Werden Bestechung und Korruption zu einem Problem für Joint Ventures während der Corona-Krise?

Chris Schneider, LexisNexis

Die COVID-19-Pandemie ist weit mehr als eine Gesundheitskrise. Ihre Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft werden noch lange nachhallen.

Das unsichere wirtschaftliche Umfeld zwingt Unternehmen dazu, schnell und mit begrenztem Wissen Entscheidungen zu treffen, um die Auswirkungen der Situation möglichst zu mildern. Viele Mitarbeiter stehen unter immensem Druck, Ihre definierten Ziele zu erreichen, während sie unter ungewohnten Umständen arbeiten. Eine mögliche Folge ist, dass Organisationen und Personen durch die außergewöhnlichen Umstände untypische Arbeitsmethoden benutzen, um die Arbeit zu erledigen.

„Obwohl sich die unmittelbaren Bedenken des Coronavirus auf die Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter beziehen, könnte der Ausbruch des Virus - und die Unterbrechung der Geschäftstätigkeit - das Risiko von Bestechung und Korruption erhöhen“, schreibt Rebecca Rohr, Vizepräsidentin für Korruptionsbekämpfung und Welthandel im Ethics & Compliance Office von Hewlett Packard Enterprise.

Unternehmen müssen sich darüber im Klaren sein, dass die Einhaltung von Regeln und Vorschriften – wie Antibestechungs- und Korruptionsprogramme – trotz dieser nie dagewesenen Situation rigoros bleiben muss. Während Unternehmen in der Lage sein mögen, in ihrem eigenen Geschäft eine ausreichende Aufsicht auszuüben, gilt dies auch für Joint-Venture-Partner.

Compliance-Teams sollten unter den aktuellen Umständen in Erwägung ziehen, ihre Prozesse zur Due-Diligence-Prüfung zu erweitern, um auch bei Joint-Venture-Partnern die Richtlinien zur Bestechungs- und Korruptionsprävention einzuhalten.

Die Krise darf nicht als Ausrede gelten.

Wenn ein Joint-Venture-Partner unethisch handelt, kann sein Partner haftbar gemacht werden. Krisen und Störungen sind keine Entschuldigung, und die finanziellen und rufschädigenden Strafen können schwerwiegend sein.

In unsicheren Zeiten wie diesen würden die Regulierungsbehörden argumentieren, dass gerade jetzt die Stärkung der laufenden Due Diligence Priorität haben sollte. Rebecca Rohr stellt weiter fest: „Wenn Strafverfolgungsbehörden oder Regulierungsbehörden nach dem Ausbruch des Coronavirus Bestechung oder Korruption entdecken, werden sie mit Sicherheit keine Coronavirus-Ausnahme machen“.

Daten bieten aktuelle Einblicke in Compliance-Risiken

Zur Aktualisierung ihrer Joint-Venture-Prüfungen sollten Compliance-Teams Datenquellen nutzen, die sie auf wichtige Neuigkeiten des Partners aufmerksam machen. Eine der wertvollsten ist die Berichterstattung in den Medien. Der heutige 24/7-Medienkreislauf bedeutet, dass die neuesten Informationen schnell an die Öffentlichkeit gelangen – vor allem, wenn es sich um einen skandalösen Aspekt handelt. Eilmeldungen können einen sofortigen Echtzeit-Kontext zu den Aktivitäten und dem Risikoprofil eines Partners liefern.

Die aktive Suche nach Negativmeldungen oder entsprechende E-Mail-Alerts können schnell auf Probleme mit dem Joint-Venture-Partner hinweisen. Allgemeine Nachrichten über die Organisation zu beobachten, führt zu Einblicken darüber, wie der Partner mit der Gesamtsituation zurechtkommt. Dabei kann festgestellt werden, ob es neue Risiken wie Entlassungen von Mitarbeitern, Probleme in der Versorgungskette oder eine mögliche Insolvenz gibt, die sich negativ auf die Leistung des Joint Ventures auswirken könnten.

Weitere wichtige Bereiche der Due Diligence für Joint Ventures sind

  • Suche nach politisch exponierten Personen: In Krisenzeiten kann es zu einer hohen Fluktuation in der Regierung und im öffentlichen Dienst kommen, und ehemals risikoarmes Partnerpersonal kann seinen Status ändern.
  • Hintergrundrecherchen zu wichtigen Mitarbeitern: In turbulenten Zeiten kann es passieren, dass offene Positionen zu überstürzt besetzt werden. Es ist wichtig, dass alle neuen Mitglieder überprüft werden, um sicherzustellen, dass sie keine neuen Risiken mit sich bringen.

Die Identifizierung von Bestechungs- und Korruptionsrisiken und die kontinuierliche Überwachung von Änderungen beim Partner ist wichtig, wenn ein Unternehmen ein Joint Venture eingeht. Aber in disruptiven Zeiten ist es noch wichtiger, das Unternehmen zu schützen und sich weiterentwickelnde Risiken zu beobachten. Die Nutzung der richtigen Daten und die Automatisierung von Suchvorgängen kann Compliance-Verantwortlichen helfen, einen Schritt voraus zu sein.

Laden Sie jetzt unsere Checkliste zur Minderung von Korruptions- und Bestechungsrisiken bei Joint Ventures herunter, um mehr über die Schritte zu erfahren, die Ihr Unternehmen zur Risikokontrolle ergreifen können.


Zur Person:

Chris Schneider ist Associated Head of Sales bei der LexisNexis GmbH. Seit über sieben Jahren ist er im Data & Analytics-Umfeld tätig und verfügt über einen großen Erfahrungsschatz hinsichtlich der Betreuung von Compliance-Projekten in der Finanz- und Bankenbranche. Er war bei zahlreichen Corporate-Projekten involviert.

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