UK Modern Slavery Act: Ernüchterndes Ergebnis nach Prüfung der Stellungnahmen

Foto Salvatore Saporito, LexisNexis GmbH

Drei neue Berichte zeigen, dass Firmen dem UK Modern Slavery Act nicht entkommen können.

Der UK Modern Slavery Act sieht eine stärkere Transparenz in Zulieferketten vor und setzte das Thema moderne Sklaverei sowohl in Großbritannien als auch weltweit, nach ganz oben auf die Agenda. Der UK Modern Slavery Act trat am 29. Oktober 2015 in Kraft und verpflichtet jedes Unternehmen, das eine Geschäftstätigkeit in England ausübt und mehr als 36 Millionen Britische Pfund weltweit umsetzt, zu einer jährlichen Stellungnahme. Diese Stellungnahme über Sklaverei und Menschenhandel muss die eingeleiteten Maßnahmen beinhalten, um moderne Sklaverei und Menschenhandel in der eigenen Zulieferkette zu vermeiden.

Hinsichtlich des Inhaltes der FTSE 100 Stellungnahmen, fand das BHRCC heraus, dass

  • die zwei besten Stellungnahmen (von M&S und SABMiller) eine detaillierte Auskunft über ihre Risiken und Fälle von moderner Sklaverei sowie die Erklärung beinhalteten, wie gegen diese Probleme angegangen wurde;
  • in der Zulieferkette wenige Informationen zu spezifischen Risiken verfügbar sind;
  • Bemühungen zur Messung der Effektivität in Bezug auf die Bekämpfung von moderner Sklaverei und Menschenhandel in der Zulieferkette, die am schlechtesten abgeschnittene Kategorie war. 56 % der Firmen stellten keine bedeutsamen Informationen zur Verfügung, wie sie ihre Effektivität messen und nur 7 % sagten, dass Sie dabei wären, KPI's zu entwickeln. 

Phil Blommer, Geschäftsführer von Business & Human Rights Resource Centre sagte:

„Das ist das erste Jahr der Stellungnahmen und deshalb erwartet auch niemand perfekte Ergebnisse. Aber es ist dennoch enttäuschend, wie klein die Gruppe derer ist, die wirklich mit gutem Beispiel voran gehen. Diese Unternehmen verdienen Anerkennung. Sie beweisen ihre Marktfähigkeit indem sie Risiken einschätzen können und erforderliche Maßnahmen zur Bekämpfung einleiten. Diese Sorgfalt hebt die weitaus schlechteren Beispiele der weniger engagierten Mehrheit besonders hervor. Niemand möchte mit Sklaverei in Verbindung kommen. Warum tun dann so viele gut aufgestellte FTSE 100 Firmen augenscheinlich so wenig dagegen? Es gibt keine Entschuldigung dafür, vor Sklaverei die Augen zu verschließen und nicht zu handeln. Wir hoffen, dass die nächste Gruppe der FTSE 100 Firmen, die ihre Stellungnahmen abgeben, dem Beispiel der lobenswerten Firmen nachstreben."

Worte ohne Taten

Ende Oktober 2015 veröffentlichten auch Ergon Associates und Historic Futures einen Bericht, der den Einfluss des Modern Slavery Acts im ersten Jahr analysierte. In dem Bericht „Hat der Modern Slavery Act Einfluss auf Ihr Unternehmen?" 2, wurden die Ergebnisse einer Umfrage mit 34 verschiedenen Firmen veröffentlicht, die sowohl in England als auch international tätig sind. Die wichtigsten Ergebnisse waren Folgende:

  • Hinsichtlich der Aufmerksamkeit für den UK Modern Slavery Act, wurde sowohl firmenintern als auch auf Führungsebene über den Act diskutiert.
  • In Bezug auf das darauf folgende Engagement, führe der Modern Slavery Act zu einem verstärkten Fokus auf Strategieentwicklung, Risikobewertung und der Beobachtung von moderner Sklaverei. Jedoch waren nur weniger als 50 % der Umfrageteilnehmer auch in der Lage, endgültige Maßnahmen einzuleiten, um die erkannten Risiken zu bekämpfen.
  • Informationen über die Zulieferkette und deren Risiken werden heute eher ad-hoc beschaffen.
  • Die meisten Firmen haben noch keine Maßnahmen zur Risikominderung und Bekämpfung von moderner Sklaverei in die Wege geleitet.

Mutige Unternehmen

77 % der Firmen, die im Forschungsprojekt3 der Ethical Trading Initiative und der Hult International Business School teilgenommen haben, denken, dass die Wahrscheinlichkeit von moderner Sklaverei in ihrer Zulieferkette besteht. Das Forschungsprojekt wurde mit 71 bekannten Marken und Einzelhändlern durchgeführt, die als Führer für ethischen Handel wahrgenommen werden.

Dieses Eingeständnis zeigt eine Änderung im Geschäftsverhalten. Noch vor wenigen Jahren hätten Unternehmen nicht über moderne Sklaverei gesprochen und erst recht nicht darüber, dass sie in ihren Lieferketten vorkommt. Heute sind immer mehr Unternehmen mutig genug, um offen darüber zu sprechen. Der Bericht zeigt, wie diese Unternehmen ihre Worte in Taten umgesetzt haben.

Quintin Lake, Co-Autor des Berichtes und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Ashridge Centres für Unternehmen und Nachhaltigkeit an der Hult International Business School sagte:

„Wir wollten wissen, was zu tun ist, wenn Firmen moderne Sklaverei bekämpfen möchten, damit wir den Firmen helfen können, die erst am Anfang dieses Prozesses stehen. Auch wenn im Anschluss noch viel mehr Arbeit zu tun ist, ist es doch ermutigend zu sehen, welche Schritte führende Unternehmen zu Beginn eingeleitet haben."

Der Fakt, dass nach rund einem Jahr nach Einführung des Modern Slavery Acts bereits mehrere Berichte zur Analyse der Einhaltung der Richtlinien erstellt wurden, zeigt, dass dieses Thema im Fokus der Öffentlichkeit steht.

Der Modern Slavery Act konnte bereits Wirkung erzielen. Doch wirklicher Wandel erfolgt nicht durch das Verfassen von Stellungnahmen. Hierzu sind konkrete Vorgehensweisen zu erstellen, um moderne Sklaverei endgültig auszumerzen.


Zur Person

Salvatore Saporito ist Business Development Manager Risk & Compliance und seit 2003 bei der LexisNexis GmbH. Er studierte an der Universität zu Köln Wirtschaftswissenschaften (Betriebswirtschaftslehre) mit dem Abschluss Diplom-Kaufmann. Er ist Mitglied im Deutschen Institut für Compliance (DICO), im österreichischen Compliance Praxis Netzwerk sowie im American Chamber of Commerce. Salvatore Saporito ist regelmäßig Referent zum Thema Geschäftspartnerüberprüfung.


1 Business Human Rights, 15.10.2016, FTSE 100 AT THE STARTING LINE

2 Business Human Rights, 01.10.2016, Has the Modern Slavery Act had an impact on your business?

Ashridge, November 201, Corporate Leadership on Modern Slavery

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