarbeiter vor der Versuchung warnen, solche Produkte für manche Kunden gegen ein Bestechungsgeld zu reservieren oder auch Produkte selber zu kaufen, um diese dann teurer weiter zu verkaufen. Das stellte Anfang 2016 ein so großes Problem in Hongkong dar, dass die unabhängige Kommission gegen Korruption einen Leitfaden1 erstellte, der Einzelhandelsmitarbeiter zu diesen Gefahren schult.

Die Zeit des Schenkens

Die Winterzeit ist die Zeit des Schenkens, ob an Weihnachten, zum chinesischen Neujahr oder zum hinduistischen Lichterfest Diwali. Geschäftsführer laden Kunden und Lieferanten zu dieser Jahreszeit oft zum Essen ein oder machen großzügige Geschenke. Doch während das Gesetz es in manchen Ländern erlaubt, durch Gastfreundschaft Informationen über seine Produkte oder Dienstleistungen zu vermitteln oder gute Beziehungen zwischen Firma und Kunde aufrecht zu erhalten, ist es für gewöhnlich illegal, Gastfreundschaft für Bestechungen auszunutzen.

Bill Pollard, beratender Partner bei Deloitte, sagte in einem Interview2 letztes Jahr, dass die Weihnachtszeit die anstrengendste Zeit für Compliance Officer sein kann: „Wir befinden uns in einer traditionellen Jahreszeit, während der man sich auf der ganzen Welt beschenkt. Westliche und östliche Kulturen legen Verhaltensweisen an den Tag, bei denen die Anträge auf Genehmigung in Bezug auf Geschenke, extrem in steigen." Unternehmen müssen also sicherstellen, dass sie auf dem neuesten Stand der Anti-Bestechungs-Rechtslage sind. Vor allem Drittparteien mit Verbindungen zu Regierungsbeamten und politisch exponierten Personen müssen besonders unter die Lupe genommen werden.

Ethische Überprüfung der Beschaffungsstrukturen

Auch in der Eile, genügend Vorrat für die Weihnachtseinkäufer zu beschaffen und produzieren, sollten Firmen die Due-Diligence-Prüfungen ihrer Lieferanten nicht vernachlässigen. Unternehmen sollten wissen, wo ihre Produkte herkommen und einen risikobasierten Ansatz für ihre Due Diligence erfolgen, damit besonders gefährdete Geschäftspartner in Ländern oder Industrien mit erhöhtem Bestechungsrisiko genauer überprüft werden.

Außerdem sollten Firmen die Arbeitsbedingungen in ihren Lieferketten untersuchen. Viele Bekleidungsgeschäfte in ganz Europa erlitten beispielsweise Reputationsschäden, als 2013 eine Fabrik in Bangladesh auf Grund mangelnder Sicherheitsregelungen einstürzte und dabei 1.135 Menschen ums Leben kamen. Primark, KiK, C&A und Cropp waren beispielsweise unter den Firmen, die durch (soziale) Medien3 aufgefordert wurden, die alternative Einrichtung für die Arbeiter aus der eingestürzten Fabrik finanziell zu unterstützen. Primark zahlte laut eigener Aussage 14 Millionen US-Dollar.4 Der Druck, diese Summe zu zahlen, kam nicht nur von Kunden sondern auch von Investoren. Das Interfaith Center für Corporate Responsibility, eine Koalition 275 institutioneller Investoren für sozialen Wandel, hat die Kleidungsmarken ebenfalls aufgefordert, mehr für die Opfer der Katastrophe zu tun.5 Die Investoren besaßen zusammen ein verwaltetes Vermögen im Wert von mehr als 4 Billionen US-Dollar. Ein entsprechend hoher finanzieller Druck lastete auf den Unternehmen, die Anforderungen der Investoren zu erfüllen. 

Es wäre nicht fair zu behaupten, dass die Textilfirmen das Unglück der Rana-Plaza-Fabrik hätten vorhersehen können. Aber der Fall beweist die Wichtigkeit verstärkter Due-Diligence-Prüfungen der Lieferanten in Hoch-Risiko-Märkten wie Bangladesh. Denn wenn es in Ihrer Zulieferkette menschenunwürdige Arbeitsbedingungen gibt, dann handeln auch Sie letztlich unethisch.


Zur Person

Salvatore Saporito ist Business Development Manager Risk & Compliance und seit 2003 bei der LexisNexis GmbH. Er studierte an der Universität zu Köln Wirtschaftswissenschaften (Betriebswirtschaftslehre) mit dem Abschluss Diplom-Kaufmann. Er ist Mitglied im Deutschen Institut für Compliance (DICO), im österreichischen Compliance Praxis Netzwerk sowie im American Chamber of Commerce. Salvatore Saporito ist regelmäßig Referent zum Thema Geschäftspartnerüberprüfung.


1 South China Morning Post, 17.05.2016, Hong Kong's ICAC warns of corruption risk in retail sector
2 Daily, 01.12.2016, Tis the Season for Giving — And for Compliance Risks
The Guardian, 16.03.2014, Primark to pay £6m more to victims of Rana Plaza factory in Bangladesh
Primark, Rana Plaza
Financiel Times, 10.05.2014, Rana Plaza companies not doing enough

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