Compliance - was erwartet uns in 2016?

Neuigkeiten & Herausforderungen im neuen Jahr

Foto Salvatore Saporito, LexisNexis GmbH

Das neue Jahr bringt neue Herausforderungen für Compliance-Experten mit sich, wodurch deren Aufgaben zunehmend komplizierter werden: Fachleute im Bereich Compliance werden 2016 mit verstärkten Regulierungen und sich schnell entwickelnden geopolitischen Ereignissen konfrontiert. Insbesondere für unvorbereitete Unternehmen oder solche, die gerade erst beginnen, sich mit dem Thema zu beschäftigen, können diese komplexen Veränderungen problematisch werden.

Fokus auf koordinierte Durchführung

Compliance-Abteilungen müssen sich 2016 auf die zunehmenden Bemühungen von Regierungs- und Aufsichtsbehörden auf der ganzen Welt zur Bekämpfung von Geldwäsche, Bestechung und Korruption fokussieren. Diese Priorisierung ist insbesondere auf die Höhe der finanziellen Sanktionen und die steigende Anzahl international tätiger Unternehmen zurückzuführen.

Der FIFA-Korruptionsskandal und die Auslieferungsforderungen des FBIs und des amerikanischen Justizministeriums in Verbindung mit einem Ermittlungsverfahren der Schweizerischen Bundesanwaltschaft zeigen erneut, dass internationale Grenzen keinerlei Schutz bieten.

Nachdem 2009 Korruptionsvorwürfe zum Ölkonzern Petrobras untersucht wurden, verlor das Unternehmen, das lange als eines der ethischsten Unternehmen weltweit galt, an Ansehen. Obwohl der Fall noch nicht abgeschlossen ist, wurde Petrobras' Schuldenrating schon zum zweiten Mal in einem Jahr von Moody's Investors Service heruntergestuft. In die Untersuchungen zum Fall sind mehrere Gerichtsbarkeiten verwickelt, unter anderem Süd- und Zentralamerika und Europa.

2015 gab es die erste erfolgreiche Zusammenarbeit mit Strafverfolgungsbehörden (Deferred Prosecution Agreement - DPA) der Betrugsbekämpfungsbehörde SFO gegen die ICBC-Standard Bank wegen misslungener Versuche, Bestechung zu unterbinden. Dabei arbeitete die SFO eng mit dem amerikanischen Justizministeriums und der Börsenaufsichtsbehörde SEC zusammen. Während dies das erste erfolgreiche „Deffered Prosecution Agreement" war, seit es 2014 im UK Bribery Act in Kraft trat, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Verhängung der Strafen und der Erfolg der grenzübergreifenden Zusammenarbeit zwischen den USA und Großbritannien zu ähnlichen Vorgehensweisen in diesem Jahr führen werden.

2015 wurden einige der höchsten Bußgelder erhoben, die es je gab – wie die Rekordsumme von 72 Millionen Britischen Pfund, die Barclays als Geldstrafe wegen nicht durchgeführter, erforderlicher Überprüfungen von politisch exponierten Personen (PEPs) auferlegt wurde. In einer Rede vor der „Accuity AML Risk Reduction and Compliance" Europa Konferenz, sagte Rob Gruppetta, Vorsitzender der Abteilung für Wirtschaftskriminalität bei der FCA: „Sie müssen verstehen, dass wir handeln müssen, wenn Firmen die von uns erwarteten Standards nicht einhalten. Und wir werden auch weiterhin da eingreifen, wo es unseres Handelns bedarf." Gruppetta versicherte, dass „keine Firma leichtfertig der Zwangsvollstreckung unterzogen wird" und betonte, dass Organisationen wachsam gegenüber Unternehmensskandalen und gravierenden Lücken in den Compliance-Richtlinien sein sollen.

Geht es um Compliance im Allgemeinen, um Firmen die Joint Ventures eingehen, oder um die Akquisition ausländischer Unternehmen, dann kann nur eine umfassende und robuste Due Diligence die Risiken minimieren.

Erweiterte Gesetzgebung

Compliance stellt nicht nur eine Problematik für Finanzdienstleister dar. Richtlinien und Gesetze verlangen, dass alle Firmen Third Party Due Diligence-Checks durchführen; die Herausforderungen an Unternehmen werden zunehmend komplexer werden. Die vierte Europäische Geldwäscherichtlinie ist nun rechtskräftig und stellt Länder vor die Aufgabe, ihre nationalen Regelungen, Anweisungen und gesetzlichen Vorschriften während der nächsten zwei Jahre an die europäische Gesetzgebung anzupassen.

Diese Richtlinie erfordert auch, dass alle EU-Mitgliedsstaaten ein Register führen, in dem der wirtschaftliche Berechtigte von allen Unternehmen und anderen juristischen Personen, einschließlich Treuhandgesellschaften, aufgelistet wird. Die Richtlinie schreibt deutlich verschärfte Anti-Geldwäsche-Regelungen vor. Unternehmen müssen demnach Due Diligence-Überprüfungen für neue Kunden durchführen, jede verdächtige Transaktion mitteilen und vollständige Zahlungen aufzeichnen. Sie müssen auch interne Kontrollen zur Bekämpfung von Geldwäsche und Aktionen, die indirekt terroristische Netzwerke finanzieren, einführen.

Im März 2015 trat zum Beispiel in Großbritannien der „UK Modern Slavery Act" in Kraft, nach dem Firmen in Großbritannien mit einem Umsatz von mehr als 36 Millionen Britischen Pfund einen jährlichen Bericht zu Sklaverei und Menschenhandel veröffentlichen müssen. So sollen Maßnahmen aufzeigt werden, die das Unternehmen verfolgt, um eine Zulieferkette frei von Sklaverei zu versichern.

Geopolitische Ereignisse und wachsende Anzahl von Überprüfungen

Weitere Compliance-Herausforderungen werden sich im Zuge der weltweiten geopolitischen Bewegung entwickeln, was hauptsächlich auf sich verändernde Sanktionsregelungen zurückzuführen ist. 2015 konnte man dies am Beispiel von den schnell wechselnden Sanktionsregelungen zu Russland und der Ukraine sehen. Für 2016 wird bereits erwartet, dass in Kürze Sanktionen gegen den Iran erhoben werden, Süd-Korea hat strenge Sanktionen gegen Nord-Korea gefordert und der Nahe Osten wird weiterhin eine problematische Region in Hinblick auf die Einhaltung von Compliance-Richtlinien bleiben.

Bürden des Mangels an Überprüfungen und Compliance-Fähigkeiten

Laut eines kürzlich veröffentlichten Risk Advisory-Reports, glauben mehr als 80 % der Compliance-Fachleute, dass Compliance im Vergleich zum Stand von vor zwei Jahren komplexer geworden ist. Am aussagekräftigsten ist wahrscheinlich die Tatsache, dass 78 % der Ansicht sind, dass die steigende Komplexität von Compliance selbst ein Risiko mit sich bringt.

Compliance-Fachleute müssen heutzutage so viele Sachverhalte überprüfen und verwalten, dass sie einem enormen Druck ausgesetzt sind. Nur 32 % der befragten Compliance-Spezialisten sind der Meinung, dass Neueinsteiger in diesem Beruf die erforderlichen Fähigkeiten besitzen, um erfolgreich zu sein.

Dieser mögliche Kompetenzmangel sowie die ständig komplexer werdenden Richtlinien und Gesetze zur Reduzierung von Risiken, stellen wiederum selbst ein Risiko dar. Die steigende Zahl von Überprüfungen zur Sicherstellung von Third Party Due Diligence und die Last durch zusätzliche Rechtsvorschriften führen dazu, dass sich Compliance-Fachleute 2016 darauf konzentrieren werden, Systeme einzuführen, die die erforderlichen Prozesse automatisieren und akkuratere und sicherere Ergebnisse liefern.

So bleiben Sie auf dem Laufenden:

  1. Um Ihr Unternehmen und Ihren Ruf zu schützen, müssen Sie Ihre Kunden, Angestellten und Zwischenhändler besser verstehen. Lexis Diligence® bietet auf einer einzigen Plattform alle Informationen, die Sie benötigen, um Due Diligence-Überprüfungen durchzuführen sowie die Geldwäsche- und Korruptionsrichtlinien zu erfüllen. 
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Zur Person

Salvatore Saporito ist Business Development Manager Risk & Compliance und seit 2003 bei der LexisNexis GmbH. Er studierte an der Universität zu Köln Wirtschaftswissenschaften (Betriebswirtschaftslehre) mit dem Abschluss Diplom-Kaufmann. Er ist Mitglied im Deutschen Institut für Compliance (DICO), im österreichischen Compliance Praxis Netzwerk sowie im American Chamber of Commerce. Salvatore Saporito ist regelmäßig Referent zum Thema Geschäftspartnerüberprüfung.


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