One Young World Summit betont Bedarf an sozialer Unternehmensverantwortung

Foto Salvatore Saporito, LexisNexis GmbH

Anfang Oktober 2017 trafen junge und aufstrebende Führungspersönlichkeiten aus aller Welt beim One Young World Summit 2017 in Bogotá, Kolumbien zusammen. Seit ihrer Gründung 2009 richtet die gemeinnützige Organisation One Young World mit Sitz in Großbritannien dieses alljährliche Gipfeltreffen aus, bei dem junge Talente aus globalen und nationalen Unternehmen, NGOs, von Universitäten und anderen Organisationen zusammentreffen, um Kontakte mit Gleichgesinnten zu knüpfen und Staatsoberhäupter zu treffen, die als One Young World Counselor tätig sind. Wie schon in den Jahren zuvor bot auch das letzte Treffen ein Forum für Gespräche über und den Austausch von innovativen Ideen, wie sich die schwerwiegenden globalen Probleme lösen lassen könnten. Darunter auch Korruption und Menschenrechte.

Kampf gegen Korruption im Mittelpunkt

Mehr als 1.300 junge Spitzenkräfte aus 193 Ländern reisten in diesem Jahr zum Summit nach Bogotá. Und auch wir hatten Glück, dort vertreten zu sein, um aus erster Hand über das Ereignis berichten zu können. Zu den Rednern und Beratern des Treffens gehörten bekannte Anführer für Integrität in Wirtschaft und Politik, soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte, wie

  • Präsident Santos, Präsident von Kolumbien
  • Kofi Annan, 7. Generalsekretär der Vereinten Nationen (1997-2006)
  • Professor Muhammad Yunus, Gründer der Grameen Bank und Träger des Friedensnobelpreises
  • Emmanuel Lulin, Senior Vice-President und Chief Ethics Officer von L’Oréal (Zum Interview mit Emmanuel Lulin)
  • Salil Shetty, Generalsekreatär von Amnesty International
  • Hassan Jallow, Vorsitzender des Obersten Gerichtshof von Gambia und ehemaliger Staatsanwalt des internationalen Kriegsverbrechertribunals der Vereinten Nationen für Ruanda

Ein Thema kam im Laufe des viertägigen Treffens immer wieder zur Sprache: Korruption. Der Gründer von One Young World, David Jones, erklärte: One Young World hat junge Menschen in Kolumbien dazu befragt, was ihrer Ansicht nach die wesentlichen Gründe für Armut sind. Ursache Nummer Eins war Korruption. Korruption trifft die Ärmsten am härtesten, indem sie ihnen den Zugang zu den Grundrechten verweigert.

Globale Probleme wie moderne Sklaverei haben ihre Ursache in korrupten Praktiken, und ihre Opfer sind häufig arme und entrechtete Bevölkerungsgruppen. Ein leitender Beamter der Europäischen Kommission bemerkte: Die Europäische Kommission setzt sich stark für die globale Entwicklung ein und bestärkt Länder im Kampf gegen die Korruption. Wir haben die Probleme mit Korruption in den weniger entwickelten Ländern zum Thema gemacht und wir stellen ihnen Hilfsmittel bereit, die sie in Zusammenarbeit mit uns einsetzen können, um ihr eigenes System zum Kampf gegen Korruption aufzubauen.

Damit haben wir die Ereignisse beim One Young World Summit 2017 nur ganz am Rande gestreift. In Folgenden erwartet Sie ein exklusives Interview mit Emmanuel Lulin, Senior Vice-President und Chief Ethics Officer von L’Oréal:

Investoren, Shareholder und Verbraucher fordern zunehmend starke moralische Standards von Unternehmen ein. Im exklusiven Interview am Rande der One Young World Konferenz in Bogotá, Kolumbien, erklärt Emmanuel Lulin, Senior Vice President und Chief Ethics Officer von L’Oreal, warum ethische Richtlinien Voraussetzung für den Erfolg von Unternehmen sind.

LexisNexis: Wie schätzen Sie die ethischen Standards von Unternehmen ein?

Emmanuel Lulin: Unternehmen übernehmen Verantwortung für die Auswirkungen ihrer Aktivitäten auf die Gesellschaft und sind sich darüber bewusst, dass sie der Welt ein hohes Maß an Transparenz schulden. Die Zeit, in der man sich nur an die Gesetze halten musste, um auf der sicheren Seite zu sein, ist ein und für allemal vorbei.

LexisNexis: Wie weit sollten Unternehmen in ihren Bemühungen um Compliance gehen? Genügt es, sicherzustellen, den entsprechenden nationalen und internationalen Gesetzen zu Finanzverbrechen Folge zu leisten?

Emmanuel Lulin: Unternehmen haben lange gedacht, es würde ausreichen, legal zu handeln. So wurden sie auch beraten. Aber das ist falsch. Ein Ethikprogramm, das nur auf Compliance beruht, ist ein Denkfehler. Wertvorstellungen kann man nicht befehlen – die Menschen müssen sie verstehen. Man muss Vertrauen aufbauen, damit die eigenen Wertvorstellungen übernommen werden.

Menschen werden immer versuchen, Gesetze zu umgehen – deswegen halte ich es für so wichtig, die richtige Kultur zu haben. Manche Dinge sind völlig legal und dabei absolut schrecklich. Als Vorreiter sollte man seine moralischen Werte transparent darlegen und Worten Taten folgen lassen. Unterlässt man das, wird man unglaubwürdig. Unmoralische Führungskräfte, unmoralische Menschen, unmoralische Unternehmen verschwinden heutzutage schnell von der Bildfläche.

LexisNexis: Warum reicht es nicht aus, sich einfach an die Gesetze zu halten?

Emmanuel Lulin: Das Problem ist, dass der technische und wissenschaftliche Fortschritt viel schneller vonstattengeht, als die Entwicklung der rechtlichen Rahmenbedingungen. Dies führt zu einem Vakuum, und dieses Vakuum füllen wir mit unseren Wertvorstellungen. Das Gesetz ist nicht mehr der einzige Rahmen für die Entscheidungsfindung, weil es viel zu langsam ist. Es ist für Unternehmen besser, sich auf die positive Seite der Moral zu konzentrieren, als auf die negative Seite des Gesetzes. Es ist weitaus besser, man stellt statt eines Interessenkonflikts eine Kultur der Integrität und Loyalität in den Mittelpunkt. Und wenn man sich mehr auf kulturelle Vielfalt statt auf Diskriminierung konzentriert, ist das ebenfalls positiver und ansprechender.

LexisNexis: Wie können Unternehmen den Erfolg ihrer Compliance-Bemühungen abschätzen?

Emmanuel Lulin: Es gibt eine neue Währung, deren Name lautet Vertrauen. Wenn man den Erfolg eines Unternehmens messen möchte, reicht es nicht länger aus, sich die Finanzergebnisse anzusehen. Das derzeitige Buchhaltungssystem hat einen Fehler: Es verkennt den Wert, den eine Kultur der Integrität und Moral für Unternehmen mit sich bringt. Diese Kultur der Integrität ist vermutlich ein besserer Indikator für die Nachhaltigkeit eines Unternehmens als alles andere.

Wären wir eine Zeitung, würden wir uns den Kopf über das Vertrauen unserer Leser zerbrechen. Wären wir ein Kosmetikunternehmen, würden wir uns Gedanken über das Vertrauen unserer Kunden und Lieferanten, des Marktes und unserer Mitarbeiter machen. Es entsteht ein neues Paradigma und damit ein neuer Blick auf die Welt und einen höchst willkommenen neuen Weg.

LexisNexis: Interessieren sich Kunden und Investoren für Moral oder freuen sie sich einfach nur über ein gutes Produkt oder eine gute Rendite?

Emmanuel Lulin: Kunden und Investoren erwarten von Unternehmen nicht nur Moral und Transparenz, sondern fordern sie regelrecht ein – und das ist gut so. Ihnen ist vermutlich aufgefallen, dass die Jahresberichte von Unternehmen immer umfangreicher werden. Das liegt nicht daran, dass sie größere Umsätze machen, sondern dass sie transparenter darlegen, wie sie ihre Geschäftsergebnisse erzielt haben.

LexisNexis: Gibt es ethischen Fragen, auf die Unternehmen in den kommenden Jahren besonders achten sollten?

Emmanuel Lulin: Das Thema Menschenrechte wird für Unternehmen immer wichtiger – mehr noch als Korruption. Menschenrechte werden das nächste Instrument des Wandels sein. Der zunehmende Schwerpunkt auf sie zwingt Unternehmen, ihren Horizont zu erweitern und die Lage in den jeweiligen Gebieten ihrer Aktivität ausgiebiger in Betracht zu ziehen.

LexisNexis: Die One Young World thematisiert die Macht junger Menschen, um die größten Probleme, die auf die Welt zukommen, zu lösen – wie zum Beispiel Korruption. Glauben Sie, dass die kommende Generation von Führungskräften moralischer sein wird als ihre Vorgänger?

Emmanuel Lulin: Meines Erachtens nach ist die neue Generation nicht moralischer als die vorige. Aber das Maß an Bewusstsein ist konfrontativer, und die neue Generation traut sich, eher den Mund aufzumachen. Vor zehn oder fünfzehn Jahren hätten nur sehr wenige Kandidaten bei Einstellungsgesprächen Fragen zu Moral, Werten und Kultur eines Unternehmens gestellt. Heute ist das üblich, und wir besprechen ethische Probleme mit aussichtsreichen Kandidaten, um sicher sein zu können, dass sie gut zu unseren Werten passen.

Die Führungskräfte der Zukunft werden sich sehr schwierigen Entscheidungen gegenübersehen und wenn es um Fragen der Moral geht, ist Schweigen einfach keine Option. Integrität, Respekt, Courage, Transparenz – all das ist wieder sehr in Mode. Insofern ist die derzeitige Entwicklung mit der neuen Generation und ihrem Interesse an den ethischen Aspekten der Wirtschaft einfach fantastisch.


Zur Person

Salvatore Saporito ist Teamleiter Europa Risk & Compliance und seit 2003 bei der LexisNexis GmbH. Er studierte an der Universität zu Köln Wirtschaftswissenschaften (Betriebswirtschaftslehre) mit dem Abschluss Diplom-Kaufmann. Er ist Mitglied im Deutschen Institut für Compliance (DICO), dem Berufsverband der Compliance Manager (BCM), in der DGI Fachgruppe Compliance, im österreichischen Compliance Praxis Netzwerk sowie in der American Chamber of Commerce. Salvatore Saporito ist regelmäßig Referent zum Thema Geschäftspartnerüberprüfung.

Diesen Blog-Beitrag teilen:


Blog-Alert abonnieren

Wir informieren Sie automatisch
über neue Blogbeiträge.

Blog durchsuchen

Blog durchsuchen

Sortieren

Nach Kategorie