Korruption kostet mindestens 2,6 Billionen US-Dollar – 5 % des weltweiten BIP

Strategien zur Bekämpfung von Bestechung und Korruption

Foto Salvatore Saporito, LexisNexis GmbH

Bestechung kann Leben ruinieren. Die Folgen für Unternehmen mit Compliance-Problemen gehen über finanzielle und Reputationsschäden hinaus. Korruption greift den Rechtsstaat an und hemmt die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung, wodurch Länder, Behörden und Unternehmen, die sich an die Regeln halten, geschädigt werden. Jedes Mal, wenn Bestechungsgelder angeboten oder angenommen werden, untergräbt dies das Fundament des freien und fairen Wettbewerbs.

Schmiergeldaffäre kostet Telekommunikationsunternehmen 850 Millionen US-Dollar

Der Telekommunikationssektor musste in den letzten Jahren durch Maßnahmen zur Bekämpfung von Bestechung und Korruption einige Schläge einstecken. Anfang 2019 haben das Justizministerium der Vereinigten Staaten (Department of Justice – DOJ) und die US-Börsenaufsichtsbehörde (Securities and Exchange Commission – SEC) eine Einigung aufgrund von Verstößen gegen das US-Antikorruptionsgesetz ‚Foreign Corrupt Practices Act‘ (FCPA) durch den größten Telekomanbieter Russlands, Mobile TeleSystems PJSC (MTS), bekannt gegeben. Die Folge waren 850 Millionen US-Dollar an Strafzahlungen, Beschlagnahmungen und Abschöpfungen.

Bestechungsgelder für Geschäftsabschlüsse – ein Verlustgeschäft

Diese Einigung folgte auf zwei andere bedeutende Verurteilungen aufgrund ähnlicher Schmiergeldaffären, in die Beamte in Usbekistan verwickelt waren: eine Verurteilung des schwedischen Unternehmens Telia im Jahr 2017 zur Zahlung von 965 Millionen US-Dollar und eine Verurteilung des in den Niederlanden ansässigen Unternehmens VimpelCom Limited zur Zahlung von 795 Millionen US-Dollar.

Starke weltweite Zusammenarbeit gegen Korruption

All diese Fälle haben in Bezug auf ihre Aufklärung eines gemeinsam: die weltweite Zusammenarbeit von Aufsichts- und Strafverfolgungsbehörden, darunter jenen in den Niederlanden, in Norwegen, Schweden, der Schweiz, in Lettland, in Großbritannien, in Irland und Frankreich.

Im neuesten Fall handelt es sich um eine geschätzte Schmiergeldzahlung in Höhe von 420 Millionen US-Dollar an einen usbekischen Beamten, der mit dem früheren Präsidenten von Usbekistan in Verbindung steht. Die Zahlungen wurden als Anschaffungskosten, Optionszahlungen und wohltätige Spenden deklariert.

Laut Charles E. Cain1, Leiter der FCPA-Einheit der SEC-Vollzugsabteilung, zeigte das Unternehmen „...über beinahe ein ganzes Jahrzehnt hinweg ungeheuerliches Fehlverhalten, in dem es einem korrupten Beamten hunderte Millionen Dollar unter der Hand zukommen ließ. Der Aufbau von Geschäften auf der Basis von Bestechung macht das Geschäft und die Interessen amerikanischer Investoren vom Willen korrupter Beamter abhängig.“

Die Folgen von Bestechung und Korruption gehen über die dafür verhängten Strafzahlungen und die Strafverfolgung für alle Involvierten hinaus. Lise Kingo, Geschäftsführerin und Exekutivdirektorin des UN Global Compact2 schreibt: „Von den rechtlichen Risiken und jenen in Bezug auf die Reputation über die finanziellen Aufwendungen für Korruption bis hin zum Vertrauensverlust bei Mitarbeitern, Aktionären und Interessenträgern gehen Unternehmen, die Korruption nicht wirkungsvoll bekämpfen, insgesamt ein hohes Risiko ein. Kein Unternehmen, egal welcher Größer oder in welcher Branche, ist gegenüber Korruption immun und das Schadenspotenzial ist enorm.

Die Welt zahlt den Preis für ungehinderte Korruption

UN-Generalsekretär António Guterres berichtete vergangenen September, dass Korruption mindestens 2,6 Billionen US-Dollar koste, was 5 Prozent des weltweiten BIP entspricht. Es ist also nicht überraschend, dass der Kampf gegen Bestechung und Korruption eine zentrale Rolle bei den Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen und von Regierungen auf der ganzen Welt spielt. Und es ist auch im Interesse von Unternehmen, Bestechungs- und Korruptionsrisiken gezielt zu bekämpfen:

  • Die Zunahme ethischer Erwartungen der Verbraucher gegenüber Unternehmen kann zu Reputationsschäden führen, sobald Kernwerte von Unternehmen genauer untersucht werden.
  • Bestechungs- und Korruptionsanschuldigungen können die Kündigung lukrativer Verträge hervorrufen und somit ein großes strategisches Risiko darstellen.
  • Geldstrafen und Sanktionen seitens der Behörden können zu einem erheblichen finanziellen Schaden und geringeren Investitionen führen.
  • Betrug, Bestechung und Korruption greifen das Fundament unserer Gesellschaft an. Verstöße können das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit unterminieren.

Die Analysen von Transparency International für den alljährlichen Korruptionswahrnehmungsindex ergaben:

  • eine Zunahme von populistischen Führern, die Korruption als Element benutzen, um gewählt zu werden, dann die Antikorruptionsgesetze unterminieren und nach dem Machtgewinn demokratische Institutionen aufweichen,
  • ein Fehlen wirksamer Mechanismen der Bestechungs- und Korruptionsabwehr in neuen Demokratien, was zu viel Korruption und schlechteren Leistungen der demokratischen Institutionen führt,
  • eine Aufweichung des Prinzips der Rechtsstaatlichkeit – sowohl in bestehenden als auch aufstrebenden Demokratien.

Im Korruptionswahrnehmungsindex 2018 berichtet Transparency International: „Unsere Feststellungen legen nahe, dass die Stärkung einander kontrollierender demokratischer Institutionen, das Schließen der Lücke zwischen Gesetzen und ihrer Umsetzung und die Förderung öffentlicher Rechenschaftspflichten sowie der Pressefreiheit Maßnahmen darstellen, die nicht nur zur Korruptionsbekämpfung, sondern auch zum Erhalt und zur Festigung demokratischer Institutionen und Standards beitragen können.“

„Integrität, Transparenz und der Kampf gegen Korruption müssen Teil der Kultur sein. Sie müssen als grundlegende Werte betrachtet werden.“

OECD-Generalsektretär José Ángel Gurria

Weiterhin weltweit schwere Folgen für Volkswirtschaften durch Korruption

Obwohl die meisten Industrieländer Gesetze eingeführt haben, um Bestechung und Korruption zu verhindern und zu bekämpfen, sind diese Länder längst nicht immer erfolgreich im Kampf gegen komplexere Varianten der Korruption und Bestechung. Der neueste Korruptionswahrnehmungsindex zeigt, dass Korruption noch immer schwere Folge für Volkswirtschaften und Länder auf der ganzen Welt hat. 2018 hat das Justizministerium der Vereinigten Staaten (DOJ) Strafen in Höhe von fast 2 Milliarden Dollar gegen Unternehmen auf der ganzen Welt wegen Verstößen gegen das US-Antikorruptionsgesetz ‚Foreign Corrupt Practices Act‘ (FCPA) verhängt. Zu diesen Unternehmen gehörte auch das in Brasilien ansässige Mineralöl- und Gasunternehmen Petrobras, das aufgrund einer riesigen Schmiergeldaffäre 1,78 Milliarden US-Dollar zahlen musste.

Bestechung Schritt für Schritt bekämpfen

Es gibt immer mehr internationale Initiativen zur Bekämpfung von Bestechung, Korruption und Betrug, wodurch es für Unternehmen immer wichtiger wird, illegales Verhalten aufzuspüren, zu managen und zu verhindern. Aber was können Unternehmen tun, um Bestechung zu verhindern, zu verstehen und die Folgen von Bestechung und Korruption für das Geschäft möglichst einzuschränken?

  • Räumen Sie der Cyber-Sicherheit Ihres Unternehms Priorität ein und schränken Sie die möglichen Folgen eines Cyberangriffs ein.
  • Nutzen Sie Datenanalysen, um Verstöße zu verhindern und Ihrem Unternehmen zu helfen, adäquat darauf zu reagieren.
  • Formulieren Sie klare Regeln für Whistleblowers und stellen Sie die erforderlichen Kanäle zur Verfügung, um das Melden möglichen Fehlverhaltens zu erleichtern und zu fördern.
  • Führen Sie gründliche Untersuchungen über Ihr Lieferkettenmanagement und Ihre Antikorruptionsverfahren durch, um die Risiken von Fehlverhalten von Vermittlern und potenziellen Partnern einzuschränken.

In einer Zeit zunehmender Medienaufmerksamkeit für richtiges ethisches Verhalten und unternehmerische Gesellschaftsverantwortung müssen Unternehmen agile Risikomanagementverfahren implementieren, um sich vor dem zunehmenden regulatorischen Risiko zu schützen und Bestechung, Korruption und Betrug zu bekämpfen.

Führen Sie Due Diligence-Prüfungen durch und implementieren Sie robuste Kontrollen, um Ihr Unternehmen zu schützen. Wir unterstützen Sie gerne bei der Bestechungs- und Korruptionsbekämpfung.

Möchten Sie mehr erfahren? Nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf.


Zur Person:

Salvatore Saporito ist Associate Head of Sales und seit 2003 bei der LexisNexis GmbH. Er studierte an der Universität zu Köln Wirtschaftswissenschaften (Betriebswirtschaftslehre) mit dem Abschluss Diplom-Kaufmann. Er ist Mitglied im Deutschen Institut für Compliance (DICO), dem Berufsverband der Compliance Manager (BCM), in der DGI Fachgruppe Compliance sowie im österreichischen Compliance Praxis Netzwerk. Salvatore Saporito ist regelmäßig Referent zum Thema Geschäftspartnerüberprüfung.

Quellen:

Mobile TeleSystems Settles FCPA Violations, marketwatch.com, 06.03.2019.
Statement from Lise Kingo, CEO & Executive Director of the UN Global Compact, unglobalcompact.org, 12.07.2018.

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