Petrobras Anti-Bestechungs- und Korruptionsregelung zeigt Anstieg von Sammelklagen

Foto Salvatore Saporito, LexisNexis GmbH

Petrobras hat kürzlich zugestimmt, 2,95 Milliarden US-Dollar zu zahlen, um eine Sammelklage von Investoren in den Vereinigten Staaten beizulegen. Wir betrachten die Zunahme von Sammelklagen und erklären, was Unternehmen tun sollten, um das Risiko von Bestechung und Korruption zu begrenzen.

Größte Sammelklage der Geschichte

Petrobras, Brasiliens staatliche Ölgesellschaft, hat sich bereit erklärt, 2,95 Milliarden US-Dollar zu zahlen, um eine Sammelklage beizulegen. Große Investoren, die von der britischen Pensionskasse Universities Superannuation Scheme angeführt wurden, erklärten, ihre Beteiligungen an Petrobras seien durch die im Fokus der Öffentlichkeit stehenden Bestechungsuntersuchungen negativ beeinflusst worden. Im Rahmen dieser Untersuchung, bekannt als Operation Car Wash, wurde gegen Politiker und ehemalige Petrobras-Direktoren ermittelt, die Bestechungsgelder für die Vergabe von Milliarden-Dollar-Verträgen erhielten. Der Anwalt der Investoren Jeremy Lieberman sagte, die Einigung sei die größte, die jemals einen ausländischen Wertpapieremittenten in den Vereinigten Staaten involviert habe. Obwohl Petrobras der Sammelklage zugestimmt hatte, lehnte die Firma die Haftung für die Verluste ab, mit der Begründung sie sei auch Opfer der Handlungen einzelner Führungskräfte.

Investoren verklagen das eigene Unternehmen

Bei einer Sammelklage vertritt eine Person eine Gruppe vor Gericht. Sammelklagen von Investoren gegen ein Unternehmen, an dem sie beteiligt sind, sind in den letzten 18 Monaten immer häufiger geworden. Aktionäre scheinen mehr denn je bereit zu sein, eine Klage gegen ein Unternehmen wegen des Vorwurfs von Fehlverhalten zu erheben. Beispielsweise bei Scheitern der Anti-Bestechungs- oder Anti-Geldwäsche-Prozesse oder der ethischen Überprüfung von Lieferanten. Sammelklagen können Unternehmen oft mehr Geld kosten als Durchsetzungsmaßnahmen der staatlichen Aufsichtsbehörden. Möglicherweise ist dies nicht einmal die letzte Sammelklage, der Petrobas gegenübersteht, da Investoren auch außerhalb der Vereinigten Staaten planen, auf Basis europäischer Gesetze einige Ihrer Verluste aus dem Korruptionsskandal einzufordern. Es gibt auch eine ausstehende Forderung von Petrobras Wirtschaftsprüfer, PricewaterhouseCoopers Auditores Independentes.

In Zukunft werden von Investoren weitere Sammelklagen gegen Unternehmen erwartet, die in Bestechungs- und Korruptionsuntersuchungen verwickelt sind. Denn Skandale haben oft erhebliche Auswirkungen auf den Aktienkurs eines Unternehmens. Die Operation-Car-Wash-Untersuchung hat zu einem dramatischen Rückgang der Petrobras Aktie beigetragen. Nachdem sie im Mai 2008 ihren Höchststand von über 72 Dollar erreicht hatte, fiel sie auf unter 3 Dollar im Januar 2016, mit einer leichten Erholung in den letzten zwei Jahren. Im Dezember 2015 stufte Moody's1 das Rating von Petrobras herab und stellte fest, dass die Korruptionsuntersuchungen Ablenkungen des Managements verursachen, die die Bemühungen zur Verbesserung des Finanzprofils des Unternehmens behindern könnten, ganz zu schweigen vom Risiko erheblicher Verluste aufgrund von Geldstrafen. Durch die Entscheidung von Moody's könnten Petrobras andere Geschäfts- und Investitionsmöglichkeiten entzogen werden.

Sammelklagen zeigen neue finanzielle Risiken von Bestechung und Korruption

Die Sammelklage hatte größere finanzielle Auswirkungen auf Petrobras als die Kosten der Einigung allein. Das Unternehmen hat die Kosten von drei Jahren Rechtsstreitigkeiten und die damit verbundene Ablenkung für seine Geschäftstätigkeit zu tragen. Die Ablenkung2 war besonders schädlich, da sie die Ankündigung eines Fünf-Jahres-Plans zur Schuldenreduzierung und Neuausrichtung des Kerngeschäfts des Unternehmens verzögerte. Petrobras erkennt diese Auswirkung klar an. In einer Erklärung heißt es, dass die Vereinbarung den Unsicherheiten, Belastungen und Kosten langwieriger Rechtsstreitigkeiten ein Ende bereitet. Alexandra Wrage, Präsidentin der Business-Compliance-Gruppe TRACE International, sagte3, diese umfassenderen Risiken zeigen, warum Unternehmen starke Anti-Korruptions-Programme benötigen. Wenn Unternehmen die Kosten ihrer Compliance-Programme bewerten, sollten sie ihr Gesamtrisiko und nicht nur die engen Kosten der Geldbußen betrachten. Die Verbraucher erwarten zunehmend, dass Marken und Unternehmen hohe Standards erfüllen, wenn es um Korruption, Zwangsarbeit und ökologische Nachhaltigkeit geht - und wenn sie zu kurz kommen, zeigen die Verbraucher ihre Unzufriedenheit durch ihre Brieftaschen.

Fünf praktische Schritte für die Wirtschaft

  1. Gehen Sie nicht davon aus, dass große Unternehmen sicherer sind: Seien Sie bei der Due Diligence in großen Unternehmen genauso sorgfältig wie bei kleineren Unternehmen.
  2. Passen Sie Ihre Bedingungen nicht an die Größe Ihres jeweiligen Geschäftspartners an. Unternehmen, die sich zu einer ethisch korrekten Wertschöpfungskette verpflichtet haben, bieten all Ihren Partnern dieselben Vertragsbedingungen an. Wird Ihnen beispielsweise ein verlängertes Zahlungsziel gewährt, könnte dies auf eine schlechte finanzielle Situation des anderen Unternehmens schließen lassen.
  3. Vorsicht vor Reputationsschäden durch Unternehmensverknüpfungen: Lieferanten von Unternehmen, die von Skandalen erschüttert werden, können ebenfalls betroffen sein. Überprüfen Sie regelmäßig aktuelle Nachrichten über Kunden und Lieferanten, um sicherzustellen, dass Probleme frühzeitig erkannt werden.
  4. Überprüfen Sie sowohl Personen als auch Unternehmen: Nehmen Sie sich Zeit, um das Management eines Unternehmens wirklich zu verstehen. Überprüfen Sie, ob Mitglieder des Senior Management zuvor Direktoren in anderen Unternehmen waren und stellen Sie sicher, dass diese nicht auf Watchlisten erscheinen.
  5. Speichern Sie Informationen und Quellen: Führen Sie einen robusten Audit Trail der Informationen, die einfach protokolliert und exportiert werden können. Der Nachweis einer Verpflichtung zu echter Due Diligence kann ein Unternehmen im Ernstfall schützen.

Weitere Schritte

  1. Weitere Beiträge zu Anti-Bestechung und Korruption finden Sie in unserem Blog.
  2. In unserem eBook zum Anti-Bestechungs Management System ISO 37001 erhalten Sie Tipps zum Aufbau eines effektiven Compliance-Programms.
  3. Erfahren Sie, wie die LexisNexis Compliance Solutions Ihnen helfen können, Risiken effektiver zu begegnen.

Zur Person

Salvatore Saporito ist Teamleiter Europa Risk & Compliance und seit 2003 bei der LexisNexis GmbH. Er studierte an der Universität zu Köln Wirtschaftswissenschaften (Betriebswirtschaftslehre) mit dem Abschluss Diplom-Kaufmann. Er ist Mitglied im Deutschen Institut für Compliance (DICO), dem Berufsverband der Compliance Manager (BCM), in der DGI Fachgruppe Compliance sowie im österreichischen Compliance Praxis Netzwerk. Salvatore Saporito ist regelmäßig Referent zum Thema Geschäftspartnerüberprüfung.

Quellen

1 Moody's downgrades Petrobras' to Ba3 and places ratings on review for downgrade, Moody's, 09.12.2015
2 Petrobras CEO says curruption lawsuit won't get in the way of business, Fortune, 22.09.2016
3 The Morning Risk Report: Petrobras highlights class-action risks in corruption cases, Latest World News, 04.01.2018

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