Darum sollten ESG-Risiken ganz oben auf Ihrer Due-Diligence-Agenda stehen

10.06.2022 von Thomas Becker

Aufsichtsbehörden verlangen immer öfter von Unternehmen und Finanzdienstleistern, dass sie Risiken in Bezug auf Umweltschutz, Soziales und Governance (ESG) in Prozessen für ihr Due-Diligence- und Reputationsrisikomanagement einbeziehen. ESG bietet auch Chancen: Vermögensverwalter und Investmentbanken haben durch Umschichtung von Vermögenswerten in nachhaltige Fonds beträchtliche Renditen erzielt und Unternehmen, die ihr ESG-Engagement transparent darstellen, sind profitabel.

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ESG ist aber oft nur unzureichend definiert und die Beschaffung der richtigen Daten zur Erkennung solcher Risiken ist schwierig. In dieser Blog-Serie zum Thema ESG-Risiken untersuchen wir den Trend zum ESG-Risikomanagement. Wir zeigen auf, welche Faktoren Unternehmen bei der Beurteilung von ESG-Ansprüchen berücksichtigen sollten und erläutern, wie Nexis® Solutions hilfreich bei der Erkennung solcher Risiken sein können.

Immer mehr Vorschriften: ESG-Compliance ist nicht mehr nur eine Option

Noch vor wenigen Jahren war ESG zwar als ein erstrebenswertes Ziel für Unternehmen anerkannt, aber nur selten auf Kosten des Gewinns priorisiert. Heute wird von Finanzdienstleistern und anderen Unternehmen die Erfüllung von Sorgfaltspflichten in Bezug auf Menschenrechte und Umweltschutz erwartet. Es reicht nicht mehr aus, dass sie ihr Monitoring von Dritten auf altbekannte Risiken wie Bonität oder Geldwäsche beschränken.

So wurden in zahlreichen Ländern Rechtsvorschriften eingeführt – oder sind geplant –, die von Unternehmen den Nachweis verlangen, dass sie die ESG-Bilanz von Zulieferern, Vertretern und Joint-Venture-Partnern mit der gebotenen Sorgfalt prüfen. Zum Beispiel:

  • Europäische Union: Die Europäische Kommission hat vor kurzem ihren Entwurf für eine Richtlinie über Sorgfaltspflichten von Unternehmen mit Blick auf Nachhaltigkeit veröffentlicht.1 Darin sind verbindliche Sorgfaltspflichten für Unternehmen in Bezug auf Menschenrechte und Umweltschutz sowie neue Regelungen für die Rechtsdurchsetzung vorgesehen. Die Richtlinie wird voraussichtlich angenommen und ab 2027 in das Recht der Mitgliedstaaten umgesetzt.
  • Niederlande: Das niederländische Gesetz über Sorgfaltspflichten in Bezug auf Kinderarbeit aus dem Jahr 2019 verpflichtet alle Unternehmen, die Waren an niederländische Kunden verkaufen bzw. liefern oder Dienstleistungen für sie erbringen, zu prüfen, ob diese Produkte mit Einsatz von Kinderarbeit hergestellt wurden.2 Es tritt im Laufe dieses Jahres in Kraft.
  • Deutschland: Das Gesetz über Sorgfaltspflichten in der Lieferkette, das im Januar 2023 in Kraft tritt, verpflichtet große Unternehmen, mit einem geeigneten Risikomanagement sicherzustellen, dass in ihren Lieferketten keine Menschenrechtsverletzungen vorkommen.3
  • Frankreich: Das Gesetz über Sorgfaltspflichten von Unternehmen aus dem Jahr 2017 verpflichtet große französische Unternehmen, einen Plan zum Erkennen, Verhindern und Vermindern von unter anderem Verstößen gegen Menschenrechte und Umweltschutzvorschriften zu veröffentlichen und umzusetzen.

Eine weitere wichtige Entwicklung ist die EU-Verordnung über nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten im Finanzdienstleistungssektor.4 Diese Verordnung wurde eingeführt, um die Transparenz nachhaltiger Anlageprodukte zu verbessern. Sie verpflichtet Vermögensverwalter in allen EU-Mitgliedstaaten zur Angabe, ob sie ESG-Faktoren im Portfolio ihres Unternehmens und in ihren eigenen Fonds berücksichtigt haben.

ESG birgt Imagerisiken, aber auch finanzielle Chancen

Das Versäumnis, ESG-Risiken angemessen zu berücksichtigen, birgt Risiken für den guten Ruf eines Unternehmens. Aktivistische Anleger ziehen ihr Geld aus Unternehmen mit einer schlechten ethischen Bilanz ab und Verbraucherkampagnen boykottieren Produkte mit unethischer Beschaffung in ihren Lieferketten. Wegen Versäumnissen in Bezug auf ESG geraten Unternehmen und Zulieferer durch schlechte Presse und negative Kommentare in sozialen Medien ins Blickfeld der Öffentlichkeit – Umsatzeinbußen und der Verlust von Kundenvertrauen sind die Folge.

Bei der Durchführung von Due Diligence in Bezug auf ESG geht es nicht nur um Risikomanagement, sondern auch um finanzielle Chancen. Reuters zufolge wurde im Jahr 2021 ein Rekordbetrag von 649 Mrd. US-Dollar in ESG-orientierte Fonds investiert.5 Damit machen diese Fonds inzwischen 10 % der weltweiten Vermögenswerte aus. Diese Investitionen schneiden im Allgemeinen besser als der Marktdurchschnitt ab. So hat zum Beispiel der MSCI World Index im vergangenen Jahr um 15 % zugelegt, dagegen ist sein Äquivalent für Unternehmen mit hohen Nachhaltigkeitsratings um 21 % gestiegen.

Unternehmen, die ein positives ESG-Engagement vorweisen können, erzielen auch nachhaltigere Gewinne und sind damit gut für langfristigen Erfolg aufgestellt. Kunden, Investoren und Arbeitnehmer wollen immer öfter nur bei Unternehmen kaufen, in sie investieren und für sie arbeiten, wenn diese Unternehmen eine positive ESG-Bilanz vorweisen können. Immer mehr Unternehmen erkennen das Konzept der doppelten Bilanz an: der Grundsatz, dass ihre Leistung nicht nur am Gewinn, sondern auch an positiven sozialen Ergebnissen gemessen werden sollte.

Wie sollten Finanzinstitute und andere Unternehmen darauf reagieren?

Unternehmen jeder Couleur können mit folgenden Schritten die imagebezogenen, regulatorischen, finanziellen und strategischen Risiken in Verbindung mit ESG-Aspekten mindern – und die mit ihnen verbundenen Chancen nutzen:

  • Einbeziehung einer ESG-Risikobewertung in ihr Due-Diligence-Reporting, einschließlich Sorgfaltspflichten in Bezug auf Menschenrechte.
  • Untersuchen Sie Zulieferer, Vertreter und Joint-Venture-Partner auf potenzielle ESG-Risiken, vorzugsweise anhand zuverlässiger Quellen, bei denen kein kostspieliges Ausfüllen von Fragebögen oder persönliche Audits jedes Unternehmens notwendig sind.
  • Vergewissern Sie sich, dass die verwalteten Vermögenswerte, die beanspruchen, nachhaltig zu sein, auch wirklich ESG-Kriterien erfüllen.
  • Tauschen Sie Erkenntnisse über ESG-Risiken mit anderen Beteiligten im Unternehmen aus, damit datengestützte Entscheidungen getroffen werden können, die ethische Gewinne möglich machen.
  • Investieren Sie Zeit und Ressourcen in den Zugang zu hochwertigen Daten, die verschiedene Aspekte des ESG-Risikos abdecken, wie unter anderem Nachrichtenquellen, Unternehmensdaten, PEP- und Sanktionslisten. Auf diese Daten können Technologien zur Datenanalyse angewendet werden, um relevante Erkenntnisse zu gewinnen.
  • Bringen Sie gegenüber Zulieferern, Kunden und Mitarbeitern die Erwartung zum Ausdruck, dass Vertrauen und Transparenz in Bezug auf ESG ein Muss für eine dauerhafte Geschäftsbeziehung bzw. ein Beschäftigungsverhältnis sind.

Compliance-Teams stehen vor Herausforderungen, wenn es darum geht, ESG-Aussagen zu verstehen

Für Unternehmen ist es unbestreitbar wichtig, dass sie ESG-Aspekte im Auge behalten. Dies ist jedoch keine leichte Aufgabe. Zu den Herausforderungen gehören:

  • Greenwashing: Viele Investmentfonds und Unternehmen werden beschuldigt, sich nachhaltiger und umweltfreundlicher darzustellen, als sie tatsächlich sind. In einer aktuellen Umfrage unter rund 1500 Führungskräften in den USA gestanden 58 % ein, dass ihr Unternehmen die eigenen ESG-Bemühungen etwas „beschönigt“ hat.6 Nur 36 % gaben an, dass ihr Unternehmen über Instrumente verfügt, mit denen es seine Bemühungen um mehr Nachhaltigkeit quantifizieren kann. Das betrifft Vermögensverwalter, die große Summen in Fonds anlegen, die sich als ESG-konform bezeichnen.
  • Veraltete Prozesse für Due Diligence und das Management von Imagerisiken: Finanzdienstleister sind es gewohnt, Dritte anhand von traditionellen Bonitätsbeurteilungen zu überprüfen. Jetzt müssen sie jedoch alle ESG-Aspekte im Auge behalten und dazu ist die Nutzung mehrerer Lösungen notwendig. Die Folge sind mehr Kosten und Ineffizienz in ihren Prozessen.
  • Definition von ESG: ESG ist ein sehr weit gefasster Begriff, der ein breites Spektrum an Aktivitäten abdeckt. Die Folge sind unterschiedliche und oft widersprüchliche Bewertungen der ESG-Konformität. Im weiteren Verlauf dieser Serie veröffentlichen wir drei Blogs, die jeweils auf den Bereich E, S und G eingehen.

LexisNexis: In der Informationsflut ESG-Risiken erkennen und Insights gewinnen

LexisNexis hilft Unternehmen, Herausforderungen bei der Beurteilung von ESG-Risiken zu bewältigen und Einblicke in ESG-Risiken aus unserer breiten Palette an Daten – von unserem Nachrichtenarchiv über Unternehmensdaten bis hin zu PEP- und Sanktionslisten – zu gewinnen. Das unterstützt Unternehmen im Management Ihrer Imagerisiken, bei Due-Diligence-Prüfungen und bei datengestützten Investitionsentscheidungen.

Als Ergänzung unserer bestehenden Daten haben wir Nexis Diligence™ vor kurzem um ESG-bezogene Inhalte erweitert. Damit haben Nutzer die Möglichkeit, in ihren Workflow für Due-Diligence-Recherchen und Reportings eine ESG-Risikobewertung aufzunehmen – in einer einzigen Benutzeroberfläche mit Inhalten, die gezielt für schnelle, kostengünstige und umfassende Due Diligence ausgewählt sind:

  • ESG Ratings ist ein neuer Inhaltstyp in Nexis Diligence™, der einen Überblick über das ESG-Profil eines Unternehmens bietet. Die von CSRHub bereitgestellten Ratings helfen Kunden, das Image- oder Ethikrisiko in Verbindung mit einem Unternehmen zu verstehen. Die ESG-Ratings schlüsseln die Bewertungen für jede ESG-Kategorie in weitere Unterkategorien auf und bieten darüber hinaus eine Gesamtbewertung für das Unternehmen.
  • ESG Custom News bietet eine Reihe von vordefinierten Suchbegriffen, mit denen Nutzer gezielt ESG-bezogene Recherchen in unserem umfangreichen Angebot an Nachrichtenquellen durchführen können.
  • Mit ESG Factors Power Topics lassen sich alle gefundenen Nachrichten mit Hilfe einer ESG-spezifischen Indexierung nach Themen filtern.

Nächste Schritte:

  1. Informieren Sie sich in unserem Whitepaper "Nachhaltigkeit unterstützen: EU erhöht Druck zur Erfüllung von ESG-Standards" über die Themen ESG und Risikominderung.
  2. Lesen Sie auch unsere anderen Blogbeiträge der Serie zu Thema ESG-Risiken.

Quellen:

1 Proposal for a Directive on corporate sustainability due diligence and annex, ec.europa.eu, 23.02.2022
2 Mandatory human rights due diligence laws: the Netherlands led the way in addressing child labour and contemplates broader action, allenovery.com, 02.09.2020
3 Overview of the German Supply Chain Due Diligence Act, taylorwessing.com, 28.07.2021
4 Sustainability-related disclosure in the financial services sector, ec.europa.eu
5 Analysis: How 2021 became the year of ESG investing, reuters.com, 23.12.2021
6 Report: What it will take for CEOs to fund a sustainable transformation, cloud.google.com, 13.04.2022

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