Panama Datenleck zieht FIFA wegen angeblicher Bestechungszahlungen zurück ins Rampenlicht

Im dritten Teil von „Der Pate" sagte Michael Corleone: „Gerade wo ich denke ich bin draußen, ziehen die mich wieder rein."

Das denken wohl auch die Vorstände der FIFA und UEFA, nachdem das Panama-Datenleck letzte Woche wieder die größten Fußball-Verbände ins Rampenlicht der Medien und wahrscheinlich auch der Vollzugsbehörden zog.

2015 erlitt die FIFA einen großen Reputationsschaden, als Untersuchungen zu Bestechungs- und Korruptions-Vorwürfen bei vielen hochrangigen Beamten stattfanden. Der „Höhepunkt" war der Rücktritt des damaligen FIFA-Präsidenten Sepp Blatter. Die Wahl seines Nachfolgers Gianni Infantino im Februar 2016 wurde als Chance für FIFA gesehen, nach dem Skandal einen Neuanfang zu starten.

Eine Analyse mit LexisNexis® Newsdesk zeigt, dass zu den meist genannten Organisationen im Zusammenhang mit dem Panama Skandal, auch die FIFA gehört. Die Frage ist, aus welchen Gründen sie genannt wird.

Organisationen und Panama Papers

Dokumente der Panama Papers behaupten, dass Gianni Infantino 2006 einen TV-Vertrag mit zwei Geschäftsleuten unterzeichnete, die der Bestechung beschuldigt werden. Die beiden Geschäftsmänner, Hugo und Mariano Jinkis kämpfen derzeit gegen ihre Abschiebung in die USA.

US Staatsanwälte unterstellen den Jinkis, dass sie als Eigentümer der Offshore-Firma „Cross Trading" auf der pazifischen Insel Niue über Jahre Schmiergelder in Millionenhöhe an südamerikanische Fußball-Funktionäre gezahlt haben, um im Gegenzug lukrative TV-Rechte für regionale Fußballturniere zu erhalten. Sie verkauften diese Verträge sofort an Teleamazonas, einen TV-Sender aus Ecuador, zu einem drei bis vier Mal so hohen Betrag.

Der Panama Skandal wirft die Vermutung auf, dass ein paar Jahre bevor diese Geschäfte in Südamerika stattfanden, Infantino einen Vertrag mit Hugo Jinkis unterzeichnete, während ersterer Direktor für Rechtsangelegenheiten der UEFA war. Im Rahmen des Vertrags, zahlte „Cross Trading" 111.000 US-Dollar für exklusive Rechte zur Ausstrahlung der Champions League in Equador zwischen Juli 2006 und September 2008. Dann wurden diese Rechte wieder an Teleamazonas für 311.170 US-Dollar verkauft.

UEFA besteht darauf, dass das Geschäft einwandfrei war, und damals noch nicht vorhersehbar war, dass Jinkis ein Jahrzehnt nach der Vertragsunterzeichnung in einen Skandal verwickelt sein würde. Infantino bestreitet auch jegliches Fehlverhalten und sagte, er hätte kein Problem mit einer Untersuchung in dieser Angelegenheit.

Gelbe Karte für den Fußball 

Die Fußballgremien hatten gehofft, dass sie sich nach einem turbulenten Jahr 2015, in dem Blatter von Schweizer Behörden wegen einer Zahlung in 2011 von 1,3 Millionen US-Dollar an UEFA Präsident Michel Platini untersucht wurde, aus dem jetzigen Skandal raushalten könnten. Beide bestreiten, dass die Zahlungen unzulässig waren, aber FIFAs Ethikkomitee erteilte beiden ein 8-jähriges Verbot, Ihren Beruf im Fußball-Geschäft weiter auszuüben, welches nach einer Berufung auf 6 Jahre verkürzt wurde.

Obwohl sie Aktionären nicht in gleicher Art, wie es eine Firma wäre, Rechenschaft schuldig sind, sollten UEFA und FIFA sich trotzdem bemühen, Korruption zu bekämpfen. Eine Umfrage von Transparency International und Forza Football im Februar 2016 zeigte, dass 69 % aller Fans kein Vertrauen mehr in die FIFA haben. Was für die FIFA noch besorgniserregender sein dürfte, ist das Ergebnis, dass 43 % der 25.000 befragten Fans in 28 Ländern sagten, dass die Skandale Ihnen den Spaß am Fußballgucken nähmen.1 

Offshore - ein Auswärtsspiel

UEFA ist eine der vielen Organisationen, die im Zusammenhang mit den 11,5 Millionen Dateien der Mossack Fonseca Panama Papers genannt wird.

Die Panama Vorwürfe bringen das Vorgehen erneut ins Rampenlicht, dass Unternehmen Briefkastenfirmen in Steueroasen schaffen, um den wahren Besitzer hinter einem Scheindirektor zu verstecken. Abhängig davon, wie viel ein Unternehmen zahlt, kann auch mehr als eine geheime Firma versteckt sein. „Cross Trading", die Firma der Jinkis, ist ein Beispiel, wie solche Firmen vermeintlich genutzt werden, um den wahren Eigentümer zu verbergen.

Obwohl es länderabhängig verschiedene Gesetze für das Konzept des wirtschaftlich Berechtigten (Ultimate Beneficial Ownership) gibt, haben sich die G20 Mitglieder 2014 verpflichtet, durch eine Zusammenarbeit strengere Richtlinien für die wirtschaftliche Berechtigung einzuführen.

Mit den eingeleiteten Untersuchen in vielen der G20 Ländern als Folge des Panama Datenlecks, wird die Wirksamkeit dieser Richtlinien in den nächsten Monaten auf die Probe gestellt werden.

Erfahren Sie mehr über die Panama Papers in unserem Blogbeitrag und schützen Sie sich und Ihr Unternehmen vor Korruption und Geldwäsche in dem Sie Ihre Geschäftspartner einer Know-Your-Customer-Analyse unterziehen.


Zur Person

Salvatore SaporitoSalvatore Saporito ist Business Development Manager Risk & Compliance und seit 2003 bei der LexisNexis GmbH. Er studierte an der Universität zu Köln Wirtschaftswissenschaften (Betriebswirtschaftslehre) mit dem Abschluss Diplom-Kaufmann. Er ist Mitglied im Deutschen Institut für Compliance (DICO), im österreichischen Compliance Praxis Netzwerk sowie im American Chamber of Commerce. Salvatore Saporito ist regelmäßig Referent zum Thema Geschäftspartnerüberprüfung.


Umfrage Transparency International & Forza Football

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