Die Verbindung zwischen Corporate Human Rights Benchmark und Risikomanagement verstehen

Ist Social Compliance Teil Ihres Risikomanagementprozesses?

Foto Salvatore Saporito, LexisNexis GmbH

Im vergangenen Monat wurde der erste Corporate Human Rights Benchmark (CHRB) veröffentlicht. Die Studie untersucht die Anwendung und Einhaltung der Menschenrechte bei 98 der 500 größten börsennotierten Unternehmen der Welt. In diesem Beitrag stellen wir die Ergebnisse der ersten Analyse vor und erklären, warum der CHRB wichtig ist.

Die Studie wird jährlich eine vergleichende Momentaufnahme der Performance der größten Unternehmen der Welt in Sachen Menschenrechte liefern. Sie wurde von Aviva Investors, dem Business and Human Rights Resource Centre, Calvert Investments, dem Institute for Human Rights and Business (IHRB), VBDO und Vigeo Eiris entwickelt. In der ersten Analyse wurden Unternehmen aus der Landwirtschaft, Bekleidungsbranche und dem Rohstoffsektor in sechs einmalig gewichteten Bewertungs­kategorien untersucht. Die Unternehmen wurden nach Größe (Marktkapitalisierung) und Umsatz sowie ausgewogener geografischer und Branchenverteilung ausgewählt.

Die Verbindung zwischen Corporate Human Rights Benchmark und Risikomanagement verstehenQuelle: Business and Human Rights Resource Centre                                                                              

Der Corporate Human Rights Benchmark baut auf den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte (United Nations Guiding Principles on Business and Human Rights) und anderen internationalen und branchenspezifischen Standards für Menschenrechte und verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln auf. Er betrachtet insbesondere die Richtlinien, Prozesse und Methoden der Unternehmen sowie Transparenz und wie Unternehmen auf schwere Vorwürfe reagieren.

Der CHRB präsentiert drei Unternehmen, die in Sachen Menschenrechte die beste Leistung erzielt haben (Bewertung über 60 %):

  • BHP Billiton (Rohstoffe)
  • Marks & Spencer Group (Landwirtschaftliche Produkte/Bekleidung)
  • Rio Tinto (Rohstoffe)

Fünf Grunde, warum der CHRB wichtig ist

Die Vereinten Nationen beobachten: „In einer immer stärker vernetzten Welt stehen die Auswirkungen unternehmerischer Tätigkeiten auf Menschen und Gemeinschaften unter stärkerer Beobachtung." In diesem Sinne ist die Anwendung und Einhaltung von Menschenrechten nicht nur ein Thema für NROs und gemeinnützige Organisationen. 

1. Der CHRB trägt zu einem ausgewogeneren und gerechteren globalen Markt bei.

Große Unternehmen haben großen Einfluss darauf, wie die Weltwirtschaft funktioniert. Indem er die soziale Leistung großer Unternehmen anhand international anerkannter Standards bewertet, hilft der CHRB, einen ausgewogeneren und gerechteren globalen Markt zu schaffen.

2. Der CHRB zeigt auf, wo Verbesserungen nötig sind.

Die durchschnittliche Gesamtbewertung aller betrachteten 98 Unternehmen betrug 28,7 %; nur sechs Unternehmen erreichten einen Wert über 50 %. Bei neun Unternehmen lag das Ergebnis unter 10 %. Der CHRB zeigt deutlich, dass es erhebliche Verbesserungs­möglichkeiten gibt, damit Unternehmen Good Practice einführen und unter Beweis stellen können.

3. Der CHRB ermöglicht Investoren, sich bei ihren Entscheidungen von ethischen Kriterien leiten zu lassen.

Der CHRB wird von 85 Investoren unterstützt, auf die ein verwaltetes Vermögen von insgesamt 5,3 Billionen USD entfällt. Eine der erwarteten Folgen des Benchmarks besteht darin, dass Investoren besser gerüstet sein werden, um einerseits Investitionen in Unternehmen zu tätigen, die in Einklang mit internationalen Menschenrechtsstandards handeln. Andererseits werden sie auf nicht konforme Unternehmen einwirken, damit diese ihre Leistung verbessern. Gegebenenfalls werden sie auch ihr Kapital abziehen, wenn keine Verbesserungen erzielt werden. Darüber hinaus spiegeln die Verbraucher immer mehr die Bedenken der Investoren wider und messen die Unternehmen, mit denen sie Geschäfte machen, an hohen ethischen Standards – oder anders ausgedrückt an ihrer sogenannten „Social Compliance".

4. Der CHRB motiviert Unternehmen, über die Achtung der Menschenrechte zu konkurrieren.

Die Studie fördert den Wettbewerb im Markt und zwischen Unternehmensführungen, indem er den Anreiz schafft, sich mit einer verbesserten Anwendung und Einhaltung von Menschenrechten und der Etablierung von Best Practices an die Spitze des jährlichen Rankings zu stellen. Neben Investoren wird der Corporate Human Rights Benchmark auch die Zivilgesellschaft, Arbeiter, Kunden und Verbraucher informieren und in die Lage versetzen, fundierte Entscheidungen für oder gegen Geschäfte mit bestimmten Unternehmen zu treffen.

5. Der CHRB hält Unternehmen zu mehr Transparenz an.

Der CHRB unterscheidet sich von anderen Rahmenwerken zur Berichterstattung dadurch, dass er auf dem „kennen und zeigen"-Grundsatz der UN-Leitprinzipien aufbaut. Das heißt, dass der Benchmark nur öffentlich verfügbare Daten analysiert, einschließlich Informationen von Unternehmenswebsites, Nachhaltigkeits- und Geschäftsberichte, anderer relevanter Dokumente und von den Unternehmen selbst bereitgestellter Informationen. Nicht öffentliche Methoden der Unternehmen im Bereich Menschenrechte werden in die Untersuchung und Bewertung nicht einbezogen. Nach John Morrison, Chief Executive des CHRB bedeutet das, dass „einige Unternehmen im ersten Ranking eine niedrige Bewertung erreicht haben, nicht unbedingt, weil sie sich nicht um Menschenrechte kümmern, sondern weil sie diesen Themenkomplex noch nicht effizient kommunizieren".

Weitere Unternehmen und Branchen sollen folgen

Die drei genannten Branchen werden im nächsten Bericht Ende 2018 wieder bewertet. Die CHRB-Initiative ist bestrebt, weitere Branchen hinzuzunehmen und das jährliche Ranking auf die Top-500-Unternehmen auszudehnen.

Was Sie jetzt tun können

1. Erfahren Sie mehr über den CHRB: Lesen Sie den Bericht über die wichtigsten Ergebnisse des Corporate Human Rights Benchmark.

2. Verbessen Sie Ihre Menschenrechts-Due-Diligence: Erfahren Sie, wie LexisNexis® Entity Insight Unternehmen dabei unterstützt, die Berichterstattung in Printmedien, im Internet, im Rundfunk und in sozialen Netzwerken zu verfolgen, um Anzeichen für Reputations-, aufsichtsrechtliche, finanzielle und strategische Risiken – einschließlich Verstöße gegen die Menschenrechte – zu erkennen.

3. Setzen Sie sich mit einem zentralen Menschenrechtsthema auseinander - moderne Sklaverei: Moderne Sklaverei ist eines der zentralen Menschenrechtsthemen für Unternehmen im Jahr 2017. Erfahren Sie mehr über dieses Thema mit unseren Berichten über moderne Sklaverei in der Baubranche oder welche Folgen der UK Modern Slavery Act für Ihr Unternehmen hat. 


Zur Person

Salvatore Saporito ist Business Development Manager Risk & Compliance und seit 2003 bei der LexisNexis GmbH. Er studierte an der Universität zu Köln Wirtschaftswissenschaften (Betriebswirtschaftslehre) mit dem Abschluss Diplom-Kaufmann. Er ist Mitglied im Deutschen Institut für Compliance (DICO), dem Berufsverband der Compliance Manager (BCM), in der DGI Fachgruppe Compliance, im österreichischen Compliance Praxis Netzwerk sowie in der American Chamber of Commerce. Salvatore Saporito ist regelmäßig Referent zum Thema Geschäftspartnerüberprüfung.


Quellen

corporatebenchmark.org
Guiding Principles on Business and Human Rights, ohchr.org
The First Wide-Scale Publicly Available Benchmark on Corporate Human Rights Performance, 13.03.2017, ihrb.org
Human Right Outlook 2017, Where next for The Corporate Human Rights Benchmark?, 16.03.2017, ethicalcorp.com
maplecroft.com

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