Schweizer Meldestelle für Geldwäscherei (MROS) veröffentlicht Jahresbericht 2014

MROS Jahresbericht 2014

Die Schweizer Meldestelle für Geldwäscherei (MROS) hat ihren Jahresbericht 2014 veröffentlicht. Das Berichtsjahr 2014 zeichnet sich durch eine Rekordzahl von über 1.700 Verdachtsmeldungen aus. Im Vorwort des MROS-Jahresberichts rechnen die Verfasser aus, dass es sich um „sieben Meldungen pro Arbeitstag und eine Zunahme der Zahl der Meldungen von rund 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr" handelt.

72 % der Verdachtsfälle wurden an die entsprechenden Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet. Insgesamt wurden 687 Entscheide gefällt, die auf eine Meldung zurückzuführen sind. Knapp 10 % sind (rechtskräftige) Verurteilungen.

Kennzeichnend für das Berichtsjahr ist, dass das Domizil des Vertragspartners des Finanzintermediärs (also der Wohnsitz für natürliche und das Domizilland für juristische Personen) häufiger als im Vorjahr in der Schweiz liegt (50 %). Auch der Anteil der wirtschaftlich Berechtigten mit Schweizer Nationalität lag 2014 häufiger als im Vorjahr in der Schweiz (48 %).

Interessant und sehr lesenswert in dem Jahresbericht sind die publizierten Fallbeispiele ab Seite 40, von denen wir einen Fall mit einem Amtsträger exemplarisch hervorheben möchten, um die komplexen Verflechtungen darzustellen und die Wichtigkeit des PEP-Screenings im Rahmen der Due Diligence Checks zu betonen.

PEP-Fall (Seite 42 des Jahresberichts)

„Ein Finanzintermediär nahm mit einem CEO eines in Staatsbesitz befindlichen Unternehmens eine Geschäftsbeziehung auf. Der CEO, ein ausländischer Staatsangehöriger, war im Rahmen der Wirtschaftsförderung und der Raumplanung einer Gemeinde im Ausland für die Umsetzung öffentlicher Aufgaben zuständig. Es ging um die Schaffung und treuhänderische Verwaltung von zwei Domizilgesellschaften. Über diese Gesellschaften sollte eine im Ausland gelegene Immobilie verwaltet werden. Eine dieser Gesellschaften wurde mit erheblichen Beträgen gespeist. Der Auftraggeber der Überweisungen war ein afrikanischer Geschäftsmann. Der Finanzintermediär war nicht in der Lage, über den Zweck der Geldüberweisungen Auskunft zu geben. Zu Beginn der Geschäftsbeziehung gab der Kunde des Finanzintermediärs an, er sei ein im Bereich der Immobilienentwicklung tätiger Privatunternehmer und als solcher wirtschaftlich Berechtigter an den beiden Domizilgesellschaften.

Nachdem der Finanzintermediär auf eine Reihe von Medienberichten gestossen war, begann er an den Ausführungen seines Kunden hinsichtlich der wirtschaftlichen Berechtigung und der angeblichen Besitzverhältnisse an der Immobilie im Ausland zu zweifeln. In den Berichten wurde nicht der CEO als Besitzer der Immobilie, sondern der Bürgermeister der Gemeinde genannt, der auch Parlamentsabgeordneter war. Aufgrund weiterer Medienberichte verstärkten sich die Zweifel des Finanzintermediärs: Zu Beginn der Geschäftsverbindung stellte der CEO Geldmittel in Aussicht, die aus einer Provision aus einer Immobilientransaktion herrührten. Angeblich stamme das Geld von einer politisch exponierten Person (PEP), einem reichen Geschäftsmann aus dem Mittleren Osten. Geld floss indessen keines. Aus offenen Quellen war zu erfahren, dass es sich um einen bedeutenden Investor eines grossen Bauprojekts in jener Gemeinde handelte, in der der Parlamentsabgeordnete als Bürgermeister amtete. Die ungewöhnlichen Finanztransaktionen und angesichts des Umstandes, dass der CEO und dieser Bürgermeister irgendwie miteinander zu tun hatten, liessen den Finanzintermediär vermuten, dass der CEO als Strohmann des Bürgermeisters fungierte.

Der Finanzintermediär beschloss deshalb, gestützt auf Artikel 305ter Absatz 2 StGB von seinem Melderecht Gebrauch zu machen. Die MROS analysierte die Informationen und leitete die Verdachtsmeldung an die zuständige Strafverfolgungsbehörde weiter, mit dem Hinweis, über das Konto des Finanzintermediärs könnte Bestechungsgeld transferiert worden sein."

Lesenswert: Jahresbericht der Meldestelle für Geldwäscherei MROS, April 2015

Diesen Blog-Beitrag teilen:


Melden Sie sich zum zweimonatlich erscheinenden LexisNexis Newsletter an.