So wie sich unsere Welt verändert hat, so haben sich auch die Anforderungen an den Umgang mit wirtschaftlichen Risiken verändert. Lieferketten sind komplexer und undurchsichtiger geworden. Negative Nachrichten verbreiten sich wie Lauffeuer über unzählige Medienkanäle. Regierungen – unter anderem in der EU, in Großbritannien und in den USA – haben den regulatorischen Druck auf Unternehmen erhöht, sich mit den negativen Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit auf Menschenrechte und Umwelt auseinanderzusetzen.

Das EU-Parlament hat vor kurzem ergänzend zu bestehenden Gesetzen gegen Zwangs- und Kinderarbeit ein Gesetz verabschiedet, das Unternehmen verpflichtet, in ihrer gesamten Wertschöpfungskette Due Diligence in Bezug auf Umweltschutz und Menschenrechte durchzuführen. Das Gesetz gilt für Unternehmen innerhalb wie außerhalb der EU. Wer sich nicht daran hält, muss mit hohen Geldstrafen, Sanktionen oder zivilrechtlichen Konsequenzen rechnen.
Auch Großbritannien hat kürzlich Änderungen am Modern Slavery Act 2015 vorgeschlagen: So sollen die Berichtspflichten auf Due Diligence und Risikobewertungsmaßnahmen ausgedehnt werden, die im Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen in der Lieferkette ergriffen worden sind.
In den USA ist das wichtigste Gesetz zum Kampf gegen Zwangsarbeit der Tariff Act von 1930. Seit seiner Verabschiedung vor mehr als 90 Jahren wurde es mehrfach geändert. So wurde 2016 ein Schlupfloch in Section 3071 geschlossen, indem das Einfuhrverbot auf „alle Waren, Güter, Artikel, die ganz oder teilweise im Ausland durch Sträflingsarbeit oder/und Zwangsarbeit mit strafrechtlichen Sanktionen abgebaut, produziert oder hergestellt werden“, erweitert wurde. Aktuelle Signale aus Washington D.C. deuten darauf hin, dass weitere Änderungen bevorstehen. Unternehmen sollten sich darauf einstellen, indem sie ihren Umgang mit Sorgfaltspflichten in der Lieferkette neu bewerten.
Doch wieso erfährt das Thema Arbeitsbedingungen gerade jetzt so eine hohe Aufmerksamkeit? Der Grund: Die Frist für das Erreichen der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen läuft in nur acht Jahren ab – nicht viel Zeit, wenn es um große Fragen wie Menschenrechte und den Klimawandel geht. Aber auch die Pandemie ist ein entscheidender Faktor.
Pandemie macht Fortschritte beim Arbeitnehmerschutz zunichte
Aktuelle Zahlen der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO)2 deuten darauf hin, dass die COVID-19-Pandemie die Arbeitsbedingungen in globalen Lieferketten verschlechtert hat.
- Da es aufgrund der Pandemie weniger Kontrollen am Arbeitsplatz gab, sind Verstöße gegen das Arbeitsrecht oftmals ungeahndet geblieben.
- Skrupellose Unternehmen nutzten die Situation aus, was zu unsicheren Arbeitsbedingungen führte und Arbeitnehmer häufig zu längeren Arbeitszeiten nötigte.
- Die hohe Arbeitslosigkeit hat wirtschaftliche Unsicherheiten verstärkt, wodurch der Druck gestiegen ist, Kinder als Einkommensquellen zu nutzen.
Besonders gefährdet sind Wanderarbeiter und Kinder. Die ILO stellt fest, dass die Welt vor einem „entscheidenden Wendepunkt steht, weil die Pandemie Fortschritte zu gefährden droht“, und prognostiziert einen möglichen Anstieg von 9 Millionen Kindern in Kinderarbeit bis Ende 2022.
„Die Pandemie hat deutlich gemacht, wie komplex und anfällig viele Lieferketten sind. Auch der Zusammenhang zwischen mangelnder Transparenz von Lieferketten und Gefährdung von Arbeitnehmern durch moderne Sklaverei ist stärker geworden“, schreibt Owain Johnstone, Mitverfasser einer Studie über die Folgen von COVID-19 im Kampf gegen Zwangsarbeit3. Sein Fazit: „Transparentere, widerstandsfähigere Lieferketten sind besser – für Unternehmen wie für Arbeitnehmer.“
Regierungen stellen nicht nur immer höhere Erwartungen an Unternehmen, Menschenrechtsverletzungen in Lieferketten zu eliminieren. Auch die finanziellen Risiken nehmen zu, wenn Unternehmen den Anforderungen nicht nachkommen. Darüber hinaus kann öffentliche Kritik – besonders wenn Behauptungen über unlautere oder unsichere Arbeitsbedingungen in sozialen Medien und in den Nachrichten verbreitet werden – zu kostspieligen Imageschäden führen. Gehen die Due-Diligence-Prüfungen in den Lieferketten Ihres Unternehmens weit genug, um solche Risiken zu mindern?
Nächste Schritte:
- Lesen Sie auch unser Whitepaper "Verbindliche Due Diligence in Bezug auf Menschenrechte".
- Erfahren Sie, wie Nexis Diligence™ und Nexis® Entity Insight Ihnen hilft, solide Due-Diligence-Prüfungen durchzuführen und Risiken in der Lieferkette frühzeitig zu erkennen.
Quellen:
1 19 U.S. Code § 1307 - Convict-made goods; importation prohibited, law.cornell.edu
2 New US Department of Labor funding to advance the fight against child labour, forced labour and human trafficking worldwide, ilo.org, 20.01.2022
3 The Covid Pandemic Increased Vulnerability to Forced Labor in Global Supply Chains, swhelper.org, 23.11.2021