Studie: Ein Drittel aller Führungskräfte kann sich Korruptionszahlungen vorstellen

Foto Salvatore Saporito, LexisNexis GmbH

Laut einer aktuellen Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young1 ist ein Drittel aller Vorstandsmitglieder bereit, Bestechungsgelder anzubieten, um den Zuschlag für einen neuen Vertrag zu bekommen. Die Untersuchung zeigt, dass das Bestechungs- und Korruptionsrisiko von Land zu Land unterschiedlich hoch ist. In Deutschland geht nahezu jeder zweite Befragte von einem hohen Verbreitungsgrad aus. Die Autoren der Studie verweisen auf die Notwendigkeit risikobasierter Due Diligence und Überwachung.

Signifikant hoher Anteil der Befragten rechtfertigt unethisches Verhalten

Korruption wird in vielen Ländern noch immer als Kavaliersdelikt verstanden. Ein „signifikant" hoher Anteil an Mitarbeitern rechtfertigt unethisches Verhalten, um für das eigene Unternehmen oder sich selbst höhere Gewinne zu erzielen, stellt die EY Fraud Survey fest. Die Untersuchung basiert auf Interviews mit 4.100 Menschen aus 41 Ländern und Territorien in Europa, Indien, dem Nahen Osten und Nordafrika, die von November 2016 bis Januar 2017 geführt wurden. Die Befragten sind bei großen Unternehmen in unterschiedlichen Branchen tätig, wie Finanzdienstleistungen, öffentliche Verwaltung, Gesundheitswesen und Biowissenschaften, Rohstoffindustrie und Einzelhandel.

Erschreckend hoch ist der Risikoanteil bei Vorstandsmitgliedern und leitenden Führungskräften: Jeder Dritte gibt an, er könne es vertreten, Barzahlungen in Aussicht zu stellen, um Geschäfte zu erlangen. Drei von vier Befragten (77 Prozent) sind der Meinung, unethisches Verhalten sei zu rechtfertigen, wenn es dem Überleben eines Unternehmens diene. Und jeder Zweite äußert Bedenken oder verfügt sogar über Informationen zu Fehlverhalten im entsprechenden Land. Ebenfalls jeder zweite Befragte glaubt, dass korrupte Verhaltensweisen in seinem Land weit verbreitet sind.

Die nächste Generation von Führungskräften ist anfällig für Bestechung und Korruption

Die Autoren des Berichts sind besonders besorgt angesichts der Einstellung der 25- bis 34-Jährigen zu Bestechung und Korruption. In der Vergangenheit wurden diese beiden Delikte häufig als notwendiger Bestandteil unternehmerischen Handelns betrachtet. Im Zeitalter von Compliance-Programmen und Anti-Korruptionsschulungen hätten die Forscher jedoch vermutet, dass jüngere Mitarbeiter einen aufgeklärteren Ansatz verfolgen würden. Überraschenderweise rechtfertigen jedoch 25 Prozent der befragten 25- bis 34-Jährigen es, Barzahlungen in Aussicht zu stellen, um den Zuschlag für ein Geschäft zu bekommen. Unter den Befragten aller Altersstufen sind nur 12 Prozent dieser Ansicht. Diesen Zahlen zufolge ist die nächste Generation von Führungskräften anfällig für Bestechung und Korruption.

Deutschland steht im internationalen Vergleich bei Korruptionsrisiken im Mittelfeld

Die Umfrage zeigt außerdem, dass die Höhe des Bestechungs- und Korruptionsrisikos in unterschiedlichen Ländern erheblich variiert. Dabei nimmt Deutschland keinesfalls eine Vorbildfunktion ein: 43 Prozent der Befragten geben an, dass Bestechung oder Korruption im Geschäftsverkehr im Land weit verbreitet seien. Die Menschen in anderen europäischen Ländern haben eine bessere Meinung über die eigene Situation: In Großbritannien glauben 25 Prozent und in Frankreich 28 Prozent an eine hohe Verbreitung. In Dänemark, Norwegen und Frankreich liegt das wahrgenommene Korruptionsrisiko mit 6 Prozent, 10 Prozent beziehungsweise 16 Prozent am niedrigsten. Im krassen Gegensatz dazu sagen über 75 Prozent der Befragten in der Ukraine, in Griechenland, in Indien und in Ägypten, dass Korruption in der Geschäftswelt weit verbreitet sei.

Risikobasierte Due Diligence ist notwendig

Immer häufiger wird von Aufsichtsbehörden und Unternehmen eine risikobasierte Due Diligence empfohlen, um Bestechungs- und Korruptionsrisiken in Verbindung mit Dritten zu steuern. So forderte im vergangenen Jahr die britische Finanzmarktaufsichtsbehörde FCA die Banken auf, einen risikobasierten Ansatz anzuwenden, sofern sie Geschäfte in einer Branche oder Region mit hohem Korruptionsrisiko in Erwägung zögen. Dabei verlangt die FCA keineswegs, dass sich Banken vollständig aus stark risikobehafteten Regionen oder Branchen zurückziehen, vielmehr sollten sie jedes Risiko angemessen managen.

Im vergangenen Jahr veröffentlichte die Internationale Organisation für Normung den internationalen Standard gegen Korruption: ISO 37001. Organisationen und Unternehmen können ihre Verfahren zur Compliance mit Anti-Bestechungs- und Anti-Korruptionsvorschriften zertifizieren lassen. Der Standard verlangt von Unternehmen, Due-Diligence-Prüfungen in einem Umfang durchzuführen, der, je nach Höhe des Korruptionsrisikos, „angemessen und geeignet" ist.

Untersuchungen wie die EY Fraud Survey unterstreichen die Wichtigkeit, von der Vorstandsetage über alle Ebenen bis hin zu jedem einzelnen Mitarbeiter eine Compliance-Kultur zu entwickeln und ergänzend einen wirksamen, risikobasierten Due-Diligence-Prozess einzuführen. Unternehmen, die sich auf Kategorien mit hohem Risiko – beispielsweise Länder oder Territorien mit schlechten Platzierungen beispielsweise in der Fraud Survey oder dem Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International – konzentrieren, sind besser aufgestellt, um Bestechungs- und Korruptionsrisiken effektiv zu senken.

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Zur Person

Salvatore Saporito ist Business Development Manager Risk & Compliance und seit 2003 bei der LexisNexis GmbH. Er studierte an der Universität zu Köln Wirtschaftswissenschaften (Betriebswirtschaftslehre) mit dem Abschluss Diplom-Kaufmann. Er ist Mitglied im Deutschen Institut für Compliance (DICO), dem Berufsverband der Compliance Manager (BCM), in der DGI Fachgruppe Compliance, im österreichischen Compliance Praxis Netzwerk sowie in der American Chamber of Commerce. Salvatore Saporito ist regelmäßig Referent zum Thema Geschäftspartnerüberprüfung.


Quellen

1 EY, Business in an uncertain world, 2017

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