Neue, koordinierte Regelungen für Menschenrechts- und Anti-Korruptions-Compliance in Sicht

12 Aug 2021 12:00 am von Thomas Becker

Im vergangenen Herbst haben das Netzwerk Business at OECD (BIAC) und die International Organization of Employers (IOE) einen Leitfaden1 mit dem Titel „Connecting the anti-corruption and human rights agendas: A guide for business and employers' organizations“ veröffentlicht. Welche Folgen kann es für Ihre bestehenden Prozesse zum Risikomanagement haben?

Human Rights and ABC Due Diligence

Einhaltung von Menschenrechten rückt in den Mittelpunkt

Der Leitfaden unterstreicht den allgemeinen Trend zu verstärkter Due Diligence im Kampf gegen Bestechung und Korruption (ABC) sowie gegen Menschenrechtsverletzungen. Im März hat sich das Europäische Parlament auf einen Gesetzes-Vorschlag geeinigt, der europaweit eine verpflichtende Menschenrechts- und Umwelt-Due Diligence vorschreibt. Viele Länder haben außerdem bereits eigene Gesetze für eine verstärkte Due Diligence abgeschlossen. Im Jahr 2017 hat Frankreich beispielsweise ein Gesetz zu Wachsamkeitspflichten von Unternehmen2 verabschiedet und auch die deutsche Regierungskoalition hat sich kürzlich auf ein neues Lieferkettengesetz geeinigt, eine gesetzliche Maßnahme, die auf verbindliche Due Diligence in Bezug auf Menschenrechte3 für Lieferketten deutscher Unternehmen abzielt. Im Juli 2020 hat das US-Außenministerium gemeinsam mit dem Finanzministerium, dem Handelsministerium und dem Heimatschutzministerium die Xinjiang Supply Chain Business Advisory4 herausgegeben. Darin werden Unternehmen vor den Risiken von Verbindungen mit Unternehmen, die in Xinjiang und anderswo in der Region China Menschenrechtsverletzungen begehen, in ihren Lieferketten gewarnt.

Rechtsvorschriften gegen Menschenrechtsverletzungen sowie gegen Bestechung und Korruption: zwei Seiten derselben Medaille

Im Einklang mit diesen ehrgeizigen Verpflichtungen unterstreicht der BIAC-IOE-Leitfaden die Notwendigkeit eines übergreifenden Ansatzes für die Einhaltung von Menschenrechten und ABC. Eine gewisse Differenzierung wird zwar notwendig sein, aber die Vorteile eines umfassenden Ansatzes liegen auf der Hand. Korrupte Handlungen und Menschenrechtsverletzungen haben oft die gleichen Ursachen. Beides scheint durch mangelhafte staatliche Aufsicht begünstigt zu werden und kann die Reputations-, finanziellen, rechtlichen und operativen Risiken für die beteiligten Unternehmen erhöhen.

Da der Zeitaufwand und die Kosten für Risikomanagementprogramme weiter steigen, optimiert ein umfassender Ansatz, bei dem die traditionellen Silos von Compliance und Risikomanagement überdacht werden, das Management von Drittparteien und Lieferketten.

Wie sieht ein koordinierter Ansatz in der Praxis aus?

In der Praxis weist der BIAC-IOE-Leitfaden auf die Synergien hin, die Unternehmen bei der Einführung eines koordinierten Ansatzes zur Menschenrechts- und ABC-Konformität beachten sollten. Ein abgestimmter Ansatz, der ein funktionsübergreifendes Team zusammenbringt, kann die Beurteilung von Lieferanten und anderen Geschäftspartnern im Hinblick auf Menschenrechte und ABC-Compliance rationalisieren.

Der Leitfaden betont den zusätzlichen Vorteil für Unternehmen, wenn sie auch gemeinsame Berichtsmechanismen in Betracht ziehen. Zu Menschenrechtsverletzungen kommt es oft unter ähnlichen Umständen. Deshalb sind erreichbare Beschwerdemöglichkeiten sowie vertrauliche Kanäle für Whistleblower von zentraler Bedeutung für den Umgang mit diesen Problemen.

Neben diesen Maßnahmen schlägt der Leitfaden eine Reihe von B2B-Initiativen vor. Dazu gehört eine breite Zusammenarbeit zwischen und innerhalb von Industriezweigen mit dem Ziel, den Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen und Korruption zu verstärken. Gemeinsames Handeln und kollaborative Ansätze fördern Selbstregulierung, machen effektive ESG-Strategien möglich und verbessern den Ruf der beteiligten Unternehmen.

Fazit: Angesichts eines weltweiten Umschwungs hin zu einer strengeren Aufsicht über Due Diligence in Bezug auf Menschenrechte sind Unternehmen auf der ganzen Welt gut beraten, sich diesem Trend anzuschließen. Im neuen BIAC-IOE-Leitfaden wird verdeutlicht, dass die Unterstützung eines übergreifenden Ansatzes für Menschenrechte und ABC-Konformität eine Reihe von Vorteilen bietet, sowohl für den Kampf gegen Korruption und Menschenrechtsverletzungen als auch für die beteiligten Unternehmen. Gebündelte Bemühungen um Due Diligence führen zu einem besseren Verständnis der wechselseitigen Auswirkungen von Menschenrechts- und ABC-Fragen auf Unternehmen. Zugleich können Unternehmen weltweit ihren Ruf bei Investoren wie bei Verbrauchern verbessern, indem sie ihre ESG-Strategie als Teil eines substanziellen CSR-Konzepts stärken.

Nächste Schritte:

  1. Erfahren Sie, wie Nexis Diligence™ Unternehmen hilft, Due Diligence auf ihre eigenen ESG-Programme abzustimmen.
  2. Sehen Sie sich unseren Leitfaden zur Minderung von Bestechungs- und Korruptionsrisiken in Joint Ventures genauer an.
  3. Teilen Sie diesen Artikel mit Ihren Kollegen und Geschäftspartnern, damit das Thema im Gespräch bleibt.

Zur Person:

Thomas Becker ist Business Development Manager Risk & Compliance bei der LexisNexis GmbH. Seit über neun Jahren verantwortet er den Auf- & Ausbau für Süddeutschland & Österreich und betreut branchenübergreifend Compliance-Projekte.

Quellen:

  1. Connecting the anti-corruption and human rights agendas, biac.org, 31.08.2020
  2. LOI n° 2017-399 du 27 mars 2017 relative au devoir de vigilance des sociétés mères et des entreprises donneuses d'ordre, legifrance.gouv.fr, 27.03.2017
  3. Germany to fine firms for rights breaches in supply chains, dw.com, 12.02.2021
  4. Risks and strategies in Xinjiang: lessons from the new US government business advisory, riskandcompliance.freshfields.com, 02.07.2020