Korruptionsrisiken im Sport: Was Unternehmen dagegen tun können

Foto Salvatore Saporito, LexisNexis GmbH

Nichts sorgt so verlässlich für Kontroversen wie eine weltweite Sportveranstaltung. Und da die südkoreanischen Winterspiele vor der Tür stehen – oder besser vor der Tür mit Skifahren, Schlittschuhlaufen und Rodeln zugange sind – sollten wir uns einmal ansehen, wie es in diesem Zusammenhang um Bestechung, Korruption und Menschenrechte steht; und welchen Risiken sich die Sponsoren zu stellen haben.

Zunächst einmal weist in Pyeongchang 2018 nichts auf mutmaßlichen Stimmenkauf hin, der die Wahl zahlreicher anderer Gastgeberstädte der letzten Jahre überschattete (Salt Lake City 2002, Rio 2016, Tokio 2020). Derartige Anschuldigungen, ob nachgewiesen oder nicht, haben die bedeutende Marke der Olympischen Spiele merklich in Mitleidenschaft gezogen und Zweifel an den internen Abläufen und verborgenen Finanzen des Organisationskomitees geweckt.

Selbstverständlich handelt es sich dabei nicht um das einzige sportliche Großereignis, das in zweifelhaftem Ruf steht. Der Weltfußballverband FIFA steht seit jenem Tag im Jahr 2011 in der Kritik, als die Wahl für den Austragungsort der Fußballweltmeisterschaft 2022 auf Katar fiel. Und nun behauptet ein neues, auf Insiderwissen basierendes Buch neben anderen Anschuldigungen von Korruption und politischer Manipulation, dass das katarische Staatsfernsehen eingewilligt habe, der FIFA 100 Millionen Britische Pfund zu bezahlen, sofern Katar mit der Austragung des Wettbewerbs belohnt würde.

Pyeongchang 2018 scheint bei der Durchführung größerer Sportveranstaltungen zahlreiche Hochrisikofelder hinsichtlich Korruption und unethischem Gebaren vermieden zu haben. Darunter Bestechung bei der Errichtung von Sportstätten beziehungsweise der Vergabe von Vermarktungsverträgen, Zwangsarbeit beim Bau von Tagungsorten und Hotels, sexuelle Ausbeutung und andere Formen moderner Sklaverei, die mitunter mit Veranstaltungen in Verbindung gebracht werden, die zahlreiche Touristen anlocken.

Was die Errichtung derartiger Stätten anbelangt, hat Südkorea erstaunliche Effizienz an den Tag gelegt, und das ganz ohne Menschenrechtsverletzungen, die Katar 2022 zusätzlich in schlechtem Licht erscheinen lassen.

Human Rights Watch, der Internationale Gewerkschaftsbund und Amnesty International gehören zu jenen, die auf die sklavenhalterische Ausbeutung hilfloser Wanderarbeiter hingewiesen haben, die insbesondere aus Nepal herangeschafft werden, um die Infrastruktur der Weltmeisterschaft in Katar aufzubauen.

Was die Menschenrechte anbelangt, so kam Pyeongchang 2018 ganz ohne kontroverse städtische Zwangsräumungen oder Umsiedelungen aus, die im Vorfeld von Peking 2008, Rio 2016 und Südafrikas Weltmeisterschaft 2010 in Kapstadt zu beobachten waren.

Beim Naturschutz bestand der einzige Wermutstropfen darin, dass Umweltschutzgruppen den Kahlschlag eines Bergwaldes bemängelten, der dem Jeongseon Alpine Centre weichen musste. Laut Funktionärsaussagen sollen dort nach den Spielen jedoch wieder Bäume gepflanzt werden.

Eine nicht unbedeutende und heikle Angelegenheit, die sich in Südkorea jedoch nicht unter den Teppich kehren lässt, ist der russische Dopingskandal. Obwohl die russische Mannschaft ausgeschlossen wurde, dürfen einige russische Athleten unter neutraler Flagge und in neutralen Anzügen antreten. Sollte einer von ihnen eine Goldmedaille erringen, ertönt am Treppchen nicht die Russische Nationalhymne, sondern die Olympische Hymne. Der Ausschluss erfolgte, nachdem sich Grigori Rodtschenkow, der frühere Direktor eines diskreditierten Moskauer Anti-Doping-Labors, im Jahr 2016 in die USA absetzte und die staatlich gelenkten Machenschaften öffentlich machte, in deren Rahmen Athleten dazu gezwungen worden waren, bei ihren Vorbereitungen auf die Spiele im russischen Sotschi 2014 leistungssteigernde Medikamente einzunehmen.

Die gesamte russische Abordnung für Sotschi wurde disqualifiziert und büßte ihre 13 errungenen Medaillen ein. Zudem wurden 43 russische Athleten von zukünftigen Wettbewerben und kürzlich weitere 11 Sportler ausgeschlossen, nachdem alle während der Spiele von Sotschi genommenen Proben russischer Sportler aufgrund der Hinweise durch Rodtschenkow erneut überprüft worden waren.

Nicht weniger dramatisch ist die Angelegenheit in Nordkorea. Zahlreiche Staaten haben Sicherheitsbedenken zum Ausdruck gebracht aufgrund des Aufenthalts ihrer Athleten in Südkorea, der spannungsgeladenen entmilitarisierten Zone am Übergang vom Norden in den Süden sowie angesichts eines „Führers“, dessen Schrullen von amerikanischem Basketball und Computerspielen bis hin zum Test von Nuklearwaffen und Abschüssen ballistischer Raketen reichen.

Die Annahme, dass die Teilnahme nordkoreanischer Athleten zur Sicherheit der Spiele beitrüge, führte vor wenigen Wochen zu Regierungsgesprächen der beiden Länder und letztendlich zur Entscheidung, dass die Mannschaften Nord- und Südkoreas gemeinsam an der Eröffnungszeremonie in Pyeongchang teilnehmen und unter einer koreanischen Einheitsflagge marschieren sollen. Darüber hinaus ist vorgesehen, dass die Eishockey-Frauenmannschaften beider Länder ein gemeinsames Team bilden.

Sollte sich diese Maßnahme als Brückenschlag herausstellen, wird Pyeongchang 2018 als geopolitisches Pendant eines Dreifachsaltos mit drei Schrauben auf Skiern in die Geschichte eingehen.

Unternehmerischer Griff nach Gold bei der Risikominimierung

Unternehmen müssen in der Lage sein, das eigene Expositionsrisiko zu minimieren, wenn sie den Geist eines beliebigen Sportgroßereignisses durch das Sponsoring von Athleten beziehungsweise der gesamten Veranstaltung oder durch die Miterrichtung der Infrastruktur für sich nutzen möchten.

LexisNexis verfügt über die globalen Inhalte und Technologien, die nötig sind, um Unternehmen zu souveränen Entscheidungen zu verhelfen, indem sie sich potenzieller Probleme bewusst sind und über negative Entwicklungen auf dem Laufenden bleiben.

Denn Unternehmen laufen Gefahr, sich unterschiedlichsten Risiken auszusetzen, insbesondere bezüglich:

  1. Reputation: Auch durch Mittäterschaft machen sich Unternehmen haftbar. Skandale können zu massiven Einbußen der Reputation führen, wie beispielsweise das Aufdecken von Zwangsarbeit bei der Errichtung von Infrastruktur oder an irgendeinem Punkt innerhalb der Lieferkette von Materialien.
  2. Compliance: Internationale Gesetze gegen Bestechung, Korruption, Geldwäsche und moderne Sklaverei müssen befolgt werden.
  3. Finanzen: Ein Reputationsverlust hat finanzielle Auswirkungen, die je nach Schwere des Vergehens von Kosten für Öffentlichkeitsarbeit gegen negative Schlagzeilen bis zum Vertrauensverlust von Anteilseignern und Konsumenten reichen können. Zusätzlich führen Compliance-Verstöße womöglich zu Geldbußen, Ausschlüssen von zukünftigen Projekten und ähnlichen Konsequenzen.
  4. Strategie: Kosten aufgrund von Rufschädigung oder finanziellem Aufwand können sich negativ auf die strategischen Wachstumsziele eines Unternehmens auswirken.

Zur Person

Salvatore Saporito ist Teamleiter Europa Risk & Compliance und seit 2003 bei der LexisNexis GmbH. Er studierte an der Universität zu Köln Wirtschaftswissenschaften (Betriebswirtschaftslehre) mit dem Abschluss Diplom-Kaufmann. Er ist Mitglied im Deutschen Institut für Compliance (DICO), dem Berufsverband der Compliance Manager (BCM), in der DGI Fachgruppe Compliance sowie im österreichischen Compliance Praxis Netzwerk. Salvatore Saporito ist regelmäßig Referent zum Thema Geschäftspartnerüberprüfung.

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