Interview mit Dermot Corrigan, CEO von smartKYC

16.02.2022 von Thomas Becker

Compliance-Teams stehen im Zusammenhang mit Know-Your-Customer (KYC) und Onboardingverfahren zunehmend unter Druck. Neben immer strengeren regulatorischen Anforderungen, steigt auch der Bedarf nach Transparenz in der Lieferkette, um ESG-Compliance nachzuweisen. Die Banken selbst versuchen, die aufgrund einer großen Anzahl an Kunden entstehenden Screeningkosten zu senken. Die Lösung liegt im Einsatz von Daten und Technologie, um KYC-Prozesse schneller, effizienter, genauer und weniger kostenintensiv zu gestalten. Wir haben mit Dermot Corrigan, CEO von smartKYC1 gesprochen, um mehr darüber zu erfahren.

Dermot Corrigan

F: Erzählen Sie uns etwas über Technologielösungen für KYC und über smartKYC im Besonderen.

Corrigan: Wir unterstützen Unternehmen mit KI-Technologie bei der Durchführung von Due-Diligence-Prüfungen und helfen ihnen, im Rahmen des KYC- und Onboarding-Verfahrens so weit wie möglich alles über ein Unternehmen oder eine Person herauszufinden. Das führt zu schnelleren, bessern und kostengünstigeren KYC-Verfahren. smartKYC harmonisiert für solche Überprüfungen verschiedene Daten unabhängig von ihrer Quelle, ihrer Struktur bzw. dem Zugriffsverfahren. Auf die Daten wenden wir KI-Technologien wie die Verarbeitung natürlicher Sprache (Natural Language Processing, NLP) an, um jede Zeile jedes Dokuments – Watchlisten, Geschäftsführer-Verzeichnisse und Aktienregister, Dokumente aus dem frei zugänglichen Internet und aus Medienarchiven – zu lesen. So gewinnen wir sachdienliche Informationen mit hohem Genauigkeitsgrad über ein bestimmtes Unternehmen oder eine bestimmte Person.

Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem Technologie dem Menschen mit Blick auf das Lesen von Informationen vieles abnehmen kann, indem sie Wissenswertes aus der ganzen Welt über ein Unternehmen oder eine Person ausfindig macht. Dabei kann es sich um Informationen über Verwandte und enge Vertraute einer Person, über die Herkunft ihres Vermögens und ihre Beteiligungen handeln. In anderen Fällen kann es um Einblicke in das wirtschaftliche Eigentum an einem Unternehmen, dessen ESG-Risiken und Fußabdruck in einem Land gehen. smartKYC ist bei allem hilfreich, was üblicherweise mit einer KYC-Überprüfung einhergeht.

F: Warum müssen Unternehmen ihre KYC-Verfahren verbessern?

Corrigan: Es gibt viel Frustration im Zusammenhang mit der Art und Weise, in der Banken Due-Diligence-Prüfungen im Bereich KYC durchführen. Sie dauern zu lange, es gibt zu viele False Positives, sie erfordern zu viel manuelle Arbeit und verursachen viel Unruhe. Es gibt keine Einheitlichkeit oder Systematisierung für Prüfzwecke und keine Stapelverarbeitung. Die Kunden wenden sich an uns, weil sie ihre Verfahren verbessern möchten.

Außerdem gibt es Druck durch die Gesetzgebung. Die 6. Geldwäscherichtlinie der EU ist das neueste Produkt der EU-Gesetzgebung gegen Finanzkriminalität und jedes Mal wird es für Unternehmen noch mühsamer. Die neueste Anforderung dreht sich um das wirtschaftliche Eigentum. Dieses festzustellen, ist ein schwieriges Unterfangen. Abgesehen von Geldwäsche gibt es auf der ganzen Welt Rechtsvorschriften im Zusammenhang mit Bestechung, Korruption und moderner Sklaverei und es gibt keine Anzeichen für eine Verlangsamung der Gesetzgebung.

Wir beobachten auch, dass die Unternehmen Bewusstsein über das ESG-Risiko in ihrer Lieferkette entwickelt haben. Unternehmen betrachten ESG aus drei Blickwinkeln: Entsprechen meine ESG-Qualifikationen den Anforderungen? Entsprechen unsere Investitionen ESG-Kriterien? Erfüllen die Drittparteien, mit denen wir zusammenarbeiten (z. B. Lieferanten), ESG-Kriterien?

F: Welche Art von Kunden nutzt Ihre Lösung?

Corrigan: Die meisten unserer Kunden sind Finanzinstitute. Wir haben mit Privatbanken und Vermögensverwaltern, Geschäfts- und Investmentbanken sowie Privatkundenbanken, die alle zu den größeren Akteuren auf dem Markt zählen, zu tun. Tendenziell haben sie alle ein KYC-Problem im industriellen Maßstab und aufgrund der Natur ihres Kundenkreises sind ihre Prüfungsverfahren komplex und durch eine ausgeprägte internationale Dimension gekennzeichnet. Sie alle möchten dieses Verfahren automatisieren, da es sehr arbeitsintensiv ist und große Banken hunderte oder sogar tausende Menschen im Bereich KYC beschäftigen, um diese manuellen Prozesse zu bewältigen.

Wir haben auch mit – oft multinationalen – Konzernen zu tun, die sich mit ESG-Risiken in ihren Lieferketten in derselben Art und Weise auseinandersetzen, wie Banken unter ihren Kunden nach Finanzkriminalitätsrisiken suchen. In letzter Zeit hören wir von einigen unserer KYC-Kunden aus dem Bankbereich, dass sie smartKYC ihren Kollegen aus dem Impact-Investment-Team für die ESG-Beurteilung ihrer Anlageportfolios oder ihres Darlehensbestands empfehlen.

F: Vor welchen Herausforderungen stehen Banken im Zusammenhang mit der Einhaltung von Geldwäsche­bestimmungen?

Corrigan: Neben dem wachsenden Regulierungsaufwand spielen Kosten eine Rolle. Die Cost-Income-Ratio der Banken ist mit der Zeit unter Druck geraten, während die KYC- und Compliance-Kosten jedes Jahr gestiegen sind. Bislang wurde darauf mit der Einstellung weiterer Mitarbeiter reagiert, Unternehmen sind jedoch zunehmend frustriert darüber, jedes Jahr so viel Geld für Compliance-Zwecke auszugeben. Es besteht also der Wille, nach Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung zu suchen und zu prüfen, wie Technologie dabei helfen kann.

F: Welche Rolle spielt die Qualität der Daten, die in Ihre Lösung eingespeist werden?

Corrigan: Wir sind ein Technologieunternehmen und sind deshalb von vertrauenswürdigen Datenquellen abhängig. Wir fragen unsere Kunden, mit welchen Quellen sie arbeiten möchten, und hier gibt es drei Hauptbereiche:

  1. öffentlich zugängliche Informationen aus dem Internet,
  2. fachliche Ressourcen wie das Medienarchiv von LexisNexis mit seinen biografischen Daten, Sanktionsdaten und anderen sowie
  3. private Quellen wie die bankeigenen Blacklisten.

F: Wie werden Mediendaten in Ihrer Lösung verwendet?

Corrigan: Das Archiv von LexisNexis kann bei allen unseren Technologielösungen und für alle Anwendungsfälle eingesetzt werden. Wir wenden NLP auf das Archiv an und die Technologie von smartKYC bearbeitet jeden Artikel und ermittelt daraus etwa Informationen über das Vermögen einer Person, ihre Verbindungen und Aktivitäten sowie mit der Person verknüpfte Risiken und Kontroversen. Solche Informationen, sogar über Dinge wie Hobbys, Lebensstil und Ausbildung, gewinnen wir aus Nachrichtenartikeln. Das präsentieren wir dem Kunden dann in einem Bericht. Es handelt sich um genau dieselbe Leistung, wie es ein Beratungsunternehmen bieten würde, nur dass dieses 10.000$ dafür berechnen würde und wir den Preis eines Kaffees dafür verlangen.

F: Worin genau liegt die Bedeutung von Mediendaten?

Corrigan: Das Medienarchiv von LexisNexis hat vor allem zwei große Vorteile:

  1. Ein Nachrichtenarchiv, das 40 Jahre zurückreicht, ist für das Onboarding und KYC-Verfahren immens wertvoll. Die Alternative ist Google, das kein Archiv, sondern ein Current-Awareness-Tool ist und somit die Gefahr birgt, dass man auf Risiken, deren Ursprung viele Jahre zurückliegt, nicht vorbereitet ist. Außerdem können Unternehmen die dunklen Künste der Suchmaschinenoptimierung nutzen, um schlechte Nachrichten verschwinden zu lassen. Im 40 Jahre zurückreichenden Medienarchiv sind diese Risiken festgehalten und wir können zu dieser Wahrheit vordringen.
  2. LexisNexis verfügt in seinem Nachrichtenarchiv über eine Sammlung exzellenter kuratierter Inhalte. Diese hochwertigen Inhalte umfassen jede einzelne Publikation eines bestimmten Mediums, was eine wesentlicher Vorteil ist. LexisNexis hat jedes Medium einer eigenen Due-Diligence-Prüfung unterzogen, während es einigen Quellen in Google-Suchergebnissen an Zuverlässigkeit mangelt.

F: Was bringt das Verfahren für ein Unternehmen, das eine Umstellung von einem manuellen auf ein automatisiertes Verfahren in Betracht zieht, mit sich?

Corrigan: Banken betrachten die Angelegenheit unter den Aspekten Strategie, Verfahren und Technologie – in dieser Reihenfolge. Sie ändern nur ungern ihre Strategie in Bezug auf Finanzkriminalität und erwarten, dass das Verfahren und die Technologie zur Strategie passen und sie nicht die Strategie an die Technologie anpassen müssen. Es bietet sich bei dieser Gelegenheit aber die Chance, das KYC-Verfahren zu überdenken. Eine Bank, mit der wir zu tun haben, hat im KYC-Verfahren 60 verschiedene Kontaktpunkte festgestellt, was extrem inneffizient ist und zu Fehleranfälligkeit führt. Die Einführung der smartKYC-Technologie ermöglicht unseren Kunden, ein einziges einheitliches Verfahren zu schaffen.

Außerdem sprechen wir mit ihnen darüber, wie sie smartKYC für ihre individuellen Anforderungen konfiguriert haben möchten. Unter anderem geht es darum, wie die Risikobewertungen funktionieren sollen, welche Länder und Sektoren Risiken für sie bergen und welche Quellen und Zuverlässigkeitsschwellen sie verwenden möchten. Schließlich gelangen wir zur Technologieebene, auf der wir gemeinsam mit dem Kundenüber die Hardware, die Datenbanken, die Sicherheitsanforderungen usw. entscheiden. Der gesamte Prozess zur Umsetzung der KYC-Automatisierung kann je nach der erforderlichen Anpassung an die Bedürfnisse des Kunden zwischen zwei und sechs Monaten dauern.

F: Worin liegen für Unternehmen die Vorteile der Automatisierung des KYC-Verfahrens?

Corrigan: Sie kann zu schnelleren, besseren und kostengünstigeren KYC-Verfahren führen. Leute, die im KYC-Bereich arbeiten, werden dermaßen dazu gedrängt, ihre Arbeit möglichst schnell zu erledigen, dass natürlich Kompromisse gemacht werden – sie können schließlich nicht alles lesen. Es bedeutet für Unternehmen einen gewissen Komfort, wenn wir ihnen sagen, dass die Maschine das Lesen übernimmt. Sie müssen dann weniger Zeit mit aufwändigen Recherchen verbringen und können sich mehr der Entscheidungsfindung widmen.

Sie können dadurch außerdem Verfahren nach dem Onboarding, beispielsweise periodische Aktualisierungen, automatisieren und auch ein fortwährendes KYC-Verfahren (‚perpetual KYC‘) einführen. Dabei geht es nicht nur um die laufende Beobachtung im Hinblick auf eine Veränderung der Daten, sondern auch im Hinblick auf wesentliche Veränderungen, die in Nachrichtenmeldungen zu finden sind. Das ist entscheidend.

Wir wissen von einem Kunden in Asien, dass er zwischen 30 und 50 % der Zeit eingespart hat, die er normalerweise für KYC-Verfahren benötigte. Wenn man eine Due-Diligence-Überprüfung einer vermögenden Privatperson durchführt, kann es einen ganzen Tag in Anspruch nehmen, nach den Vorstands-, den Aufsichtsratsmandaten und den Beteiligungen der Person zu suchen und ihren Leumund und ihre Beziehungen zu überprüfen. smartKYC erledigt das in 10 bis 15 Minuten und es kann nur besser werden!

Nächste Schritte:

  1. Erfahren Sie mehr zu Know-Your-Customer-Prüfungen und unserem Due-Diligence-Tool Nexis Diligence™.
  2. Überprüfen Sie große Kontaktlisten automatisiert und beobachten Sie Ihre Geschäftspartner mit BatchNameCheck fortlaufend.

Quellen:

1 smartKYC, smartkyc.com

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