Unsportlich: Im Jahr der Europameisterschaft steigen Korruptions- und Bestechungsrisiken

Foto Salvatore Saporito, LexisNexis GmbH

Der Anstoß der Fußball-Europameisterschaft erfolgte letzten Freitag in Frankreich. Später in diesem Sommer werden sich die Augen der Welt auch noch auf die olympischen Spiele in Brasilien richten. Solche großen Sportveranstaltungen sprechen ein großes Publikum an und sind für die Ausrichter sehr lukrativ. Der Fußballverband FIFA machte während der letzten Weltmeisterschaft 1,6 Milliarden Euro Gewinn. Die Olympiade in London wurde 2012 von etwa 3,6 Milliarden Menschen im Fernsehen verfolgt.

Es ist also nicht überraschend, dass Unternehmen solche Veranstaltungen nutzen, um Ihren Bekanntheitsgrad durch Sponsoring, Werbung oder verschenkte Eintrittskarten für Kunden zu steigern. Leider nutzen manche Firmen die Gelegenheit aus, um potenzielle Kunden, politisch exponierte Personen (PEPs) oder andere Einzelpersonen zu bestechen.

Einladungen können zulässig sein

In vielen Ländern sind Einladungen zu Sportveranstaltungen mit kostenfreien Tickets rechtlich zulässig, solange Unternehmen den Termin nutzen, um über ihre Produkte oder Dienstleistungen zu informieren oder die Beziehung zum Kunden zu stärken. Es ist jedoch in illegal, diese Einladungen als Bestechungsmittel zu nutzen.

Bei vergangenen Sportveranstaltungen kam es immer wieder vor, dass Unternehmen angeklagt wurden, weil sie mit ihren verschenkten Eintrittskarten zu weit gegangen sind. Ein besonders prominenter Fall betraf BHP Billiton, den weltgrößten Rohstoffkonzern. Die Firma zahlte eine Strafe von 25 Millionen US-Dollar, da sie Regierungsbeamte zur Olympiade 2008 unrechtmäßig bewirtet hatte.

Die Höhe der Strafzahlung und der Reputationsschaden für das australische Unternehmen machen deutlich, wie wichtig es für Unternehmen ist, den schmalen Grat zwischen Gastfreundschaft und Bestechung nicht zu verfehlen.

Bestechung während des Bieterprozesses

Die Beliebtheit und der Erfolg sportlicher Großereignisse verleiten manche Länder dazu, den Bieterprozess durch Bestechung zu beeinflussen, um zum Beispiel die Olympischen Spiele oder eine Fußball-Meisterschaft ausrichten zu dürfen. Das gilt insbesondere für reiche „Außenseiter-Nationen" wie den Mittleren Osten oder Afrika.

Zwei Beispiele:

US-Ermittler haben den südafrikanischen Fußballverband angeklagt, FIFA-Funktionäre mit 10 Millionen US-Dollar bestochen zu haben, um die Weltmeisterschaft 2010 ausrichten zu dürfen. Der Südafrikanische Fußballverband besteht währenddessen darauf, dass es sich um eine rechtmäßige Spende handelte.

Das US-Justizministerium beschuldigte die Leiter der Bewerbung von Salt Lake City, Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) bestochen zu haben, um 2002 die Winter-Olympiade auszurichten. Das Bieterteam für Salt Lake City wurde freigesprochen. Aber mehrere Mitglieder wurden des Internationalen Olympischen Komitees verwiesen und es wurden neue Regeln festgelegt.

Bedenken über Arbeitsrechte im Rahmen der Stadionbauten

Bestechung ist nicht die einzige Art von Wirtschaftskriminalität, welche dem Sport in den letzten Jahren zugesetzt hat. Fußballvorstände befassen sich aktuell mit dem Vorwurf der Verletzung von Menschenrechten im Rahmen der Vorbereitungen für die Weltmeisterschaft in Qatar 2022.

Vergangenen Monat las man in einem Report von Amnesty International, dass die Stadien in Qatar „auf dem Missbrauch von Menschenrechten gebaut werden". Und es ist sogar von Menschenhandel die Rede.1

Die Menschenrechtsorganisation interviewte 132 Stadionarbeiter, die momentan das Khalifa International Stadium in Doha ausbauen. Dabei kam heraus, dass einige beteiligte Unternehmen die Pässe der Arbeiter konfisziert hatten, Gehaltszahlungen bewusst verzögerten und Arbeiter einschüchtern. Der malaysische Bauriese Eversendai trat dabei besonders ins Visier der Untersuchungen, bestritt aber alle Anschuldigungen.

Korruption im Sport färbt auf Sponsoren-Image ab

Einige der größten multinationalen Firmen sponsern die Weltmeisterschaft und sie wären sicherlich besorgt, ihr Logo in Stadien zu platzieren, welche offensichtlich unter unethischen Arbeitsbedingungen errichtet wurden. Coca-Cola und Visa haben entsprechende Bedenken bereits letztes Jahr geäußert. Denn dies ist nicht die Art von PR, die sie sich von ihrer Investition in die Weltmeisterschaft erhofft haben.

Panama Papers und Geldwäscheprävention

Die Panama Papers verschonten auch den Sport nicht. Das Datenleck mit 11,5 Millionen Dokumenten der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca brachte zum Vorschein, welche Wege Unternehmen einschlagen, um den Besitz anderer Firmen oder Vermögenbestände zu verschleiern. Es geht um die Identifizierung des wirtschaftlich Berechtigten. Das ist per se nicht illegal, kann aber genutzt werden, um unrechtmäßig erworbene Gelder und Besitztümer zu verstecken, Steuern zu hinterziehen oder Geschäfte und Bestechungsfälle zu verstecken.

Die Dokumente legten offen, dass Funktionäre des Costa Rica National Olympic Comittee Mossack Fonseca beauftragt hatten, ihnen Kontrolle über Besitztümer zu verschaffen, die früher einem Anführer eines mexikanischen Drogenkartells gehörten.

Stars und Führungskräfte aus dem Sport waren unter den Personen mit Offshore-Bankkonten und -Investitionen, die durch die Panama Papers veröffentlicht wurden. Darunter auch Lionel Messi, der vielleicht weltbeste Fußballspieler. Seine Familie stritt kürzlich die Anschuldigungen ab, der Fußballer nutze eine Briefkastenfirma im Ausland, um Steuern zu sparen und Geld zu waschen.

Internationales Vorgehen nötig

Es gibt bereits Bemühungen einzelner Länder, die kriminellen Machenschaften versteckter wirtschaftlich Berechtigter aufzudecken. Dennoch macht das Ausmaß des Panama Paper Datenlecks deutlich, wie wichtig es ist, dass Länder zusammen arbeiten, um mit einer globale Struktur für mehr Transparenz um wirtschaftlich Berechtigte von Unternehmen zu sorgen. Es gibt bereits einige positive Signale: Die G20 Staaten haben sich 2014 auf strengere Richtlinien für wirtschaftlich Berechtigte geeinigt und die Weltbank zog letztes Jahr nach.

Den wirtschaftlich Berechtigten eines Unternehmens zu identifizieren ist so gut wie unmöglich. Compliance Professionals sollten deshalb dafür sorgen, dass ihre potenziellen Kunden und Partner vertraglich dazu verpflichtet werden, diese Information anzugeben. Sie können die Namen der Personen dann gegen Sanktions- und Watchlisten, negative behaftete Nachrichten (Negative News) und Rechtsfälle prüfen sowie die unternehmerischen und politischen Verbindungen untersuchen.

Organisationen, die in Sportveranstaltungen involviert sind, sei es als Sponsor, Gastgeber oder Ausrichter, müssen also härter daran arbeiten, Verbindungen zu Finanzkriminalität und andere Arten von Korruption zu vermeiden.

Durch die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich und die Olympischen Spiele in Rio wird der Sport die Schlagzeilen in den nächsten Monaten wieder einmal dominieren. Die FIFA und Sponsoren-Unternehmen müssen sich auf Compliance und Transparenz fokussieren, um sicherzustellen, dass diese Schlagzeilen nicht von den falschen Themen getrieben werden.

Damit auch Sie Ihre Unternehmensreputation nicht gefährden, sollten Due-Diligence-Prüfungen fest in Ihre Unternehmensabläufe integriert sein.


Zur Person

Salvatore Saporito ist Business Development Manager Risk & Compliance und seit 2003 bei der LexisNexis GmbH. Er studierte an der Universität zu Köln Wirtschaftswissenschaften (Betriebswirtschaftslehre) mit dem Abschluss Diplom-Kaufmann. Er ist Mitglied im Deutschen Institut für Compliance (DICO), im österreichischen Compliance Praxis Netzwerk sowie im American Chamber of Commerce. Salvatore Saporito ist regelmäßig Referent zum Thema Geschäftspartnerüberprüfung.


Amnesty International Report

Diesen Blog-Beitrag teilen:


Melden Sie sich zum zweimonatlich erscheinenden LexisNexis Newsletter an.