2 von 3 Ländern weisen hohe Korruption auf

Transparency Internationals Korruptionswahrnehmungsindex 2017

Foto Salvatore Saporito, LexisNexis GmbH

Transparency International enthüllt erneut die korruptesten Länder der Welt in seinem Korruptionswahrnehmungsindex (Corruptions Perceptions Index, CPI) 2017. Die größten Veränderungen in diesem Jahr betreffen Großbritannien, das seinen Rang seit 2018 um acht Punkte verbessern konnte, und Australien, das um acht Punkte abgesunken ist. Deutschland rutschte auf den 12. Platz ab.

Die üblichen Verdächtigen an den oberen und unteren Positionen

Der CPI ist ein Kennwert zur Korruptionswahrnehmung im öffentlichen Sektor in 180 Ländern und Regionen auf Grundlage von Quellen wie Geschäftsleuten und Landesexperten. Der Index reicht von 0 (hohes Maß an wahrgenommener Korruption) bis 100 (keine wahrgenommene Korruption). In diesem Jahr lag der Landes-Durchschnittswert bei 43. Mehr als zwei Drittel der Länder erzielten weniger als 50 Punkte. Transparency International erklärt, diese Länder litten unter einer hohen Korruptionslast. Angesichts der Tatsache, dass 80 % des weltweiten Wirtschaftswachstums von Schwellenmärkten und Entwicklungsländern stammt, müssen die globalen Unternehmen von heute jedoch Wachstumsmöglichkeiten und potenzielle Risiken gegeneinander abwägen. Das globale Ausmaß der Korruption, das der Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) aufdeckt, macht deutlich, wie dringend international tätige Unternehmen Prozesse zur Compliance Due Diligence und Risikoüberwachung benötigen.

Deutschland kam mit 81 Punkten auf den 12. Platz und hat somit seit Jahren eine stabile Bewertung, rutscht allerdings dennoch im Ranking nach unten – durch Nichtstun, so Transparency International. Großbritannien und die Niederlande sind mit 82 Punkten leicht voraus, während Frankreich mit nur 70 Punkten auf Platz 23 liegt.

Die Vereinigten Arabischen Emirate erreichten Platz 21 mit einem Wert von 71 – eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu den 66 Punkten vom letzten Jahr.

Wie in den Jahren zuvor wird das Ranking angeführt von Neuseeland, Dänemark, Finnland, Norwegen, der Schweiz, Singapur und Schweden.

Indem sie Charakteristika identifizieren, die die am besten abschneidenden Länder gemeinsam haben, können Compliance-Experten aus dem CPI wertvolle Erkenntnisse ableiten. Dazu gehören der Zugang zu Informationen über den Staatshaushalt, ein hohes Niveau an Integrität unter den Regierenden und ein objektives und unparteiisches Justizwesen. Transparency International betonte außerdem die Bedeutung einer unabhängigen Presse und berichtete von einem „engen Zusammenhang zwischen Korruption und Pressefreiheit“.

Zu den Ländern mit den schlechtesten Ergebnissen gehören Somalia, Südsudan, Syrien, Afghanistan, Jemen, Sudan, Libyen und Nordkorea – jeweils mit Werten unter 20 Punkten. Jemen, Syrien und Ungarn haben dabei ihren CPI-Rang in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert. Dies ist möglicherweise eine Folge der Anschuldigungen von Menschenrechtsverletzungen der betreffenden Regime sowie der Instabilität infolge von Konflikten. Für Regierungen besteht die Lektion darin, dass sie Investitionen und geschäftliche Zusammenarbeit für ihr Land fördern können, indem sie Zuverlässigkeit und Integrität an den Tag legen. Ein riskantes politisches Klima ist jedoch nur eine Art von Risiko, die Unternehmen im Hinblick auf Due Diligence und Risikoüberwachung berücksichtigen sollten.

Großbritannien steigt, Australien fällt

Das Vereinigte Königreich konnte sich von 74 Punkten 2012 auf 82 im letzten Jahr verbessern und gehört damit zu den größten Aufsteigern. Auslöser ist möglicherweise der Zuwachs an Maßnahmen gegen Bestechung infolge des Antikorruptionsgesetzes (UK Bribery Act) von 2010, das als weltweites Vorbild für die Gesetzgebung gegen Korruption gilt. 2016 hatte der ehemalige Premierminister David Cameron einen Gipfel zur Korruptionsbekämpfung einberufen, in dessen Verlauf er das Vereinigte Königreich dazu verpflichtete, ein öffentliches Register für wirtschaftliches Eigentum einzurichten. Die britische Strafverfolgungsbehörde für schwere Betrugsdelikte, Serious Fraud Office, zeigt sich zunehmend bereit, die Strafverfolgung von Unternehmen, die der Bestechung und Korruption beschuldigt wurden, mittels „Deferred Prosecution Agreements“ (DPAs) auszusetzen, um eine Schlichtung herbeizuführen. Aber das ist noch kein Anlass zur Selbstzufriedenheit. Großbritannien muss sichergehen, dass durch seinen Austritt aus der EU keine Gesetzeslücken in seinen Antibestechungs- und Antikorruptionsgesetzen entstehen.

Australiens Wertung hat sich hingegen verschlechtert: von 85 Punkten im Jahr 2012 auf 77 im letzten Jahr. Die Nachwirkungen der Panama Papers können möglicherweise für einen Teil der Verschlechterung verantwortlich gemacht werden. Die australische Steuerbehörde (Australian Taxation Office, ATO) gab im April 2017 bekannt, dass sie wegen Anschuldigungen im Zusammenhang mit den Panama Papers gegen 800 vermögende australische Kunden der Offshore-Anwaltskanzlei Mossack Fonseca ermitteln wird. Im Monat darauf hatte die ATO mit ihrem eigenen Skandal zu kämpfen, als der Sohn des stellvertretenden Steuerkommissars wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 165 Mio. AUD festgenommen wurde. Es besteht dennoch Anlass zum Optimismus: Aktuell werden im Parlament Gesetzesentwürfe besprochen, die neue Vergehen wegen der Bestechung ausländischer Amtsträger und Regeln für DPAs etablieren sollen. Expertenprognosen zufolge könnte dies Australiens Bilanz für die strafrechtliche Verfolgung von Unternehmen und Einzelpersonen bei Bestechungsdelikten im Ausland verbessern.

Regionen mit hohem Risiko

Das höchste Korruptionsrisiko weltweit besteht laut CPI in den Regionen Subsahara-Afrika, Osteuropa und Zentralasien. Die Durchschnittswerte dieser Regionen liegen zwischen 32 und 34 Punkten. Alle Unternehmen, die mit Geschäftspartnern in den entsprechenden Ländern zusammenarbeiten, müssen aufgrund des sehr hohen Korruptionsrisikos ganz besonders auf ihre Due Diligence achten.

Die Heatmap zeigt die Wahrnehmung der Korruption pro Region weltweit an:

Transparency International Corruption Perceptions Index Heat Map

Die nächsten Schritte

  1. Laden Sie unseren „Emerging Markets Content Showcase“ herunter, um zu sehen, welche Quellen Sie zur Bewertung des Risikopotenzials verwenden können.
  2. Erfahren Sie, wie LexisNexis® Entity Insight Ihnen bei der Überwachung von PESTEL-Risiken bei Kunden, Lieferanten und anderen Drittparteien helfen kann.

Zur Person

Salvatore Saporito ist Teamleiter Europa Risk & Compliance und seit 2003 bei der LexisNexis GmbH. Er studierte an der Universität zu Köln Wirtschaftswissenschaften (Betriebswirtschaftslehre) mit dem Abschluss Diplom-Kaufmann. Er ist Mitglied im Deutschen Institut für Compliance (DICO), dem Berufsverband der Compliance Manager (BCM), in der DGI Fachgruppe Compliance sowie im österreichischen Compliance Praxis Netzwerk. Salvatore Saporito ist regelmäßig Referent zum Thema Geschäftspartnerüberprüfung.


Quellen

Corruption Perceptions Index 2017, Transparency International, 21.02.2018

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