Die dunkle Seite von Schokolade

Foto Salvatore Saporito, LexisNexis GmbH

Wenn das Jahr langsam zu Ende geht, stöhnen die Regale der Supermärkte wieder unter den Schokoladenbergen, die weltweit in großen Mengen verkauft und verschenkt werden. Anlässlich des Weltantikorruptionstages am 9. Dezember1 ist jetzt die perfekte Zeit, um sich zu fragen: Verbergen die Leckereien, die wir in unsere Einkaufswägen legen, eine unheilvolle Seite in ihren Lieferketten?

Die Rolle der Verbraucher

Wie Kaffee und Blumen sind auch die Kakaofelder berüchtigt dafür, dass auf ihnen Sklaven zur Arbeit eingesetzt werden, um all unsere täglichen Bedürfnisse und Feiertagsbestellungen erfüllen zu können. Leider ist das Kakaogeschäft eines der größten Portale für Kindersklavenarbeit, da die kleinen Hände und Körper der Kinder es ermöglichen, an schwer erreichbare Stellen zu gelangen und schnell zu arbeiten. Viele nicht gewinnorientierte Organisationen wie Stop the Traffik2 haben es sich zur Aufgabe gemacht, den Verbraucher über die unethischen Praktiken in der Kakaowirtschaft und den Einsatz von Kinderarbeit aufzuklären.

Wäre Schokolade wirklich das Geschenk der Wahl, wenn die Verbraucher wüssten, dass schätzungsweise 1,8 Millionen Kinder im Kakaosektor an der Elfenbeinküste und in Ghana arbeiten? Nein. So fand eine weltweite Verbraucherumfrage3 heraus, dass 66 Prozent der Konsumenten bereit sind, mehr für ethisch hergestellte Produkte auszugeben. Die Auswirkungen eines informierten Verbrauchers und die Veränderungen seines Ausgabenverhaltens sind nicht zu unterschätzen. In Australien und Neuseeland stieg der Umsatz von Fair-Trade-zertifizierter Schokolade von 4,5 Millionen US-Dollar im Jahr 2009 auf 79 Millionen US-Dollar im Jahr 2010. Im selben Jahr löste Schokolade Kaffee als Australiens meistverkauftes Fair-Trade-Produkt ab.

Die Rolle der Supply Chain Manager

Als Erntegut unterliegt Kakao Preisschwankungen, die auf natürlichen Angebots- und Nachfragezyklen sowie geopolitischen Risiken beruhen. Im Kakaobarometer 2012 heißt es: Während sich die großen Unternehmen durch langfristige Lieferverträge und Absicherungsgeschäfte an der Kakaobörse vor Preisschwankungen schützen können, haben Landwirte keinen Schutz vor sinkenden Preisen. Nicht nur, dass die Preise niedrig sind, auch unterliegen die täglichen Kakaopreise starken Schwankungen, was die Situation der Landwirte weiter verschärft. Dies kann sowohl für große Supermarktlieferanten und -händler als auch für die Schokoladenbranche ein wirtschaftliches Risiko darstellen.

Darüber hinaus stehen die Unternehmen weltweit unter Druck, nachdem sich die Staats- und Regierungschefs auf dem G20-Gipfel im Juli in Hamburg dazu verpflichtet haben, sofortige und wirksame Maßnahmen zur Beseitigung der Kinderarbeit bis 2025 zu ergreifen. Asset Manager stehen ebenfalls unter Druck, als Corporate-Governance-Stewards und langfristige Investoren in börsennotierte Unternehmen das Problem der Kinderarbeit anzugehen.

Die Bedeutung von Due Diligence und laufender Risikokontrolle zur Unterstützung transparenterer Lieferketten sollte für Fachkräfte in der Lieferkette oberste Priorität haben. Es können auf jeder Lieferantenebene Risiken auftreten, die negative Folgen für die marktbeherrschende Marke haben. Durch die Förderung transparenterer Beziehungen zu ihren Lieferanten hat die dominierende Marke jedoch die Möglichkeit, bewährte Praktiken und Standards entlang der gesamten Lieferkette zu verankern.

Die Rolle der Schokoladenunternehmen

Im Oktober dieses Jahres versammelten sich beim One Young World Summit 2017 in Bogotá/Kolumbien junge Führungskräfte aus der ganzen Welt. Wie in früheren Jahren war auch der letzte Gipfel ein Forum zur Debatte über den Austausch von innovativen Ideen zur Behandlung schwerwiegender globaler Angelegenheiten wie Korruption und Menschenrechte.

Auf der Konferenz sagte Antoine de Saint-Affrique, CEO von Barry Callebaut (das Unternehmen zählt zu den größten Schokoladenproduzenten der Welt):

Ein Unternehmen kann nicht gedeihen, wenn die Gesellschaft, in der sich das Unternehmen befindet, nicht ebenfalls gedeiht. Das Schicksal des einen ist mit dem des anderen verbunden. Ich bin davon überzeugt, dass unser Unternehmen dazu beitragen kann und soll, Armut auf eine Weise zu bekämpfen, die nichts mit Wohltätigkeit zu tun hat, sondern wirtschaftlich sinnvoll ist, denn wenn die Dinge wirtschaftlich sinnvoll sind, tendieren sie dazu, schneller umgesetzt und im Laufe der Zeit nachhaltig zu werden. Die Kakaobauern, von denen wir kaufen, leben zum großen Teil in Armut. Die Kinder werden gezwungen, auf dem Feld zu arbeiten. Das hat ihre Gesundheit beeinträchtigt und einige von ihnen davon abgehalten, zur Schule zu gehen. Sie können dies aus offensichtlichen moralischen Gründen nicht einfach ignorieren, aber wenn Sie nicht an moralische Gründe glauben, können Sie das auch aus sehr praktischen Gründen nicht tun.
Wenn die Bauern nicht genug verdienen, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können, werden sie weiterhin den tropischen Regenwald für neues Ackerland roden. Wenn es keinen Wald mehr gibt, dann wird es auch für die Ernte keinen Regen mehr geben. Wenn die Bauern nicht genug verdienen, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können, werden sie einfach keine Kakaobäume mehr anpflanzen, und schließlich wird es keine Kakaobäume und somit auch keine Schokolade mehr geben. Deshalb haben wir uns vor einem Jahr dazu entschieden, eine Bewegung ins Leben zu rufen, um bis zum Jahr 2025 nachhaltige Schokolade zur Norm werden zu lassen. Wir nennen die Bewegung „ewige Schokolade“. Wir wollen die Kinderarbeit bis zum Jahr 2025 aus unserer Lieferkette ausmerzen. Aber wir können es nicht alleine schaffen. Es gibt viele Dinge, die wir alleine tun. Letztes Jahr haben wir beispielsweise 150.000 Bauern und 10.000 Bäuerinnen ausgebildet. Will man jedoch große Dimensionen erreichen, müssen Sie alle Beteiligten mit einbeziehen, das heißt Regierungen, die die Schulen bauen und sicherstellen, dass jeder Zugang zu Bildung erhält, unsere Konkurrenten, Nichtregierungsorganisationen und die Bauern.

Er forderte junge Menschen auf: Treten Sie Unternehmen bei, die Gutes tun, und helfen Sie ihnen, besser zu werden, fordern Sie sie heraus, bringen Sie sich ein und setzen Sie Zeichen.

Wenn wir in dieser Weihnachtszeit die potenzielle dunkle Seite der Geschenke erkennen, die wir verschenken – von Gourmet-Pralinen bis hin zu den neuesten Elektronikartikeln – und Marken wählen, die sich für ethische Beschaffung einsetzen, können wir dazu beitragen, die Menschen- und Umweltausbeutung zu reduzieren. Und das ist ein Geschenk, das stets weitergegeben wird.

So können Sie diese Informationen anwenden:

1. Lesen Sie alles über die Herausforderungen der elektronischen Versorgungskette in unserem eBook, Ethical Sourcing and Everyday Electronics.

2. Erfahren Sie, auf welche Weise Technologien wie Lexis Diligence® und LexisNexis® Entity Insight dazu beitragen können, die Transparenz in Ihrer Versorgungskette zu erhöhen.


Zur Person

Salvatore Saporito ist Teamleiter Europa Risk & Compliance und seit 2003 bei der LexisNexis GmbH. Er studierte an der Universität zu Köln Wirtschaftswissenschaften (Betriebswirtschaftslehre) mit dem Abschluss Diplom-Kaufmann. Er ist Mitglied im Deutschen Institut für Compliance (DICO), dem Berufsverband der Compliance Manager (BCM), in der DGI Fachgruppe Compliance, im österreichischen Compliance Praxis Netzwerk sowie in der American Chamber of Commerce. Salvatore Saporito ist regelmäßig Referent zum Thema Geschäftspartnerüberprüfung.

Quellen:

1 anticorruptionday.org
2 Dark Chocolate, LexisNexis UK
3 New Nielsen Study Says Consumers Are Ready to Pay More for Social Responsibility, Sustainable Brands, 18.06.2014

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