Compliance-Trends 2016

Ein Rückblick

Foto Salvatore Saporito, LexisNexis GmbH

Das Jahr neigt sich strammen Schrittes dem Ende zu. Wir haben die letzten Tage in 2016 zum Anlass genommen, uns die wichtigsten Entwicklungen in der Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität noch einmal anzuschauen.

Der wirtschaftlich Berechtigte im Fokus

Die Problematik des wirtschaftlich Berechtigten (Beneficial Ownership) war 2016 eindeutig das meist diskutierte Thema zu finanzieller Kriminalität. Der Panama-Papers-Skandal im April hat teilweise dazu beigetragen. Die Veröffentlichung der brisanten Dokumente hat zu einer Reihe von Rücktritten hochrangiger Politiker geführt. Zahllose Untersuchungen zu den Vorwürfen folgten und die Medien konzentrierten einen Großteil ihrer Berichterstattung auf das Thema.

Beneficial Ownership steht nun oben auf der Agenda von nationalen und internationalen Regierungen und Behörden, um Finanzkriminalität in den Griff zu bekommen. Beim Londoner Anti-Corruption Summit im Mai wurde bekanntgegeben, dass sich 40 Gerichtsbarkeiten zum gegenseitigen automatischen Teilen von Informationen über wirtschaftlich Berechtigte verpflichtet haben.1 Das bedeutet, dass die Strafverfolgungsbehörden der einzelnen Länder erkennen können, wer wirklich Besitztümer und Einfluss in Unternehmen in diesen Ländern hat.

Internationale Institutionen wie die G20 und die OECD riefen Länder dazu auf, mehr zum Teilen dieser Informationen beizutragen. Im Oktober veröffentlichte die Financial Action Task Force (FATF) Ideen2, wie die Einführung internationaler Transparenzstandards inklusive der Verfügbarkeit von Beneficial-Ownership-Informationen verbessert werden können.

Die Rechtssprechung fördert Selbstanzeigen

Eine weitere wichtige Entwicklung in 2016 war die Ermutigung von Unternehmen, sich selbst zu stellen, wenn sie mit mutmaßlichen Fällen von Wirtschaftskriminalität in Verbindung kommen – innerhalb des Unternehmens oder mit einer dritten Partei. Im Juli gab es in Großbritannien einen Fall, in dem ein Unternehmen einen Bestechungsfall meldete, den Behörden bei den Untersuchungen half und sein Compliance-Programm überarbeitete.3 So vermied es eine Verurteilung und musste eine Strafe zahlen, die geringer ausfiel, als üblicherweise für vergleichbare Bestechungsfälle. Frankreich adaptierte die Rechtsprechung nach der Unternehmen die Strafverfolgung in diesem Rahmen beeinflussen können im November.4 Australien führt aktuell ähnliche Überlegungen.

Im April starteten die US-Behörden ein einjähriges Pilotprogramm, um Unternehmen anzuregen, eigene Verstöße gegen den Foreign and Corrupt Practices Act (FCPA) freiwillig zu melden. Unternehmen, die freiwillig und frühzeitig Beweise gegen die Verstöße liefern und mit den Behörden im Rahmen der Ermittlungen kooperieren, können eine bis zu 50-prozentige Reduktion der Strafzahlung erwarten.

Auch die Rechtsprechung zur Bekämpfung von Geldwäsche wurde 2016 gestärkt. Im Juli übernahm die EU einen Vorschlag, um Anti-Geldwäsche-Regelungen zu forcieren.5 So soll die Terrorismusfinanzierung bekämpft und eine höhere Transparenz über die tatsächlichen Eigentumsverhältnisse von Unternehmen und Vermögen geschaffen werden.

Entwicklung der Sanktionen

Es gab in diesem Jahr weitreichende Veränderungen in der Sanktionsstrategie. Die USA reduzierten ihre Sanktionen gegen Kuba, Nordkorea und Myanmar weiter und die EU hat ihre Sanktionen gegen Russland erneuert. Diese und weitere Entwicklungen wurden auch im LexisNexis E-Book im November dokumentiert.

Die Ereignisse in 2016 könnten langfristig zu weiteren Sanktionsänderungen führen. Großbritannien stimmte im Juni mit dem Brexit dafür ab, aus der EU auszutreten. Somit ist das Land nicht länger an die Sanktionsregeln der EU gebunden. Auch Donald Trump, der kürzlich zum neuen Präsidenten der USA gewählt wurde, hat bereits angekündigt, eine andere Sanktionsstrategie als sein Vorgänger zu verfolgen.6

Compliance als Wachstumsförderer

2016 hat auch gezeigt, dass Unternehmen und Länder, die ernsthaft gegen Bestechung und Korruption vorgehen, ihre Umsätze steigern können. So konnte Singapur durch robuste Anti-Korruptions-Gesetzlich und seine Haltung gegenüber Korruption im privaten und öffentlichen Sektor einen deutlichen Wettbewerbsvorteil gegenüber seiner Nachbarstaaten gewinnen.7

Ein Bericht der Weltbank zeigte, dass die Bank 144 korrupte Unternehmen und Individuen ausschloss oder mit Sanktionen versah. Diese sanktionierten und ausgeschlossenen Unternehmen können sich nicht länger um lukrative Weltbankverträge bewerben.

Die Internationale Organisation für Normung veröffentlichte mit der ISO 37001 im Oktober einen neuen Standard, wodurch Unternehmen ihre Compliance-Bemühungen zur Bestechungs- und Korruptionsprävention zertifizieren lassen können. Experten sagen voraus, dass dieser Standard Unternehmen helfen wird, neue Verträge zu generieren, indem sie ehrliches und verantwortungsvolles Handeln demonstrieren.8

Aufstieg der Technologie

Ein Bericht der Weltbank im April identifizierte Technologie als zentralen Bestandteil einer starken Compliance-Strategie. Die richtige Nutzung und Sammlung von Daten kann Unternehmen helfen, verdächtige Verhaltensweisen aufzudecken und Ineffizienzen oder korrupte Praktiken zu erkennen.

Die UK Financial Conduct Authority bestärkt in ihrem Geschäftsplan 2016/2017 Unternehmen, Technologien zu nutzen, um Compliance-Kosten zu senken. Technologie ermöglicht Unternehmen, schnell ihre Geschäftspartner gegen Datenbanken mit den neuesten Informationen, Negative News, Rechtsprechungen und Watch-, Sanktions- und PEP-Listen zu prüfen.

Moderne Sklaverei

In diesem Jahr wurde auch ein schärferer Blick auf die ethischen Beschaffungspraktiken von Unternehmen geworfen. Im Oktober jährte sich die Einführung des UK Modern Slavery Acts zum ersten Mal. Ein Bericht zeigte, dass zu diesem Zeitpunkt nur 56 % der untersuchten Unternehmen dem Minimum an Anforderungen gerecht wurden. Ein LexisNexis-Bericht im September zeigte ein hohes Risiko an Zwangsarbeit in der Bauindustrie und ihren Wertschöpfungsketten auf.

Die Entwicklungen in allen Bereichen der Bestechung und Korruption machte 2016 erneut die Wichtigkeit eines robusten Risikomanagements und einer verstärkten Compliance deutlich, die für Unternehmen besteht, um behördliche, finanzielle, strategische und Reputationsziele zu erreichen. Hier erfahren Sie, wie Ihnen LexisNexis helfen kann, diese sich laufend entwickelnden Risiken zu minimieren.


Zur Person

Salvatore Saporito ist Business Development Manager Risk & Compliance und seit 2003 bei der LexisNexis GmbH. Er studierte an der Universität zu Köln Wirtschaftswissenschaften (Betriebswirtschaftslehre) mit dem Abschluss Diplom-Kaufmann. Er ist Mitglied im Deutschen Institut für Compliance (DICO), im österreichischen Compliance Praxis Netzwerk sowie im American Chamber of Commerce. Salvatore Saporito ist regelmäßig Referent zum Thema Geschäftspartnerüberprüfung.


1 Gov UK, 12.05.2016, Anti-corruption Summit | London 2016
2 FATF, 07.10.2016, FATF Report to the G20 – Beneficial Ownership
3 SFO, 08.07.2016, SFO secures second DPA
4 The FCPA Blog, 10.11.2016, New French anti-corruption law allows DPAs
5 European Commission, 05.07.2016, Commission strengthens transparency rules to tackle terrorism financing, tax avoidance and money laundering
6 The Guardian, 28.11.2016, Donald Trump threatens to freeze US-Cuba thaw days after Castro's death
7 ethixbase, 2016, Whitepaper | Country Focus: Singapore- Anti-Corruption Compliance and Corporate Practices

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