Transparency International Korruptionswahrnehmungsindex 2016

Ein Drittel der Menschen in Europa und Zentralasien halten Korruption für eines der größten Probleme

Foto Salvatore Saporito, LexisNexis GmbH

Inhalt:

Ein Bericht1 von Transparency International zeigt, dass ein Drittel der Menschen in Europa und Zentralasien Korruption für eines der größten Probleme halten, dem ihr Land gegenübersteht. Für den Bericht „People and Corruption: Europe and Central Asia" der Nicht-Regierungsorganisation wurden fast 60.000 Personen in 42 Ländern befragt. Dabei kam heraus, dass sich die Bestechungsraten in den einzelnen Ländern stark unterscheiden. Das macht für Unternehmen, die international aktiv sind, erneut die Wichtigkeit eines risikobasierten Due-Diligence-Ansatzes zur Korruptionsprävention deutlich.

Wichtigste Ergebnisse des Transparency International Berichtes

  • Ein Drittel aller Befragten halten Korruption für eines der größten Probleme ihres Landes.
  • 53 % denken, dass ihre Regierung sich nicht genug im Kampf gegen Korruption im öffentlichen Sektor engagiert.
  • Fast ein Drittel der Personen denkt, dass ihre Parlaments- und Regierungsrepräsentanten größtenteils oder in Gänze korrupt sind.
  • Einer von sechs Haushalten hat im vergangenen Jahr eine Bestechungszahlung geleistet, um Zugang zu öffentlichen Diensten zu erhalten.
  • Fast einer von drei Befragten meldet korrupte Handlungen nicht, weil er die Konsequenzen fürchtet.

Deutschland zeichnete sich in der Befragung durch einen geringen Korruptionsgrad aus. Nur 2 % der Deutschen denken, dass Korruption eines der drei größten Probleme ihres Landes ist. 6 % denken, dass die meisten oder alle Parlamentsmitglieder korrupt sind. 3 % der Haushalte, die eine öffentliche Dienstleistung in Anspruch genommen haben, gaben zu, dass sie eine nicht erlaubte Zahlung oder ein Geschenk getätigt haben, um auf die Leistung Einfluss zu nehmen.

Transparency Internationals Korruptionswahrnehmungsindex 2016

Transparency International hat kürzlich auch den Korruptionswahrnehmungsindex 2016 (Corruption Perceptions Index, CPI) veröffentlicht.2 Der Index misst in 176 Ländern die in Wirtschaft, Politik und Verwaltung wahrgenommene Korruption. Dazu werden eine Reihe unterschiedlicher Quellen zusammengefasst, darunter auch die Meinungen von Länder- und Branchenexperten.

Der Transparency International Index zeigt erneut den dringenden Bedarf auf, sich zur Korruptionsprävention zu verpflichten. Das Bewertungssystem reicht von 0 (hohes Maß an wahrgenommener Korruption) bis 100 (keine wahrgenommene Korruption). Mehr als Zwei Drittel der Länder und Regionen, die der Index abdeckt, befinden sich unter 50 Punkten auf dieser Skala mit einem globalen Durchschnitt von 43. Im Vergleich zum Korruptionswahrnehmungsindex 2015 haben sich mehr Länder verschlechtert, als sich verbessert haben.

Mit 81 Punkten ist Deutschland erneut auf Platz 10 der am wenigsten korrupten Länder laut Index. Österreich rutschte im Vergleich zum Vorjahr um einen Platz auf Position 17 ab. Die am besten bewerteten Länder waren Dänemark (90 Punkte), Neuseeland (90), Finnland (89), Schweden (88) und die Schweiz (86). Somalia (10), Südsudan (11), Nordkorea (12), Syrien (13), Libyen (14), Sudan (14) und Jemen (14) wurden am schlechtesten bewertet.

Die zehn Länder mit der höchsten und niedrigsten Korruption

Korruption beeinflusst Wirtschaft der Länder

Transparency International warnt im Rahmen seiner Korruptionsforschung vor dem Zusammenhang von Korruption und sozialer Ungleichheit in einem Land. José Ugaz, Vorsitzender von Transparency International meint, dass Menschen in zu vielen Ländern ihre Grundbedürfnisse nicht erfüllen können und jeden Abend aufgrund von Korruption hungrig zu Bett gehen, während korrupte Machthaber ungestraft einen verschwenderischen Lebensstil genießen. Und auch die UN kam am Anti-Korruptionstag im Dezember 2016 zu dem Ergebnis, dass Korruption die soziale und ökonomische Entwicklung durch alle Gesellschaften hindurch untergraben kann.

Laut Kroll Global Fraud & Risk Report 2016/20174 sind manche Unternehmen so besorgt um die verschiedenen Risiken, die eine Geschäftstätigkeit in unterschiedlichen Ländern mit sich bringen würde, dass viele davon solche Beziehungen mit Hoch-Risiko-Ländern vermeiden würden. So vergeuden manche Unternehmen attraktive Chancen in potenziell lukrativen Märkten. Anstatt Länder pauschal auszuschließen, sollten Unternehmen sich auf ein risikobasiertes Due-Diligence-System verlassen und tiefgehende Due-Diligence-Untersuchungen zu Dritten, von denen ein erwartetes hohes Risiko der Finanzkriminalität ausgeht, durchführen.

Strategische Relevanz eines risikobasierten Due-Diligence-Ansatzes

Die Analysen von Transparency International decken auch auf, dass sich die Bestechungsraten der einzelnen Länder stark unterscheiden. So wird beispielsweise Großbritannien mit einem Bestechungsrisiko von 0 % bewertet, während das Risiko in Tadschikistan mit 50 % bewertet wird. Der Korruptionswahrnehmungsindex liefert Beweise, dass Länder ökonomische Vorteile erlangen können, wenn sie erfolgreich Bestechung und Korruption bekämpfen. Denn die Länder, die den Index mit der geringsten wahrgenommenen Korruption anführen, agieren auch weltweit am wirtschaftlichsten. Singapur beispielsweise ist das einzige Land beziehungsweise Gebiet in Asien, das es mit 84 Punkten an siebter Stelle in die TOP 10 des CPI 2016 schaffte. Ein Bericht aus 2016 zeigte, dass Singapurs strenge Haltung gegen Korruption im privaten und öffentlichen Sektor dem Land einen signifikanten Wettbewerbsvorsprung gegenüber seinen Nachbarn verschafft hat.3

Index warnt vor Korruption auf allen Ebenen

Laut Transparency International tendieren die Länder am unteren Ende des Indexes zu unehrlichen und schlecht funktionierenden öffentlichen Institutionen, wozu auch die Polizei und die Justiz gezählt werden. Und selbst wenn Anti-Korruptionsgesetze existieren, werden diese oft ignoriert.

Länder, die im Index gut abschneiden, zeichnen sich hingegen meist durch eine stärkere Pressefreiheit, Zugang zu Informationen über öffentliche Ausgaben, stärkere Integritätsstandards für Beamte und unabhängige juristische Systeme aus. Dennoch zeigt der Bericht auf, dass die positiv bewerteten Länder nicht immun sind gegen Geschäfte hinter verschlossenen Türen, Interessenskonflikte, illegale Geldgeschäfte oder lasche Strafverfolgung. Die Botschaft ist klar: Selbst in Ländern mit strengem Vorgehen gegen Korruption ist kein Spielraum für Nachlässigkeit im Kampf gegen Bestechung und Korruption.

82 % der Manager kennen Betrugsfälle

Der Kroll Global Fraud & Risk Report 2016/2017kommt ebenfalls zu dem Ergebnis, dass Betrug auf dem Vormarsch ist. 82 % der befragten erfahrenen Manager gaben an, dass sie innerhalb des letzten Jahres einen Fall von Betrug erlebt hätten – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zum Vorjahr, in dem „nur" 75 % dieser Meinung waren. Der Bericht basiert auf einer Umfrage unter 545 Führungskräften aus Europa, der Asien-Pazifik-Region, Nordamerika, dem Mittleren Osten, Afrika und Lateinamerika in unterschiedlichen Branchen wie Finanzdienstleistungen, Technologie, Konstruktion, Einzelhandel, Gesundheitswesen und Pharma.

Der Bericht zeigt, dass Unternehmen in jeder Branche und jedem Land einem realen und steigenden Betrugsrisiko gegenüberstehen. Die am stärksten betroffenen Branchen sind das produzierende Gewerbe sowie der Finanzdienstleistungssektor mit 89 %, gefolgt von Konstruktion und Infrastruktur mit 70 %.

Unternehmen müssen Ihren Beitrag zur Korruptionsprävention leisten

Es wird deutlich, dass Due Diligence und Integrität eine hohe Priorität in jedem Unternehmen, das sein Geschäft in neue Märkte mit höheren Bestechungsrisiken expandieren will, einnehmen sollte. Unternehmen sollten dabei einen risikobasierten Due-Diligence-Ansatz in Erwägung ziehen, um den Risikograd der beteiligten dritten Parteien zu identifizieren. Ein Dritter mit geringem Risiko benötigt gegebenenfalls nur eine minimale Überprüfung, während ein Partnerunternehmen, das in einem Land oder einer Branche mit dem Ruf eines hohen Bestechungsrisikos aktiv ist, entsprechend strikt überprüft werden muss. Dabei sollten Unternehmens- und Personennamen geprüft werden mittels:

  • Sanktionslisten
  • Watchlisten
  • Negative News
  • Firmenquellen
  • Vergangener Gerichtsverfahren
  • Listen mit politisch exponierten Personen (PEP)

Dazu gehört auch ein tiefgehender Due-Diligence-Report, der Ihre Überprüfungen nachweist.

Der Bericht „People and Corruption"1 von Transparency International zeigt auch, dass es nicht auf der Hand liegt, mit welchem Risikograd ein Land bewertet wird. Unternehmen könnten möglicherweise annehmen, dass alle EU-Mitgliedsstaaten eine geringe Bestechungsrate vorweisen können. Jedoch gibt es innerhalb der EU große Unterschiede. So findet sich in Frankreich eine Bestechungsrate von 2 %, in Rumänien hingegen liegt sie bei 29 %.

Der Bericht von Kroll zeigt, dass Führungskräfte internationaler Unternehmen 2016 mehr Betrugsfälle jeglicher Art gemeldet haben, als 2015. Fälle von Geldwäsche waren dabei fast vier Mal häufiger vertreten, als noch im Vorjahr; 15 % meldeten 2016 solche Fälle, verglichen mit 4 % 2015. Die Bestechungs- und Korruptionsrate stieg von 11 auf 15 % und 21 % der Befragten gaben Compliance- oder Gesetzesverstöße an. Bestechungsfälle in Lieferketten durch Lieferanten- oder Beschaffungsbetrug wurden von 26 % gemeldet, verglichen mit 17 % in 2015.

Weitreichende negative Folgen durch Betrug

Der Kroll-Bericht bietet auch Einblicke in die negativen Folgen, die Unternehmen durch Betrugsfälle treffen können. 57 % der befragten Führungskräfte schätzten, dass Betrugsfälle einen Verlust von 1 bis 3 % des Jahresumsatzes verursacht hätten. Hinzu kämen negative Auswirkungen auf den regulären Fortlauf der Geschäftstätigkeit. Allerdings sind die Kosten nicht nur ökonomischer Natur: 78 % gaben an, dass Betrugsfälle stark beziehungsweise auf gewisse Art die Mitarbeitermoral geschädigt hätten, 73 % vermuten Auswirkungen auf die Kundenmoral und 71 % auf die Unternehmensreputation.

Whistleblower müssen geschützt werden

Der Bericht von Transparency International zeigte eine verbreitete Skepsis über die Effektivität von Antikorruptionsmaßnahmen. 27 % der Befragten sind der Meinung, dass es keine effektiven Maßnahmen gäbe, um Korruption zu bekämpfen. 30 % sagten, dass Menschen Vorfälle nicht melden, da sie Angst vor den Konsequenzen hätten. Die einzelnen Länder hatten unterschiedliche Ansichten darüber, ob es gesellschaftlich akzeptabel sei, Korruptionsverstöße zu melden. 74 % der Befragten in Frankreich sind der Meinung, es sei akzeptabel, Verstöße zu melden, verglichen mit 10-17 % in Russland, der Ukraine, Weißrussland und Kroatien. Damit die Menschen sich mit dem Gedanken anfreunden, Korruptionsverstöße zu melden, hebt Transparency International die Wichtigkeit des Schutzes von Whistleblowern und neuer Regeln für Lobbyismus hervor. Dazu gehört auch eine klare Bekenntnis von allen Regierungsebenen, des privaten Sektors und der Zivilgesellschaft.

Was ihr Unternehmen tun kann

Der Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International ist ein weltweit anerkanntes Werkzeug, um Korruption zu messen. Es wird von vielen Unternehmen eingesetzt, um die strategischen Risiken zu verstehen, die mit dem Eintritt in einen neuen Markt verbunden sind. Wenn Unternehmen in Erwägung ziehen, Geschäftsbeziehungen in Ländern, die schlecht auf dem Index bewertet wurden, aufzubauen, sollten sie mit einem entsprechend verschärften Blick Ihre risikobasierten Due-Diligence-Prüfung durchführen.

Im Rahmen des Kroll-Reports gaben abhängig von der jeweiligen Lösung zwischen 77 und 82 % der Befragten an, bereits Maßnahmen zur Betrugsprävention im Einsatz zu haben. Das bedeutet aber auch, dass bis zu 23 % nicht ausreichend geschützt sind. Diese Unternehmen sind ernsthaften finanziellen, juristischen und Reputationsrisiken ausgesetzt. Stellen Sie sicher, dass Sie nicht dazu zählen:

  • Implementieren Sie einen robusten, risikobasierten Due-Diligence-Ansatz mit einer strengeren Überprüfung von Dritten, die in Ländern und Branchen mit einem hohen Korruptions- und Bestechungsrisiko aktiv sind. So können Sie aktiv möglichen Korruptionsaffären vorbeugen.
  • Bleiben Sie bezüglich Regierungssanktionen, Watchlisten und Listen politisch exponierter Personen auf dem Laufenden, um das Risiko zu reduzieren, mit unethisch agierenden Parteien Geschäfte zu machen.
  • Nutzen Sie tiefgehende Branchen- und Länderanalysen, um potenzielle Risiken der Bestechung, Zwangsarbeit und weiterer Bereiche der Finanzkriminalität evaluieren zu können.
  • Überprüfen Sie historische Gerichtsverfahren oder Firmenquellen und verfolgen Sie negativ behaftete Nachrichten (Negative News), um besser über Reputationsschäden durch Bestechung und Korruption informiert zu sein.

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Zur Person

Salvatore Saporito ist Business Development Manager Risk & Compliance und seit 2003 bei der LexisNexis GmbH. Er studierte an der Universität zu Köln Wirtschaftswissenschaften (Betriebswirtschaftslehre) mit dem Abschluss Diplom-Kaufmann. Er ist Mitglied im Deutschen Institut für Compliance (DICO), im österreichischen Compliance Praxis Netzwerk sowie im American Chamber of Commerce. Salvatore Saporito ist regelmäßig Referent zum Thema Geschäftspartnerüberprüfung.


1 Transparency International, 16.11.2016, People and Corruption: Europe and Central Asia 2016
2 Corruption Perception Index 2016, transparency.org, 25.01.2017
3 Country Focus: Singapore – Anti-Corruption Compliance and Corporate Practices, ethixbase.com
4 Global Frau & Risk Report 2016/2017, kroll.com

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