Was uns der Korruptionsfall der Lotte Group über Geschäftsrisiken lehrt

Korrupte Unternehmensvorstände im Visier

Foto Salvatore Saporito, LexisNexis GmbH

Nichts führt uns das öffentliche und persönliche Wagnis von Korruption auf höchster Ebene eindringlicher vor Augen als Fotos eines milliardenschweren Vorsitzenden eines Firmenkonglomerats, der in Handschellen zu einem Gefangenentransport geführt wird. Oder beinahe nichts. Aufnahmen seines 95-jährigen Vaters, des Konzerngründers, der zwei Monate zuvor das Gericht im Rollstuhl verließ, nachdem er zu vier Jahren Haft verurteilt worden war, lieferten noch stärkere Eindrücke über die Folgen eines aufgedeckten Korruptionsfalls. Das Korruptionsrisiko stand im Mittelpunkt und das Urteil im Fall Lotte zeigt, wie gefährlich es sein kann, Auflagen gegen Bestechung und Korruption nicht zu beachten.

Korrupte Unternehmensvorstände vor Gericht

In den letzten Wochen traten in Südkorea wahrlich bedenkliche Ereignisse zu Tage, darunter Anklagen wegen Veruntreuung, Pflichtverletzung und Bestechung gegen die Vorsitzenden der Lotte Group, dem fünftgrößten der „Chaebol“ genannten familiengeführten Konglomerate, denen Südkorea seinen Aufstieg zur elftgrößten Wirtschaft der Welt verdankt. Die Lotte Group wurde 1948 von Shin Kyuk-ho in Tokio gegründet und ist in Südkorea, Japan, China, den Vereinigten Staaten, Großbritannien und vielen anderen Ländern in den unterschiedlichsten Branchen vertreten, darunter Süßwaren, Getränke, Hotels, Einzelhandel, Finanzdienstleistungen, Chemie, Elektronik, IT, Bau, Verlagswesen und Unterhaltung.

Seit Sommer 2016 ermittelten südkoreanische Staatsanwälte bereits gegen die Gruppe, nachdem sich beide Söhne des Firmengründers einen erbitterten und öffentlich ausgetragenen Streit um die Unternehmensführung geliefert hatten und sich gegenseitig der Misswirtschaft und Manipulation des Vaters bezichtigten. Am 13. Februar wurde der Sieger dieser Auseinandersetzung, der 63-jährige Shin Dong-bin, zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Grund dafür war eine Zahlung der Lotte Group in Höhe von 7 Milliarden Won (circa 6,5 Millionen US-Dollar) an eine frühere Vertraute von Südkoreas Staatspräsidentin Park-Geun-hye im Austausch für eine bevorzugte Behandlung durch die Regierung bei der Beschaffung einer Betriebslizenz für Duty-Free-Läden. Am gleichen Tag wurden die präsidiale Vertraute und eine von Parks früheren hochrangigen Mitarbeiterinnen zu 20 beziehungsweise sechs Jahren Haft verurteilt.

Shin Kyuk-hos wurde am 22. Dezember 2017 für schuldig befunden, zugunsten seiner Angehörigen mindestens 128 Milliarden Won (circa 119 Millionen US-Dollar) veruntreut zu haben. Aufgrund seines Gesundheitszustands sah das Gericht jedoch während des schwebenden Berufungsverfahrens von seiner Inhaftierung ab.

Korruption führt zu sinkenden Aktienkursen

Während das Mutterunternehmen von Lotte die Vorstände seiner Tochterunternehmen dazu aufrief, den „normalen Betrieb“ fortzuführen, werden weitreichende Auswirkungen aufgrund dieser Ereignisse erwartet. Die Führungsriege der Gruppe taumelte derweil in große Unsicherheit. Als am 23. Februar bekannt wurde, dass Shin Dong-bin zwar seine Funktion als stellvertretender Vorsitzender einer bedeutenden japanischen Holdinggesellschaft behalten, aufgrund der japanischen Gesetzeslage jedoch seine repräsentativen Rechte einbüßen würde, fielen die Aktienkurse von Niederlassungen der Lotte Group um bis zu sieben Prozent.

Lotte hatte Pläne für den Börsengang seiner Hotelsparte erneut in Umlauf gebracht. Bloomberg-Berichten1 zufolge hatte ein Vertreter des wichtigsten Segmentes der Lotte Group unmittelbar nach dem Urteilsspruch vom 13. Februar geäußert: „Wir respektieren den Urteilsspruch des Gerichts, doch ist dieses Ergebnis sehr bedauernswert. Wir befürchten, dass dies negative Auswirkungen haben könnte auf die bevorstehende Börseneinführung von Hotel Lotte, den Abschluss des Holdingunternehmens sowie auf das Investitions- und Beschäftigungsniveau.“

Für die Angestellten von Lotte war Shin Dong-bins Verhaftung ein Schock. Gerade hatten die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang begonnen und sollte sich der Vorsitzende in ein nahegelegenes Resort im Firmenbesitz begeben, als das Gericht seinen Urteilsspruch fällte. Im Vorfeld der Spiele hatte Shin Dong-bin, der zu der Zeit außerdem der Leiter des Koreanischen Skiverbands war, als einziges namhaftes Chaebol-Oberhaupt überhaupt die olympische Fackel auf ihrem Parcours ein Stück weit getragen.

Das Schicksal von Lotte hat bestimmt nicht zur Verbesserung der südkoreanischen Platzierung im Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International beigetragen. Im Jahr 2017 belegte Südkorea mit 54 von möglichen 100 Punkten den 51. Platz unter den 180 im Index berücksichtigten Ländern. Im Vergleich dazu errangen andere Staaten des asiatisch-pazifischen Raums wie beispielsweise Neuseeland 89 Punkte (und damit den weltweit ersten Platz), Singapur 84, Australien 77 und Japan 73.

Dieser Fall unterstreicht erneut die Wichtigkeit des Tone From the Top, also der Einstellung und Kommunikation hochrangiger Vorstandsmitglieder, um ihre Angestellten zu inspirieren und ihnen einzuprägen, welche Bedeutung der Befolgung gesetzlicher Bestimmungen und ethischer Geschäftspraktiken zukommt. Die Auswirkungen eines besudelten Rufs auf die Stimmung der Mitarbeiter eines Unternehmens sowie auf dessen Ansehen bei Anteilseignern und Konsumenten sollten niemals unterschätzt werden.

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Quellen

1 Korean Tycoon Jailed in Bribery Case That Toppled a President, Bloomberg, 18.02.2018


Zur Person

Salvatore Saporito ist Teamleiter Europa Risk & Compliance und seit 2003 bei der LexisNexis GmbH. Er studierte an der Universität zu Köln Wirtschaftswissenschaften (Betriebswirtschaftslehre) mit dem Abschluss Diplom-Kaufmann. Er ist Mitglied im Deutschen Institut für Compliance (DICO), dem Berufsverband der Compliance Manager (BCM), in der DGI Fachgruppe Compliance sowie im österreichischen Compliance Praxis Netzwerk. Salvatore Saporito ist regelmäßig Referent zum Thema Geschäftspartnerüberprüfung.

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