EU intensiviert mit neuer Initiative Kampf gegen Finanzkriminalität

Gründung des Europäischen Zentrums zur Bekämpfung von Finanz- und Wirtschaftsvergehen

Chris Schneider, LexisNexis

Europol, die Polizeibehörde der Europäischen Union, hat 5.Juni 2020 das neue Europäische Zentrum zur Bekämpfung von Finanz- und Wirtschaftsvergehen (European Financial and Economic Crime Centre - EFECC) ins Leben gerufen. Aufgabe dieses neuen Zentrums ist, die EU-Mitgliedstaaten und ihre Regierungsstellen bei der Bekämpfung von Wirtschafts- und Finanzkriminalität zu unterstützen und ein systematischeres Vorgehen bei Finanzermittlungen zu fördern. Da die Zusammenarbeit bei der Rechtsdurchsetzung voraussichtlich zunehmen wird, ist die Finanzdienstleistungsbranche in der EU und darüber hinaus gut beraten, ihre Due-Diligence-Verfahren sowie die betriebliche Widerstandsfähigkeit gegenüber Finanz- und Wirtschaftskriminalität neu zu bewerten. Wie wird dieses Zentrum jedoch zukünftig agieren? Was können Unternehmen erwarten?

Neuer Schwung im Kampf gegen Finanzkriminalität

Das Zentrum wurde zu einer Zeit gegründet, die aufgrund der COVID-19-Pandemie durch eine verstärkte Bedrohung durch Wirtschafts- und Finanzkriminalität geprägt ist. Es zielt daher darauf ab, die Koordination im Kampf gegen Finanzkriminalität in der Europäischen Union zu verbessern und grenzüberschreitende Ermittlungen in diesem Bereich zu unterstützen. Durch die Bereitstellung einer umfassenden Plattform sowie einer Toolbox für Finanzermittler in EU-Mitgliedstaaten wird das Zentrum operative Unterstützung für nationale Ermittlungen bieten und danach trachten, die operative Transparenz in der gesamten EU zu steigern.

In einem Statement im Rahmen der Vorstellung des Zentrums1 betonte der Vizepräsident der Europäischen Kommission, Margaritis Schinas: „Finanz- und Wirtschaftskriminalität schadet uns allen und macht nicht an nationalen Grenzen Halt. Außerdem stellt sie oftmals eine wesentliche Aktivität von Gruppen im Bereich der organisierten Kriminalität dar, die wir durch die Nachverfolgung der Geldflüsse aufspüren können. Mit unserem neuen Zentrum können wir Wirtschaftskriminalität nun gemeinsam besser bekämpfen.“

Im Rahmen seines Mandats wird das EFECC, das Ende 2020 seine Arbeit aufnehmen wird, außerdem die neu eingerichtete Europäische Staatsanwaltschaft (EUStA) bei ihren Ermittlungen und Strafverfolgungsmaßnahmen im Bereich der Finanz- und Wirtschaftskriminalität unterstützen.

Die EU macht Ernst im Kampf gegen Finanzkriminalität

Der Bedarf an einer umfassenden und EU-weiten Zusammenarbeit in diesem Bereich wurde seit Beginn der COVID-19-Pandemie, die die Volkswirtschaften in der EU schwer getroffen hat, noch größer. Angesichts einer zu erwartenden langen wirtschaftlichen Erholungsphase sowohl in der EU als auch weltweit scheint ein Zentrum für die operative Zusammenarbeit im Kampf gegen Finanz- und Wirtschaftsvergehen nötiger als je zuvor.

Als Teil eines größeren Aktionsplans der Europäischen Kommission unterstreicht die Einrichtung des EFECC den umfassenden Politikansatz zur Bekämpfung von Terrorismusfinanzierung und Geldwäsche. Ergänzend zu den bestehenden und kürzlich überarbeiteten EU-Regelungen zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung besteht der Zweck des EFECC in einer Bündelung der gemeinsamen Anstrengungen und der Schließung von Schlupflöchern bei der nationalen und transnationalen Rechtsdurchsetzung bei Finanz- und Wirtschaftsverbrechen.

EFECC – ein neuer Anlass zu schärferen Due-Diligence-Prüfungen?

Eine neue Institution innerhalb eines bereits sehr komplexen Kosmos aus Regulierungs- und Exekutivorganen in der EU stellt Unternehmen, die in EU-Mitgliedstaaten und darüber hinaus geschäftlich tätig sein möchten, vor neue Herausforderungen.
Mit der Einrichtung des EFECC setzt die EU einen weiteren Schritt in Richtung eines besseren und robusteren Compliance-Regimes. Dies bedeutet, dass Unternehmen die verstärkte transnationale Zusammenarbeit bei der Rechtsdurchsetzung als Anlass zur Verbesserung ihrer eigenen Verfahren der Due Diligence und Risikoüberwachung Dritter sehen müssen. So können Unternehmen nicht nur das Risiko möglicher finanzieller oder operativer Strafmaßnahmen verringern, sondern auch ihre Reputation in der Öffentlichkeit verbessern.

Gibt es in Ihrem Compliance-Verfahren Lücken, die geschlossen werden sollten?


Zur Person:

Chris Schneider ist Associated Head of Sales bei der LexisNexis GmbH. Seit über sieben Jahren ist er im Data & Analytics-Umfeld tätig und verfügt über einen großen Erfahrungsschatz hinsichtlich der Betreuung von Compliance-Projekten in der Finanz- und Bankenbranche. Er war bei zahlreichen Corporate-Projekten involviert.

Quellen:
1. Europol launches the European Financial and Economic Crime Centre, europol.europa.eu, 05.06.2020.

Diesen Blog-Beitrag teilen:


Blog-Alert abonnieren

Wir informieren Sie automatisch
über neue Blogbeiträge.

Blog durchsuchen

Blog durchsuchen