6 Faktoren der PESTEL-Risikoüberwachung

Die einzelnen PESTEL-Kategorien im Detail

Foto Salvatore Saporito, LexisNexis GmbH

Ich habe auf diesem Blog bereits über die Beweggründe einer PESTEL-Risikoüberwachung geschrieben. In dieser neuen Reihe betrachten wir die einzelnen Faktoren, die hinter dem Begriff PESTEL (political, economic, social, technological, environmental, legal) stehen einmal genauer.

1. Politische Risiken

2. Wirtschaftliche Risiken

3. Soziokulturelle Risiken

4. Technologische Risiken

5. Umweltrisiken

6. Rechtliche Risiken

1. Politische Risiken

Beginnen wir mit dem P, dem politischen Risiko, und betrachten den Einfluss politischer Faktoren auf Lieferketten- und Drittparteienrisiken.

2016 hat uns gezeigt, dass die globale politische Landschaft enorm volatil ist – und das nicht nur in Schwellenländern. Die Unsicherheit durch den Brexit, der Wirtschaftsnationalismus in den USA und der zunehmende Populismus in ganz Europa haben zum Anstieg politischer Risiken beigetragen. Der vom Chartered Institute of Procurement & Supply (CIPS) erstellte Global Risk Index erreichte im letzten Quartal 2016 seinen neuen Höhepunkt seit 2013: 82,6 von 100. Während im ersten Quartal 2017 ein leichter Rückgang verzeichnet werden konnte, führen politische Faktoren dennoch weiterhin dazu, dass Unternehmen Risiken ausgesetzt sind. 

Die politischen Risikofaktoren kennen

Die Globalisierung hat die Expansion in neue Märkte angefeuert und kosteneffiziente, widerstandsfähige Lieferketten ermöglicht. Während Unternehmen ihren Fußabdruck in anderen Ländern hinterlassen und immer komplexere Lieferketten bilden, stehen sie jedoch verstärkt politischen Risikofaktoren in den jeweiligen Ländern gegenüber, wie zum Beispiel:

  • Politische Stabilität
  • Regierungstyp
  • Bürokratie- und Korruptionsniveau
  • Pressefreiheit und Rechtsstaatlichkeit
  • Trends von Regulierung und Deregulierung
  • Politische Maßnahmen in Bezug auf Handel, Zölle und Steuern
  • Gesetze zum Schutz von Umwelt, Arbeit und Verbrauchern

Diese Faktoren beeinflussen direkt die Fähigkeiten von Unternehmen, ihre Wachstums- und Gewinnziele zu erreichen. So wird die rechtzeitige Information über potenzielle Bedrohungen zum Erfolgsfaktor. Die Risikoüberwachung via PESTEL-Kategorien kann helfen, das erforderliche Bewusstsein zu schaffen und ein proaktives Risikomanagement umzusetzen.

Folgen politischer Risikofaktoren

Nachrichten, Berichte von Nicht-Regierungsorganisationen und andere Datenquellen bieten Einsichten, wie politische Risikofaktoren Unternehmen mit multinationalen Operationen oder Lieferketten beeinflussen können. Sehen Sie sich die Auswirkungen zweier beispielhafter Schlüsselfaktoren genauer an.

  • Politische Stabilität (oder ihr Fehlen)
  • Politische Instabilität wird definiert als …die Neigung zu Regime- oder Regierungswechsel, politischem Aufruhr oder Gewalt in der Gesellschaft oder Instabilität und Unsicherheit in der Regierungspolitik wie zum Beispiel in Gesetzen für Regulierung, Steuern, Eigentum oder Menschenrechten. Politische Instabilität kann negative Folgen für Betriebsabläufe und Lieferketten haben, die Produktivität, die Qualität und wichtige Beziehungen bedrohen. Leider kann politische Instabilität kaum umgangen werden, wenn ein Unternehmen eine extensive Lieferkette hat. Tatsächlich berichten laut einer Studie des American Productivity and Quality Center (APOQ) 63 Prozent der befragten Unternehmen, sie hätten Lieferanten in Regionen der Welt, in denen politisches Chaos herrschte. So stellte etwa die Deutsche Post ihre Paketlieferungen in die Ukraine aufgrund der anhaltenden Unruhen dort ein. Trotz der Tatsache, dass 620 deutsche Unternehmen in der Ukraine tätig sind. Und von politischer Instabilität sind nicht nur Lieferketten betroffen. Das Schweizer Logistik-Unternehmen Astras berichtet von einer zwanzigprozentige Fluktuationsrate seiner Angestellten in der Ukraine.
  • Politische Maßnahmen in Bezug auf Handel, Zölle und Steuern
  • Letztes Jahr berichtete die Welthandelsorganisation (WTO), dass die Zahl der restriktiven Handelsmaßnahmen, die von WTO-Mitgliedern eingeführt wurden, um 11 Prozent zugenommen hatte, wobei insgesamt 2.100 restriktive Maßnahmen in Kraft waren. Die riesige Anzahl politischer Handelsmaßnahmen kann für Unternehmen schwer navigierbar sein und mit einer durchschnittlichen Zunahme von 22 neuen, zusätzlichen Maßnahmen pro Monat ist das Wissen über die legislativen Pläne von Regierungen dringend notwendig. Auch die vielen bestehenden Handelsbeziehungen sind bedroht, was die Unsicherheit für die Unternehmen erhöht. Die America First -Politik der Trump-Administration – vom Rückzug vom Trans-Pacific-Partnership (TPP) bis zu Plänen, das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) neu zu verhandeln – könnte zu rückwärtsgerichteten Handelseinschränkungen führen. Der CIPS-Ökonom John Glen bemerkt: Angesichts der Bedrohungen für die weltweiten internationalen Handelsbeziehungen müssen sich Lieferkettenmanager der politischen Risiken so bewusst sein wie der Risiken durch Naturkatastrophen und von wirtschaftlichen Härten.

2. Wirtschaftliche Risiken

Werfen wir einen Blick auf das E für Economics und die Rolle wirtschaftlicher Faktoren im Hinblick auf die Risiken bei Versorgungskette und Drittparteien, mit denen sich Unternehmen auseinandersetzen müssen.

Die wirtschaftlichen Faktoren Produktion, Konsum und Kapitalfluss haben einen deutlichen Einfluss auf Erfolg, Nachhaltigkeit und Rentabilität von Unternehmen. Wirtschaftliche Risiken können im schlimmsten Fall Versorgungsketten unterbrechen und Unternehmen geschäftsunfähig machen. Wir haben die verschiedenen Arten wirtschaftlicher Risiken näher betrachtet und zeigen Ihnen einige Beispiele auf, wie Sie Ihre eigenen Wirtschaftsrisiken im Unternehmen verringern und den Betrieb widerstandsfähiger machen können.

Wirtschaftliche Faktoren wirken sich auf den Betrieb aus

Zur Steuerung wirtschaftlicher Faktoren verwenden Regierungen zum Beispiel Zinssteuerungsinstrumente, Steuergesetze und Staatsausgaben. Zinssätze, Wechselkurse, Rezession, Inflation, Steuern und Änderungen bei Angebot und Nachfrage können Risiken für Unternehmen darstellen. Werfen wir einen Blick auf die wichtigsten wirtschaftlichen Risikofaktoren und untersuchen, wie sie sich auf die Geschäftstätigkeit auswirken können.

Zinssätze: Zinssatzrisiken sind für alle Unternehmen relevant, die verzinsliche Vermögenswerte besitzen, wie zum Beispiel Kredite oder Anleihen. Das spezifische wirtschaftliche Risiko liegt darin, dass sich die Höhe der Vermögenswerte mit wandelnden Zinssätzen ebenfalls ändern kann. Logischerweise ist dieser Risikobereich insbesondere für Bankhäuser von großer Relevanz. Er kann aber jedes Unternehmen betreffen, das Kredite als Teil seiner Geschäftsstrategie verwendet.

Wechselkurse: Wechselkurse können komplex und sprunghaft sein. Und sie wirken sich auf alle geschäftlichen Aktivitäten aus, die mit Export oder Import zusammenhängen. Eine Änderung der Wechselkurse kann darüber entscheiden, wie viel ein Unternehmen an seine internationalen Zulieferer zahlen muss, und so die Gewinnspannen beeinflussen.

Rezession: Eine wirtschaftliche Rezession (gleich welcher Größenordnung) hat das Potenzial, die Kaufstimmung der Kunden zu ändern, was wiederum Unternehmen dazu zwingen kann, die Preise zu senken oder ihren Geschäftsplan komplett zu ändern.

Ein gutes Verständnis für die wirtschaftlichen Risiken ist wesentlicher Bestandteil eines nachhaltigen Wirtschaftswachstums und einer intelligenten Entscheidungsfindung. Wir haben einige Fälle identifiziert, in denen Unternehmen ihre eigenen wirtschaftlichen Faktoren in Betracht gezogen und die spezifischen Risikofaktoren identifiziert und verringert haben.

Jessops: Anpassung an Rezession und Marktveränderungen

2008 verfiel die Wirtschaft in Großbritannien in eine Rezession. In den Jahren danach stieg die Arbeitslosenquote und viele Arbeitgeber mussten Gehälter kürzen, wodurch die Verbraucher weniger Einkommen für den Konsum zur Verfügung hatten. Dies wirkte sich stark auf den Einzelhandel aus, und Jessops, ein britischer Anbieter in der Fotobranche, verzeichnete Einbrüche beim Absatz von Kameras und Fotozubehör. Glücklicherweise blieben die Margen bei Dienstleistungen wie Bildabzügen und Fotodrucken stabil, weswegen sich Jessops darauf konzentrierte, im Bildbearbeitungsbereich zum Markführer zu werden, und damit die Risiken zu minimieren und die Gewinnspannen zu steigern.

Ein weiterer wichtiger wirtschaftlicher Einfluss bei Unternehmen sind Änderungen bei den Mitbewerbern am Markt. Jessops hatte mit zunehmender Konkurrenz durch Online-Fotodruckanbieter und Supermarktketten zu kämpfen, die günstigere Preise boten.

Das Unternehmen reagierte auf diese wirtschaftlichen Risiken mit einer vielfältigeren Multikanal-Strategie. Kunden können jetzt Bilder und Geschenke im Geschäft und online bestellen. Dabei betreut ein reaktionsschnelles Callcenter die Onlinedienste und macht sich so Jessops langjähriges Fachwissen in der Branche zunutze. Das Unternehmen hat überdies auch sein Produktportfolio erweitert. Diese Gegenmaßnahmen haben es Jessops ermöglicht, sich einen Wettbewerbsvorteil zu erarbeiten und damit die Widerstandsfähigkeit gegen künftige Wirtschaftsrisiken zu steigern.

IKEA: Reaktionen auf makroökonomischen Wandel

Die Weltwirtschaftskrise von 2007 bis 2009 führte einem erneut vor Augen, welchen Einfluss externe wirtschaftliche Gegebenheiten auf Unternehmen haben können. Dennoch war IKEA im Vergleich zu vielen anderen Unternehmen weniger von der Krise betroffen, weil es eine Strategie der Kostenführerschaft betreibt, welche die wirtschaftlichen Risiken seiner Versorgungskette sowie seine wesentlichen Geschäftsaktivitäten miteinbezieht. Obgleich IKEA 5.000 Stellen streichen musste, ging sein Umsatzvolumen im 2. Quartal 2009 lediglich um ein Prozent zurück.

Amazon: Umgang mit Wechselkursen und Steuerrisiken

Es gibt zahlreiche wirtschaftliche Faktoren, die sich unmittelbar auf die Wachstumsaussichten und die Stabilität von Amazons Betrieb auswirken, beispielsweise Steuersätze und Inflationsraten, allgemeines und branchenspezifisches Wirtschaftswachstum, Arbeitslosigkeit und Änderungen bei Wechselkursen. 2016 machten die Umsatzerlöse aus dem internationalen Geschäft 32 % von Amazons Einnahmen aus.

Daher unterliegt das Unternehmen einem verstärkten Risiko für Wechselkursschwankungen. Änderungen bei Wechselkursen wirkten sich 2014, 2015 und 2016 negativ auf die Umsatzerlöse aus, mit Einbußen von jeweils 636 Millionen, 5,2 Milliarden und 550 Millionen US-Dollar.

Als der amerikanische Präsident Donald Trump im Juni 2017 von der Notwendigkeit sprach, eine Internetsteuer einzuführen, bezog er sich dabei direkt auf Amazon. Dieser Vorfall ist ein Beispiel für die potenziellen Auswirkungen wirtschaftlicher Faktoren, in diesem Fall einer Besteuerung von Amazon.

Um diese Risiken abzumildern, diversifiziert Amazon sein Portfolio, um so die Auswirkungen von Wechselkursen und Steuerlast zu verringern.

Wirtschaftliche Risiken und der Einfluss auf Versorgungsketten

Ohne ein effizientes Management der Wirtschaftsrisiken in Ihrem Betrieb und Ihrer Versorgungskette bringen Sie Ihre aktuellen und künftigen Geschäfte in Gefahr. Durch die Möglichkeit immer kurzfristigerer Einblicke in Wirtschafts- und Markttrends sowie potenzielle rechtliche Maßnahmen und andere Faktoren können Sie proaktiv reagieren und damit Risiken abmildern. Aber wie können Sie einen besseren Überblick über wirtschaftliche Risiken erhalten? Achten Sie darauf, dass Sie eine Lösung für Risikoüberwachung haben, auf die Sie sich verlassen können.

Unternehmen müssen kalkulierte Risiken eingehen, um Unternehmensziele zu erreichen. Verbesserte Einblicke in die PESTEL-Risiken erleichtern agile Reaktionen, wenn ernsthafte Probleme auftauchen. LexisNexis® Entity Insight ist ein mächtiges Instrument, das Unternehmen hilft, laufende Beobachtungen durchzuführen, zugeschnitten auf die unternehmensspezifischen Risiken. Erfahren Sie jetzt mehr dazu.

3. Soziokulturelle Risiken

Wir befassen uns nun mit dem dritten Buchstaben (S) der PESTEL-Analyse. S steht für soziokulturelle Aspekte und ihren Einfluss auf die Versorgungskette sowie die Risiken für internationale Unternehmen durch Drittparteien.

Unternehmen müssen sich zunehmend auf komplexe Netzwerke von Zulieferern und anderen Drittparteien verlassen und sind dadurch immer größeren Risiken ausgesetzt. Um sich ein Gesamtbild des Risikos machen zu können, müssen sich Unternehmen zunächst einen Überblick über die soziokulturellen Risikofaktoren verschaffen um sich dann auf die wichtigsten Details zu konzentrieren.

Die soziokulturellen Risikofaktoren kennen

Angesichts des Umfangs heutiger Versorgungsketten sowie der Wachstumsziele, mit denen Unternehmen in neue Märkte expandieren, setzen sich Unternehmen beträchtlichen Risiken aus, wenn sie globale Trends und lokale soziokulturelle Normen nicht richtig einschätzen. Welche soziokulturellen Risiken für Ihr Unternehmen relevant sind, hängt von einer Vielzahl verschiedener Faktoren ab – von den jeweiligen Ländern, in denen Ihr Unternehmen geschäftlich tätig ist, bis hin zu den Arten von Produkten und Dienstleistungen, die Sie anbieten.

Die meisten soziokulturellen Risikofaktoren lassen sich in drei Kategorien unterteilen: Demografische, gesellschaftlich-kulturelle sowie glaubens- und einstellungsbezogene Faktoren.

Zu den demografischen Faktoren zählen:

  • Bevölkerungswachstum
  • Altersverteilung und Nachfrageverschiebungen im Laufe der Zeit
  • Durchschnittlicher Umfang und Struktur der Familien
  • Soziale Vielfalt im Hinblick auf ethnische Hintergründe, Geschlecht, Einkommen und Bildung
  • Einwanderungs- und Auswanderungsraten

Wie sich in den vergangenen Jahren gezeigt hat, ist die Einwanderung oftmals mit Zwangsarbeit verbunden, welche beträchtliche Reputationsrisiken mit sich bringt, wenn betreffende Fälle in der Versorgungskette eines Unternehmens aufgedeckt werden.

Zu den gesellschaftlich-kulturellen Faktoren zählen unter anderem:

  • Struktur der Gesellschaftsklassen
  • Vermögen der einheimischen Bevölkerung
  • Veränderungen im Kaufverhalten
  • Einkommensdisparitäten
  • Bildungsniveau und -zugang
  • Niveau und Verfügbarkeit der Gesundheitsversorgung
  • Soziale Einflussnehmer, z.B. Bürgergruppen, Gangs
  • Mode- und Lebensstiltrends
  • Einfluss sozialer Medien gegenüber traditionellen Medien
  • Vorherrschende Kommunikationstechnologie
  • Mischungsverhältnis zwischen einheimischen und eingeführten kulturellen Gepflogenheiten

Diese Risiken gelten nicht nur für Schwellenmärkte. So beeinflusst beispielsweise der Brexit schon jetzt das Kaufverhalten, was sich wiederum negativ auf die Umsätze von Unternehmen auswirken könnte.

Glaubens- und einstellungsbezogene Faktoren umfassen unter anderem:

  • Religion – Mehrheits- und Minderheitsreligionen, Einfluss von religiösen Führungspersonen auf gesellschaftliche Verhaltensweisen und Rolle der Religion als Instrument sozialer Bindung oder Spaltung
  • Aberglauben – Glaubensvorstellungen und örtliche Mythologien, die das Verhalten beeinflussen
  • Feiertagsbräuche und -traditionen
  • Bank-, Investitions- und Sparpraktiken
  • Akzeptanz verschiedenster Menschen, Länder und Unternehmen
  • Interpretation ethischer bzw. unmoralischer Verhaltensweisen

Obgleich diese Faktoren eher harmlos erscheinen, ist das Risiko durchaus real. Denken Sie beispielsweise an den chinesischen Brauch des Guanxi, definiert als „System sozialer Netzwerke und einflussreicher Beziehungen, die Geschäfte und andere Abmachungen unterstützen“. Im Rahmen dieses Brauchs ist es üblich, Geschenke zu überreichen, jedoch müssen Unternehmen dabei Vorsicht walten lassen, um nicht mit Gesetzen wie dem Foreign Corrupt Practices Act (FCPA) und dem UK Bribery Act in Konflikt zu geraten. Die Kenntnis derartiger soziokultureller Risiken ermöglicht es Unternehmen, wichtige Unternehmensbeziehungen aufzubauen und zugleich etwaige Verstöße zu vermeiden.

Der Umgang mit soziokulturellen Risiken kann eine große Herausforderung für internationale Unternehmen darstellen. Die Interaktion mit einer kompletten Versorgungskette – nicht nur der ersten Ebene – kann angesichts des Umfangs moderner Versorgungsketten nahezu unmöglich sein. Ein praktischerer Ansatz besteht darin, sich auf die wichtigsten Zulieferer und bestimmte „Hotspots“ in der Versorgungskette zu konzentrieren, wie zum Beispiel Untersektoren wie Bergbau oder Schwellenmärkte, die für soziokulturelle Probleme besonders anfällig sind.

Indem Sie Ihren Ansatz an den relevantesten sozialen Problemen ausrichten und einen proaktiven Prozess zur Überwachung von Risikoindikatoren in den Nachrichten, sozialen Medien und anderen wichtigen Datenquellen einrichten, verbessern Sie Ihre Fähigkeit, etwaige Risiken vorherzusagen und zu verringern und den Wachstumskurs Ihres Unternehmens beizubehalten.

4. Technologische Risiken

Nun betrachten wir das T wie technologisches Risiko und dessen unternehmensweite Auswirkungen auf Organisationen. Bei der technologischen Betrachtung der Risikoeinschätzung ist es wichtig, sowohl die Faktoren zu kennen, die sich durch aktuelle und künftige Technologien auf das Unternehmen auswirken können, als auch die technischen Risiken entlang der Lieferkette.

„Die tiefgreifende Vernetzung globaler Risiken bedeutet, dass sich der technologische Wandel auf vielfältigere Weise auf die Risikolandschaft auswirken kann“, besagt der vom Weltwirtschaftsforum erstellte Global Risks Report 20175. Tatsächlich nannten die 100 wichtigsten Wirtschaftsführer der Welt die mit Künstlicher Intelligenz (KI), Cyberattacken und Datenbetrug verbundenen technologischen Risiken bei ihrer Risikoeinschätzung in diesem Report besonders häufig und unterstrichen dadurch ihre wachsenden Befürchtungen hinsichtlich des Einsetzens der sogenannten „vierten industriellen Revolution“.

Technologische Faktoren, die sich möglicherweise auf die Arbeitsabläufe von Unternehmen beziehungsweise deren zukünftige Tragfähigkeit auswirken können, hängen ebenso mit bestehenden Technologien als auch mit der Entwicklung aufkommender Technologien zusammen. Es genügt, sich die beeindruckenden Progressionsraten der vergangenen Jahre anzusehen, um die Geschwindigkeit, mit der diese Entwicklungen ablaufen, zu verstehen. Dazu zählen beispielsweise die vermehrte Nutzung von Hybrid- und Elektroautos, die Einfachheit kontaktlosen Bezahlens oder die bedeutenden Auswirkungen sozialer Online-Medien auf unseren Alltag.

Diese ungezügelte technologische Entwicklung bedarf schneller Reaktionen seitens der Unternehmen, damit diese in Bezug auf neue Trends und Innovationen Schritt halten und innerhalb eines wettbewerbsorientierten Firmenumfeldes bestehen beziehungsweise die Sichtbarkeit steigern können, um mehr proaktive, datenbasierte Entscheidungen zu ermöglichen.

Technologische Faktoren, die sich auf Unternehmen auswirken

Disruptive Technologie

  • Risiken: Technologische Implementierungen können operationelle und strategische Risiken darstellen, die sich störend auf das Firmenwachstum auswirken können, zum Beispiel fegte der kometenhafte (und technologiegestützte) Aufstieg von Uber herkömmliche Beförderungsdienste hinweg, deren Geschäft vollständig einbrach.
  • Gelegenheiten: Disruptive digitale Technologie wirkte sich entscheidend auf Medienorganisationen aus, da sich das Angebot, Programme zu konsumieren, erheblich erweiterte; Streaming hat den herkömmlichen Rundfunkanstalten einen Teil ihrer Zuschauer abspenstig gemacht und schuf die Möglichkeit, Unternehmen und Konsumenten gezielte Angebote, günstigere Medien und größere Reichweite zu bieten.

Organisationsprozesse

  • Risiken: Zahlreiche technologische Risiken hängen mit Datensicherheit und Cyberverbrechen zusammen. Jüngste Beispiele wie das Hacken des gesamten Verwaltungssystems des britischen Gesundheitsdienstes NHS6 zeigen die verheerenden Auswirkungen einer Sicherheitslücke auf die Geschäftskontinuität und das Vertrauen der Stakeholder. Ein weiteres Risiko besteht im technischen Versagen wie dem Nichtauslösen von Airbags, das sich massiv auf die Automobilindustrie auswirkte, oder Schwächen der innovativen Technologie wie beispielsweise bei Batterien von Mobiltelefonen, deren Überhitzen eine ernst zu nehmende Brandgefahr darstellt. All dies kann zu regulatorischen Risiken wie Bußgeldern führen und sich negativ auf den Profit, das Ansehen und das Gesamtwachstum von Unternehmen auswirken. Disruptive Technologie kann zudem das Wachstum von Unternehmen hemmen, beispielsweise für den Fall, dass ein Mitbewerber eine neue Technologie zuerst einführt und so einen größeren Teil des gemeinsamen Kundenstocks anspricht.
  • Gelegenheiten: Die Integration moderner Technologie (immer vorausgesetzt die Erfordernisse, Zielsetzungen und strategischen Überlegungen von Unternehmen werden nicht missachtet) kann von großem Nutzen für Unternehmen und deren Kunden sein und einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil darstellen. Der Schlüssel dazu ist leistungsfähiges Monitoring: Es kann Organisationen dabei helfen, neue Technologien zu identifizieren, die den Markt möglicherweise aufmischen und proaktiv darauf zu reagieren, sowie dabei, potenzielle Warnungen aufgrund technischen Versagens deutlicher wahrzunehmen. Ein gutes Beispiel dafür ist die zunehmende Verwendung von Blockchain- beziehungsweise virtuellen Währungen, die das Interesse der Aufsichtsbehörden geweckt haben, was zu einem Anstieg des regulatorischen Risikos führt.

Kostenaufwand

  • Risiken: Investitionen in brandneue Technologien stellen Unternehmen mitunter vor außerordentlich hohe Ausgaben, von der Erneuerung ganzer Fahrzeugflotten über die Anschaffung von Elektrofahrzeugen, bis hin zu weniger umfangreichen Veränderungen wie der Ausstattung von Mitarbeitern mit Videotelefonie-Geräten. Ohne tiefgreifende Erhebung der möglichen Auswirkungen von Investitionen auf Ihr Unternehmen, kann es im Handumdrehen zu überhöhten Investitionen oder zu Investitionen in die falsche Technologie kommen.
  • Gelegenheiten: Unternehmen, die mithilfe von Technologie einen Wettbewerbsvorteil erzielen möchten und zudem über eine tragfähige Strategie verfügen, könnten enorm davon profitieren und bedeutende und rasche Kapitalrenditen sowie Kosteneinsparungen erzielen.

Beschäftigung

  • Risiken: Wohl jede Diskussion, die um das Thema Technologie kreist, kommt früher oder später auf die Frage der Beschäftigung zu sprechen. KI und Automatisierung haben bereits zu einem Niedergang der „traditionelleren“ Karriereformen geführt, als Beispiel seien hier stellvertretend nur jene Roboter genannt, die Mauern aufbauen können. Dieser Trend wird aller Voraussicht nach nicht abreißen. Laut einer Studie7 der Internationalen Arbeitsorganisation könnten bis zu 50 Prozent der gesamten Arbeiterschaft Asiens davon betroffen sein, durch Roboter ersetzt zu werden. Des Weiteren könnte die Beschäftigung von Wartungspersonal in Ländern mit instabilerer Infrastruktur ein immer größeres Problem darstellen, was Störungen von Lieferketten und damit verbundene finanzielle Einbußen und Rufschäden nach sich ziehen würde.
  • Gelegenheiten: Werden diese Auswirkungen jedoch entlang der Lieferkette einem lückenlosen Monitoring unterzogen, führt Technologie höchstwahrscheinlich zu besseren Gelegenheiten geschulter Arbeit in den Bereichen Wartung, Programmierung und Codierung – wodurch Unternehmen möglicherweise jüngere Mitarbeiter für sich gewinnen könnten.

Technologische Risiken und ihre Auswirkungen auf Lieferketten

Technologische Faktoren sind nur ein Teil vieler externer Faktoren, die sich negativ auf Unternehmen auswirken können. Sie sind aus diesem Grund ein integraler Teil der PESTEL-Analyse. Ganz wie bei den zuvor erwähnten Risiken gibt es auch in Verbindung mit Lieferketten eine ganze Reihe an zusätzlichen technologischen Risiken, darunter beispielsweise eine instabile technologische Basis: Werden Arbeitsabläufe in Ländern mit instabilerer Infrastruktur durchgeführt, so kann dies Probleme beim Betrieb beziehungsweise bei der Aufrechterhaltung von Technologie nach sich ziehen. Die Unterbrechung der Stromversorgung kann teure Ausrüstung beschädigen, möglicherweise kann kein Wartungspersonal angeworben werden, was zu Unterbrechungen der Lieferkette führt und damit verbundene finanzielle Einbußen beziehungsweise Rufschäden verursacht. Ein wachsendes Echtzeit-Bewusstsein für technologische sowie Markttrends ermöglicht es Ihnen, proaktiv darauf zu reagieren. Um jedoch technologische Risiken besser durchschauen zu können, sollten Sie sicherstellen, dass Sie über verlässliche Lösungen für das Risikomonitoring verfügen.

5. Umweltrisiken

Das zweite E in PESTEL steht für Umweltrisiken (Environmental Risks) und deren Auswirkungen auf Unternehmen.

„Risiko ist wie Feuer: Unter Kontrolle ist es hilfreich; gerät es jedoch außer Kontrolle, so breitet es sich aus und vernichtet einen.“ Dieses Zitat von Theodore Roosevelt ist mehr als hundert Jahre alt, hat aber nach wie vor seine Gültigkeit. „Kontrolle“ bedeutet in diesem Zusammenhang jedoch nicht, dass man Risiken völlig eliminieren kann, was bei vielen Umweltrisiken, mit welchen Unternehmen konfrontiert werden, auch schlicht unmöglich ist. Stattdessen geht es beim Risikomanagement darum, sich den wechselnden Umständen dynamisch anzupassen. Um von der Versorgungskette bis zum gesamten Betrieb widerstandsfähig zu sein, benötigen Unternehmen eine zielgerichtete Überwachung, die es ihnen ermöglicht, Warnsignale früher zu erkennen.

Diese Risikofaktoren sollten Sie im Auge behalten

Im abstrakten Sinne kann man alle externen Faktoren, die sich möglicherweise auf ein Unternehmen auswirken könnten, als Umweltrisiken begreifen. Im PESTEL-Kontext liegt der Schwerpunkt jedoch auf der konkreten physischen Umwelt. Die folgenden Beispiele zeigen, wie sich Umweltfaktoren auf Unternehmen auswirken können:

  • Klima, Wetterereignisse und Naturkatastrophen: Aufgrund der Globalisierung – insbesondere innerhalb der Versorgungsketten – müssen sich Unternehmen mit einer größeren Bandbreite von klimatischen Gegebenheiten und den damit einhergehenden Wetterereignissen auseinandersetzen. Dass auch Naturkatastrophen Versorgungsketten unterbrechen können, zeigt das Beispiel Toyota: Nach den Erdbeben in Japan musste der Autobauer im April 2016 die Produktion in seinen Werken im ganzen Land wegen Mangel an Teilen einzustellen.
  • Klimawandel: Das Risiko des Klimawandels wird oftmals unterschätzt, weil der Prozess sich so langsam zu vollziehen scheint. Dennoch kann er die Risiken für Versorgungsketten durchaus vervielfachen. So geht der Klimawandel unter Umständen mit einer Verknappung von Rohstoffen wie zum Beispiel Wassermangel oder Energieknappheit einher. Er kann auch die Auswirkungen von Wetterereignissen wie Hurrikans, Schneestürmen oder Waldbränden verstärken, welche wiederum Geschäftsbetrieb oder Warentransport unterbrechen und damit Versorgungsketten ins Chaos stürzen können.
  • Umweltverschmutzung: Viele Versorgungsketten verwenden Zulieferer in Entwicklungsländern, wo die Bestimmungen zum Umweltschutz noch nicht so streng sind, dass die anfallende Umweltverschmutzung rechtliche Probleme verursacht. Sollten die Verbraucher allerdings den Eindruck gewinnen, dass Unternehmen die lockerere Gesetzeslage ausnutzen, kann das durchaus ernsthafte Rufschäden mit sich bringen. Dies zeigte sich an den massiven Protesten Anfang dieses Jahres, als bekannt wurde, dass große Modehäuser wie H&M oder Marks & Spencer Stoffe aus Fabriken in Bangladesh und China beziehen, welche die Umwelt stark belasten. In ihrer Dankesrede zur Annahme des Riverkeeper-Umweltpreises gestand die amerikanische Modedesignerin Eileen Fisher: „Die Modebranche ist der zweitgrößte Umweltverschmutzer weltweit ... nur übertroffen von der Ölindustrie.“
  • Angebot an nicht erneuerbaren Materialien: Eine Knappheit wie auch ein Überangebot an nicht erneuerbaren Materialien bringt für Unternehmen eine Reihe von Risiken mit sich. Drückt beispielsweise ein Überangebot an Rohöl die Preise nach unten, steigen die strategischen Risiken für Ölunternehmen. Steigen hingegen die Preise aufgrund einer Rohölknappheit, so erhöhen sich für eine noch größere Bandbreite an Unternehmen die finanziellen Risiken. Hinzu kommen potenzielle Störungen beim Transport, die ein Treibstoffmangel mit sich bringt. Ebenso kann eine Knappheit von nicht erneuerbaren Materialien zu einer unbeständigen Energieversorgung führen, die die Versorgungsketten noch zusätzlich belastet.
  • Umweltvorschriften: Der sich beschleunigende Klimawandel und die Notwendigkeit von Maßnahmen gegen die Umweltverschmutzung in Entwicklungsländern bringen es mit sich, dass auch die Regeln und Gesetze sich fortwährend weiterentwickeln. Unternehmen müssen die legislativen Aktivitäten im Blick behalten, welche zu Gesetzen führen könnten, die ihre Risiken erhöhen.

PESTEL-basierte Überwachung zeigt Risiken besser auf

Mitunter lassen sich Umweltrisiken ohne fortlaufende Überwachung vorhersagen. Das Klima selbst ist ein hinlänglich bekannter Faktor. So wissen Unternehmen, die in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) expandieren wollen, meist gut über die Probleme Bescheid, die der Betrieb in einem heißen, trockenen Klima mit sich bringt und bereiten sich entsprechend darauf vor. Auch Wetterereignisse lassen sich oft genug vorhersehen: Unternehmen mit Geschäftsbetrieb oder Zulieferern in Küstenregionen sind sich darüber im Klaren, dass sie saisonalen Risiken wie beispielsweise Hurrikans unterliegen, die den Betrieb stören können, und halten entsprechende Aktionspläne bereit. Mit fortschreitendem Klimawandel lassen sich die bekannten Faktoren allerdings immer schlechter vorhersagen. Und genau hier kann eine kontinuierliche Überwachung der Umweltrisiken hilfreich sein.

„Die dynamischen Wechselwirkungen von Geopolitik, technischem Fortschritt, weltweiter wirtschaftlicher Integration, sozialer Instabilität, Klimawandel und anderen Faktoren führt dazu, dass das Auftreten eines Risikos sich mit zunehmender Wahrscheinlichkeit auch auf andere Risiken auswirkt“, erklärt der Brink-Nachrichtendienst im Hinblick auf weltweite Risiken und führt weiter aus, dass bei einem Wechselspiel zwischen „bekannten Risiken (wie z. B. Hurrikans) und neu auftretenden Risiken (steigender Meeresspiegel) das Ergebnis nicht so leicht vorherzusehen ist. Insofern steigert die Vorhersage neu auftretender Risiken die Fähigkeit, potenzielle Ergebnisse in Fällen zu prognostizieren, wo sich die Risiken überschneiden.“

Werfen wir zu guter Letzt einen Blick auf das L: die legislativen, sprich rechtlichen Risiken und ihre möglichen unternehmensweiten Auswirkungen. Dabei zeigen wir Ihnen, wie Sie ungewollte Verstöße gegen Vorschriften und Gesetze in Ihrem Unternehmen und seinen Versorgungsketten vermeiden können.

Vorschriften und Gesetze sind wichtige Komponenten, wenn es darum geht, die Wettbewerbsgleichheit für Unternehmen und Gesellschaften zu gewährleisten. Sie wirken sich auf alle Geschäftsfelder aus. Rechtliche Faktoren können sowohl den Betrieb als auch die Leitung von Unternehmen positiv oder negativ beeinflussen – ganz egal, in welchem Land sich das Unternehmen befindet.

Regulatorische Risiken können sich auf den Umsatz, den Ruf und den Unternehmenserfolg auswirken und selbst dann auftreten, wenn sich ein Unternehmen über seine Rechte und Pflichten im Klaren ist. Das liegt zum einen daran, dass Zulieferer und andere Drittparteien ein erweitertes Risiko für regelwidriges Verhalten mit sich bringen. Zum anderen kommt hinzu, dass sich die internationale regulatorische Landschaft in einem stetigen Wandel befindet, weshalb Unternehmen kontinuierlich Echtzeitinformationen zu aktuellen und bevorstehenden Richtlinien- und Gesetzesänderungen einholen müssen, um ihr Risiko so gering wie möglich zu halten. Rechtliche Risiken stellen insbesondere für international tätige und multinationale Konzerne ein Problem dar, da diese nicht nur die Vorschriften und Gesetze im Land ihres Firmensitzes kennen, sondern diese Faktoren auch für alle Staaten oder Länder ermitteln müssen, in die sie liefern bzw. aus denen sie beliefert werden.

Rechtliche Risikofaktoren

  • Steuer und Zollvorschriften

    Diese Vorschriften betreffen alle Firmen, deren Geschäftsbetrieb den Import oder Export von Waren beinhaltet. Dazu gehören unter anderem: landeseigene Steuergesetze, steuerliche Einschränkungen für bestimmte Wirtschaftsbereiche, Export- und Importbeschränkungen, Steuererleichterungen, Einkommens- und Unternehmenssteuern sowie finanzpolitische Regelungen.
  • Allgemeine wirtschaftspolitische Regelungen
    Das Risiko, gegen die allgemeine Wirtschaftspolitik zu verstoßen, kann alle Unternehmen betreffen, da diese Art von Risikofaktor eine Vielzahl von Themen und Aspekten abdeckt wie zum Beispiel währungs- und handelspolitische Regelungen, Eigentumsrechte, die staatliche Kontrolle geschäftlicher Aktivitäten (Zulassungen, Lizenzen, Konzessionen), die Förderung bestimmter Unternehmenstätigkeiten (umweltfreundliche Güter, Energieeinsparung, gesunde Produkte), den Schutz von Urheberrechten und Patenten, Datenschutzgesetze sowie Berichtspflichten zu Wertpapieren.
  • Gesetze zum Schutz von Arbeitnehmern
    Die Arbeitnehmerschutzgesetze können von Land zu Land große Unterschiede aufweisen und stellen für Unternehmen daher ein großes potenzielles Risiko für Rufschädigungen oder Gesetzesverstöße dar. So gestatten beispielsweise die Gesetze zur Kinderarbeit in bestimmten Teilen Asiens in Übereinstimmung mit der Internationalen Arbeitsorganisation8 die Beschäftigung von Kindern ab 14 Jahren. Zu den weiteren Gesetzen zum Schutz von Arbeitnehmern zählen unter anderen: Antidiskriminierungsgesetze, Arbeitsschutzvorschriften, Gewerkschaftsgesetze, Mindestlohnregelungen sowie Gesundheits- und Rentengesetze.
  • Verbraucherschutz- und Außenhandelsgesetze
    Diese Gesetze sind insbesondere für Unternehmen relevant, die Waren direkt an Endverbraucher verkaufen oder in andere Länder exportieren. Werden neue Gesetze oder Gesetzesänderungen nicht fortwährend überwacht und umgesetzt, so kann die Versorgung aufgrund regulatorischer Maßnahmen unterbrochen oder ausgesetzt werden, was wiederum Folgen für die Umsätze und das Ansehen bei den Kunden nach sich ziehen kann. Zu diesen Gesetzen zählen unter anderem: Mess- und Eichgesetze, Produktbeschreibungsvorschriften, Verbraucherkreditgesetze, Altersschutzgesetze sozialrechtliche Bestimmungen (gesellschaftliche Werte, Transparenz in der Versorgungskette, moderne Sklaverei), Handelssanktionen und internationale Handelsbestimmungen.

Bei Datenschutzgesetzen stets auf dem neuesten Stand bleiben

Laut einer Umfrage9 von YouGov im Auftrag der britischen Anwaltskanzlei Mitchell sind sich fast zwei Drittel der Unternehmen in Großbritannien nicht darüber bewusst, dass ihnen nach Einführung der neuen Datenschutzgesetze bei Verstößen Strafen in Höhe von bis zu 20 Millionen Euro drohen können.

Datenschutzgesetze sollen gewährleisten, dass die persönlichen Daten der Verbraucher sicher hinterlegt werden. Ihre Nichtbeachtung kann für Unternehmen Geldstrafen von bis zu 500.000 britischen Pfund nach sich ziehen. Allerdings soll diese Obergrenze vom 25. Mai 2018 an noch einmal deutlich erhöht werden und dann 20 Millionen britische Pfund beziehungsweise vier Prozent des weltweiten Umsatzes eines Unternehmens betragen. Dem Bericht zufolge sei es „verblüffend und besorgniserregend“, dass nur wenigen Unternehmen bekannt ist, wie hoch die Strafen tatsächlich ausfallen können. Derartige gesetzliche Mittel sollen bei großen Verstößen zum Einsatz kommen wie beispielsweise bei den Hackerangriffen auf Daten des britischen Telekommunikationsanbieters TalkTalk im Jahr 2015, bei dem mehr als 150.000 Kunden betroffen waren10.

Um umfangreiche Geldstrafen, Rufschädigung und Vertrauensverlust bei Shareholdern zu vermeiden, müssen Unternehmen den Umgang mit gesetzlichen Risiken effizienter gestalten. In den USA wurden bereits Änderungen im Umgang mit Daten über das Safe-Harbour-Verfahren durchgeführt. Aber dennoch gibt es auch dort weiterhin Unternehmen, die ihre Risiken nicht effizient verwalten. Ein halbes Jahr nachdem der Europäische Gerichtshof die bisherigen Regelungen zum transatlantischen Datenaustausch für ungültig erklärt hatte, verhängte der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Strafen in Höhe von 8.000 Euro an Adobe, 9.000 Euro an die Pepsi-Tochterfirma Punica und 11.000 Euro an Unilever, da diese Firmen „keine zulässigen alternativen Methoden etabliert hatten“.

Arbeitnehmer- und Kundenschutz – „am Rande der Legalität“

Rechtliche Risikofaktoren können sich auch indirekt auf Unternehmen auswirken. So wurde im September 2017 Ubers11 Betriebslizenz in London entzogen, da die Londoner Behörden der Ansicht waren, das Unternehmen bewege sich im Hinblick auf die Rechte seiner Mitarbeiter und die Sicherheit seiner Kunden „am Rande der Legalität“.

Uber geriet aufgrund seiner Arbeitsbedingungen ins Kreuzfeuer der Kritik von Gewerkschaften, Gesetzgebern und klassischen Taxifahrern. Die Gewerkschaften forderten die Dachorganisation des Londoner Transportwesens „Transport for London“ dazu auf, Uber im Rahmen seiner neuen Fünfjahreslizenz zur Einhaltung grundlegender Arbeitsrechte zu zwingen12.

Sie können sowohl das direkte legislative Risiko in Form von Bußgeldern, Strafen und Sperren mindern, als auch das indirekte rechtliche Risiko, das sich in Form von Kritik an Ihren Praktiken und Verfahrensweisen von Seiten der Gewerkschaften, Aktivisten, Regierungen und Kunden äußert, indem Sie sicherstellen, dass sich Ihr Unternehmen über alle relevanten Gesetze in Bezug auf Ihren Betrieb im Klaren ist.

Das rechtliche Risiko und sein Einfluss auf die Versorgungskette

Je mehr Sie sich der möglichen gesetzlichen Maßnahmen bewusst sind und ­was noch wichtiger ist –verstehen, inwiefern sich diese auf Ihren Geschäftsbetrieb auswirken könnten, desto proaktiver können Sie Risiken bereits im Voraus vermeiden. Einen besseren Überblick über die rechtlichen Risiken verschaffen sich, indem Sie sich eine Lösung zur Risikoüberwachung suchen, auf die Sie sich verlassen können.


Die Herausforderung für Unternehmen besteht darin, sämtliche benötigten Informationen zu recherchieren und diese auch ständig aktuell zu halten. Mit einem Tool wie LexisNexis® Entity Insight können Sie die PESTEL-Faktoren im Blick behalten, die für die Risiken, die auf Sie zukommen, am relevantesten sind – ob politisch, wirtschaftlich, soziokulturell, technisch, rechtlich oder ökologisch. Dieser maßgeschneiderte Ansatz an die Überwachung hilft Ihnen dabei, ein Übermaß an Informationen zu vermeiden. Er ermöglicht Ihnen außerdem, Warnsignale früher zu erkennen und proaktiv auf Reputationsrisiken sowie rechtliche, finanzielle und strategische Risiken reagieren zu können.


Zur Person

Salvatore Saporito ist Teamleiter Europa Risk & Compliance und seit 2003 bei der LexisNexis GmbH. Er studierte an der Universität zu Köln Wirtschaftswissenschaften (Betriebswirtschaftslehre) mit dem Abschluss Diplom-Kaufmann. Er ist Mitglied im Deutschen Institut für Compliance (DICO), dem Berufsverband der Compliance Manager (BCM), in der DGI Fachgruppe Compliance, im österreichischen Compliance Praxis Netzwerk sowie in der American Chamber of Commerce. Salvatore Saporito ist regelmäßig Referent zum Thema Geschäftspartnerüberprüfung.


Quellen

1 CIPS Risk Index: threat slightly down, cips.org, 09.06.2017
2 The Impact of Political Instability on Global Sourcing, online.kettering.edu, 14.06.2016
3 Report urges WTO members to resist protectionism and "get trade moving again", wto.org, 25.07.2016
4 Global supply chain risk grows, supplychaindigital.com, 07.11.2016
5 The Global Risks Report 2017, weforum, 2017
6 How hackers held the NHS to ransom, New Statesman, 15.05.2017
7 Asean in Transformation, International Labour Organization, Juli 2016
8 ILO Conventions and Recommendations on child labour, ILO, 2017
9 Irwin Mitchell Solicitors, 2017
10 The TalkTalk hack is much smaller than everyone first thought and shares are jumping, Oscar Williams-Grut, 6.11.2015
11 Uber stripped of London licence due to lack of corporate responsibility, the guardian, 23.09.2017
12 Uber should lose its licence if it doesn't improve workers' rights, say drivers, the guardian, 9.05.2017

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