Der Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International 2018 & 2017

In den letzten zwei Jahren weisen 2 von 3 Ländern hohe Korruption auf.

Foto Salvatore Saporito, LexisNexis GmbH

Der Korruptionswahrnehmungsindex, international Corruption Perceptions Index (CPI) genannt, wurde erstmals 1995 von Transparency International, einer Nichtstaatlichen Organisation, weltweit für die Wahrnehmung von Korruption erhoben und setzt seitdem die Bekämpfung von wirtschaftskriminellen Handlungen auf die internationale politische Agenda.

Der CPI ist ein zusammengesetzter Index, der sich auf verschiedene Umfragen und Untersuchungen stützt, die von mehr als zehn unabhängigen Institutionen durchgeführt werden. Es werden Geschäftsleute sowie Länderanalysten befragt und Umfragen mit Experten im In- und Ausland miteinbezogen. Der Index gibt dabei die Wahrnehmung von Korruption an. Er listet Länder nach dem Grad auf, in dem dort Korruption bei Amtsträgern und Politikern wahrgenommen wird. Der Index geht von 0 bis 100, wobei 0 ein hohes Maß an wahrgenommener Korruption und 100 gar keine wahrgenommene Korruption anzeigt und somit das bestmögliche Ergebnis darstellt. Aktuell werden 180 Länder und Gebiete weltweit hinsichtlich des wahrgenommenen Korruptionsniveaus im öffentlichen Sektor eingestuft.

Hinter den Zahlen verbirgt sich die tägliche Realität für die Menschen in den betroffenen Ländern. Der Index kann die individuelle Frustration der Realität nicht erfassen, aber er erfasst die fundierten Ansichten von Analysten, Geschäftsleuten und Experten in Ländern auf der ganzen Welt.

Wie schneidet Deutschland in den letzten zwei Jahren beim Korruptionswahrnehmungsindex ab? Und wie sieht es mit den Ländern aus, in denen Sie Geschäftsbeziehungen pflegen?


- Transparency Internationals Korruptionswahrnehmungsindex 2018


Wie Korruption weltweit zu einer Krise der Demokratie beiträgt

Der CPI für das Jahr 2018 zeigt eine alarmierende Verbindung zwischen der Krise der Demokratie und der Zunahme von Korruption auf. Delia Ferreira Rubio, Vorsitzende von Transparency International, stellt fest:

„Korruption gedeiht vor allem dort, wo das demokratische Fundament schwach ist und wo, wie wir in vielen Ländern gesehen haben, undemokratische und populistische Politiker dies für ihre Zwecke nutzen können.“

Keine Überraschungen am oberen und am unteren Ende

2018 erreichten erneut zwei Drittel der Länder und Gebiete im CPI eine Punktzahl unter 50, während der Durchschnittswert unverändert bei 43 lag. Bei der Betrachtung älterer Daten des CPI stellt man fest, dass nur 20 Länder in den vergangenen 7 Jahren eine wesentliche Verbesserung ihrer Platzierung erreicht haben, darunter Senegal und Estland.

Gleichzeitig fielen 16 Länder deutlich ab, darunter Ungarn und die Türkei. Diese beiden Länder verdeutlichen einen Zusammenhang zwischen der Zunahme von Korruption – belegt durch abnehmende CPI-Werte im Laufe der letzten sechs Jahre – und dem Ergebnis der jährlich von Freedom House herausgegebenen Untersuchung ‚Freedom in the World‘, in der die Türkei vom Status ‚teilweise frei‘ auf ‚unfrei‘ herabgestuft wurde. Gleichzeitig erreichte Ungarn seinen niedrigsten Wert hinsichtlich politischer Rechte und bürgerlicher Freiheiten seit dem Ende des Kommunismus im Jahr 1989.

Während sich Länder wie Dänemark und Neuseeland mit Werten von 88 beziehungsweise 87 an der Spitze des Index hielten, befinden sich von Konflikten zerrüttete Länder wie Somalia, der Südsudan und Syrien mit Werten von 10, 13 und 13 an dessen unterem Ende. Dies spiegelt Vorwürfe hinsichtlich weit verbreiteter Menschenrechtsverletzungen, eines nicht vorhandenen Rechtsstaats und einer ausgeprägten Instabilität aufgrund von Konflikten wider.

Regierungen können daraus lernen, dass der Nachweis von Zuverlässigkeit und Integrität Investitionen anziehen und beim Aufbau von Geschäftsbeziehungen mit ausländischen Unternehmen helfen kann. Ein risikobehaftetes politisches Klima ist jedoch nur ein Risikotyp, den Unternehmen bei der Erfüllung ihrer Sorgfaltspflichten und der Risikoüberwachung beachten sollten. Für Compliance-Fachleute ist es daher wichtig, die Ergebnisse des CPI genauer zu betrachten und herauszufinden, wodurch eine Zunahme oder Abnahme des Werts eines Landes verursacht wurde.

Jedes weltweit agierende Unternehmen sollte seine Anstrengungen hinsichtlich einer umfassenden Risikoüberwachung und der Erfüllung seiner Sorgfaltspflichten erhöhen, insbesondere in Anbetracht des globalen Ausmaßes von Korruption, das durch den CPI von Transparency International verdeutlicht wird. Aufgrund der Tatsache, dass über 80 Prozent des weltweiten Wirtschaftswachstums aus Schwellen- und Entwicklungsländern stammen, müssen heute weltweit agierende Unternehmen ein Gleichgewicht zwischen Wachstumsmöglichkeiten und den damit verbundenen Risiken finden.

Bemühungen zur Korruptionsbekämpfung stagnieren

Eine der Erkenntnisse, die der Korruptionswahrnehmungsindex in 2018 gebracht hat, ist der Einbruch bei Korruptionsbekämpfungsmaßnahmen in den Vereinigten Staaten. Mit einem Ergebnis von 71 Punkten verloren die Vereinigten Staaten nicht nur vier Punkte gegenüber dem Vorjahr, sondern sie fielen auch zum ersten Mal in 8 Jahren aus der Gruppe der Top-20-Länder. Laut Transparency International steht dies im Zusammenhang mit aktuellen Gefahren für das System der gegenseitigen Kontrolle (Checks and Balances) und mit einem Verfall ethischer Standards auf der höchsten Ebene der Macht.

Während das Versprechen des neu gewählten Präsidenten Brasiliens, der Korruption ein Ende zu bereiten, dem Land eine Verbesserung seines aktuellen Werts von 35 Punkten – dem niedrigsten seit 2012 – bringen könnte, werden Befürchtungen laut, dass seine Politik eine Gefahr für die zahlreichen in der Vergangenheit erreichten demokratischen Meilensteine darstellen könnte.

Spitzenreiter ohne Probleme?

Abgesehen von stagnierenden Ergebnissen, der Verletzung rechtsstaatlicher Prinzipien und der Diskreditierung von Mechanismen der öffentlichen Kontrolle durch Populisten sind die Länder mit den besten Ergebnissen auch vor Korruption nicht gefeit. Experten von Transparency International weisen darauf hin, dass alle Länder unter den Top 7 einheimische Unternehmen oft nicht bestrafen, wenn sie in Korruptionsskandale im Ausland verwickelt sind.

Aufgedeckte Steuerbetrugs- und Finanzskandale, etwa durch die Veröffentlichung der Paradise Papers oder der Panama Papers, ermöglichten einen Blick auf den oft wenig beachteten Zusammenhang zwischen Korruption und dem Bankgeheimnis. Schätzungen zeigen, dass bis zu einer Billion Dollar an illegalen Finanzströmen von Entwicklungsländern in Steuerparadiese und in die Länder am oberen Ende des Index fließen.

Hochrisikoregionen

Wie in den vergangenen Jahren macht der Korruptionswahrnehmungsindex für das Jahr 2018 deutlich, dass jene Regionen mit dem höchsten Korruptionsrisiko – mit Punktezahlen zwischen 32 und 36 – in Afrika südlich der Sahara, in Osteuropa und in Zentralasien liegen. Dies bedeutet, dass für jedes Unternehmen im Umgang mit Geschäftspartnern in diesen Regionen aufgrund des erhöhten Korruptionsrisikos verstärkte Sorgfaltsmaßnahmen von großer Bedeutung sind.


- Transparency Internationals Korruptionswahrnehmungsindex 2017


Die größten Veränderungen in 2017 betreffen Großbritannien, das seinen Rang seit 2012 um acht Punkte verbessern konnte, und Australien, das um acht Punkte abgesunken ist. Deutschland rutschte auf den 12. Platz ab.

Die üblichen Verdächtigen an den oberen und unteren Positionen

In 2017 lag der Landes-Durchschnittswert bei 43. Mehr als zwei Drittel der Länder erzielten weniger als 50 Punkte. Transparency International erklärt, diese Länder litten unter einer hohen Korruptionslast. Angesichts der Tatsache, dass 80 % des weltweiten Wirtschaftswachstums von Schwellenmärkten und Entwicklungsländern stammt, müssen die globalen Unternehmen von heute jedoch Wachstumsmöglichkeiten und potenzielle Risiken gegeneinander abwägen. Das globale Ausmaß der Korruption, das der Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) aufdeckt, macht deutlich, wie dringend international tätige Unternehmen Prozesse zur Compliance Due Diligence und Risikoüberwachung benötigen.

Deutschland kam mit 81 Punkten auf den 12. Platz und hat somit seit Jahren eine stabile Bewertung, rutscht allerdings dennoch im Ranking nach unten – durch Nichtstun, so Transparency International. Großbritannien und die Niederlande waren mit 82 Punkten leicht voraus, während Frankreich mit nur 70 Punkten auf Platz 23 lag.

Die Vereinigten Arabischen Emirate erreichten Platz 21 mit einem Wert von 71 – eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu den 66 Punkten von 2016.

Wie in den Jahren zuvor wird das Ranking angeführt von Neuseeland, Dänemark, Finnland, Norwegen, der Schweiz, Singapur und Schweden.

Indem sie Charakteristika identifizieren, die die am besten abschneidenden Länder gemeinsam haben, können Compliance-Experten aus dem CPI wertvolle Erkenntnisse ableiten. Dazu gehören der Zugang zu Informationen über den Staatshaushalt, ein hohes Niveau an Integrität unter den Regierenden und ein objektives und unparteiisches Justizwesen. Transparency International betonte außerdem die Bedeutung einer unabhängigen Presse und berichtete von einem „engen Zusammenhang zwischen Korruption und Pressefreiheit“.

Zu den Ländern mit den schlechtesten Ergebnissen gehörten Somalia, Südsudan, Syrien, Afghanistan, Jemen, Sudan, Libyen und Nordkorea – jeweils mit Werten unter 20 Punkten. Jemen, Syrien und Ungarn haben dabei ihren CPI-Rang in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert. Dies ist möglicherweise eine Folge der Anschuldigungen von Menschenrechtsverletzungen der betreffenden Regime sowie der Instabilität infolge von Konflikten. Für Regierungen besteht die Lektion darin, dass sie Investitionen und geschäftliche Zusammenarbeit für ihr Land fördern können, indem sie Zuverlässigkeit und Integrität an den Tag legen. Ein riskantes politisches Klima ist jedoch nur eine Art von Risiko, die Unternehmen im Hinblick auf Due Diligence und Risikoüberwachung berücksichtigen sollten.

Großbritannien steigt, Australien fällt

Das Vereinigte Königreich konnte sich von 74 Punkten 2012 auf 82 in 2016 verbessern und gehört damit zu den größten Aufsteigern. Auslöser ist möglicherweise der Zuwachs an Maßnahmen gegen Bestechung infolge des Antikorruptionsgesetzes (UK Bribery Act) von 2010, das als weltweites Vorbild für die Gesetzgebung gegen Korruption gilt. 2016 hatte der ehemalige Premierminister David Cameron einen Gipfel zur Korruptionsbekämpfung einberufen, in dessen Verlauf er das Vereinigte Königreich dazu verpflichtete, ein öffentliches Register für wirtschaftliches Eigentum einzurichten. Die britische Strafverfolgungsbehörde für schwere Betrugsdelikte, Serious Fraud Office, zeigt sich zunehmend bereit, die Strafverfolgung von Unternehmen, die der Bestechung und Korruption beschuldigt wurden, mittels „Deferred Prosecution Agreements“ (DPAs) auszusetzen, um eine Schlichtung herbeizuführen. Aber das ist noch kein Anlass zur Selbstzufriedenheit. Großbritannien muss sichergehen, dass durch seinen Austritt aus der EU keine Gesetzeslücken in seinen Antibestechungs- und Antikorruptionsgesetzen entstehen.

Australiens Wertung hat sich hingegen verschlechtert: von 85 Punkten im Jahr 2012 auf 77 in 2017. Die Nachwirkungen der Panama Papers können möglicherweise für einen Teil der Verschlechterung verantwortlich gemacht werden. Die australische Steuerbehörde (Australian Taxation Office, ATO) gab im April 2017 bekannt, dass sie wegen Anschuldigungen im Zusammenhang mit den Panama Papers gegen 800 vermögende australische Kunden der Offshore-Anwaltskanzlei Mossack Fonseca ermitteln wird. Im Monat darauf hatte die ATO mit ihrem eigenen Skandal zu kämpfen, als der Sohn des stellvertretenden Steuerkommissars wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 165 Mio. AUD festgenommen wurde. Es besteht dennoch Anlass zum Optimismus: Aktuell werden im Parlament Gesetzesentwürfe besprochen, die neue Vergehen wegen der Bestechung ausländischer Amtsträger und Regeln für DPAs etablieren sollen. Expertenprognosen zufolge könnte dies Australiens Bilanz für die strafrechtliche Verfolgung von Unternehmen und Einzelpersonen bei Bestechungsdelikten im Ausland verbessern.

Regionen mit hohem Risiko

Das höchste Korruptionsrisiko weltweit bestand laut CPI in den Regionen Subsahara-Afrika, Osteuropa und Zentralasien. Die Durchschnittswerte dieser Regionen lagen zwischen 32 und 34 Punkten. Alle Unternehmen, die mit Geschäftspartnern in den entsprechenden Ländern zusammenarbeiten, müssen aufgrund des sehr hohen Korruptionsrisikos ganz besonders auf ihre Due Diligence achten.

Die Heatmap zeigt die Wahrnehmung der Korruption pro Region weltweit an:

Transparency International Corruption Perceptions Index Heat Map

Die nächsten Schritte

  1. Laden Sie unseren „Emerging Markets Content Showcase“ herunter, um zu sehen, welche Quellen Sie zur Bewertung des Risikopotenzials verwenden können.
  2. Erfahren Sie, wie LexisNexis® Entity Insight Ihnen bei der Überwachung von PESTEL-Risiken bei Kunden, Lieferanten und anderen Drittparteien helfen kann.

Zur Person

Salvatore Saporito ist Teamleiter Europa Risk & Compliance und seit 2003 bei der LexisNexis GmbH. Er studierte an der Universität zu Köln Wirtschaftswissenschaften (Betriebswirtschaftslehre) mit dem Abschluss Diplom-Kaufmann. Er ist Mitglied im Deutschen Institut für Compliance (DICO), dem Berufsverband der Compliance Manager (BCM), in der DGI Fachgruppe Compliance sowie im österreichischen Compliance Praxis Netzwerk. Salvatore Saporito ist regelmäßig Referent zum Thema Geschäftspartnerüberprüfung.


Quellen

Corruption Perceptions Index 2018, Transparency International, 30.01.2019

Corruption Perceptions Index 2017, Transparency International, 21.02.2018

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