UK Modern Slavery Act: Den ersten 100 Firmen misslingt die Stellungnahme

Foto Salvatore Saporito, LexisNexis GmbH

Der UK Modern Slavery Act, der am 29. Oktober 2015 in Kraft trat, soll die derzeitigen Gesetze gegen Menschenhandel verstärken. Die Richtlinien setzen eine stärkere Transparenz in Zulieferketten durch und verpflichten alle großen Unternehmen, die eine Geschäftstätigkeit in England ausüben, zu einer jährlichen Stellungnahme über Sklaverei und Menschenhandel. Ein Bericht von Ergon Associates über die Stellungnahmen der ersten 100 Unternehmen zeigt, dass sie noch einige Defizite aufweisen.1

Die ersten Stellungnahmen sind verbesserungsfähig

Der Bericht von Ergon Associates analysiert die ersten hundert der Stellungnahmen im Rahmen des Modern Slavery Acts, die bis Mitte Februar 2016 veröffentlicht wurden. Im Hinblick auf gesetzliche Verpflichtungen und Richtlinien verfasst, zeigt der Bericht, dass sich die Stellungnahmen auf Compliance fokussieren anstatt auf die ergriffenen Maßnahmen der Unternehmen.

Die ersten Unternehmen, die die Modern Slavery Act Stellungnahme verfasst haben, teilten ihre Ergebnisse bereits bevor die gesetzliche Frist für die Stellungnahme verstrich (Geschäftsjahre, die am 31. März 2016 oder später enden). Der Ergon Bericht zeigt jedoch, dass diese Stellungnahmen noch sehr kurz und ungenau waren und lediglich aus allgemeinen Anmerkungen bestanden. Alle waren kürzer als 1.000 Wörter, die Hälfte kürzer als 500 Wörter und ein Viertel erreichte noch nicht einmal 250. Das Gesetz sieht insgesamt ausführlichere Stellungnahmen vor. Und obwohl Firmen eine Reihe von Due Diligence Aktivitäten ausüben, entsprach eine beträchtliche Anzahl nicht dem geforderten Umfang und der geforderten Qualität. Sie machten keine präzisen Angaben und beschrieben auch den Risikobeurteilungsprozess im Zusammenhang mit moderner Sklaverei nicht. Viele der Stellungnahmen beziehen sich einfach nur auf die Überprüfung von Lieferanten und Schulungen für Mitarbeiter. Wenige nannten die Ergebnisse der Due Diligence Prüfungen, oder welche Länder, Zulieferer oder Lieferketten als risikoreich identifiziert wurden.

Die geforderte Tiefe erreichen

Die Klausel zum Thema Transparenz und Berichterstattung des UK Modern Slavery Acts (Abschnitt 54 – Transparenz in Zulieferketten) fordert von allen Organisationen mit einem Umsatz von mehr als 36 Millionen Britischen Pfund, die jährliche Stellungnahme über Sklaverei und Menschenhandel zu verfassen. Die Regelung soll große Unternehmen zur Rechenschaftspflicht heranziehen und Einsicht in die ergriffenen Maßnahmen geben, um Sklaverei und Menschenhandel von Lieferketten und Geschäftstätigkeiten zu entfernen. Die Stellungnahme muss darlegen, welche Schritte vorgenommen wurden, um zu versichern, dass ein Unternehmen und jeder Teil der Lieferkette, frei von Sklaverei und Menschenhandel ist. Außerdem müssen detaillierte Informationen über die Due Diligence Maßnahmen enthalten sein, die ergriffen wurden, um das Risiko von Kriminalität zu verringern.

Wie Sie Ihre Modern Slavery Act Stellungnahme verfassen

Der Fokus der ersten hundert Stellungnahmen lag auf den Lieferketten. Die Situation der Vertragspartner und Angestellten wurde eher außer Acht gelassen. Obwohl Vertragspartner ein hohes Risiko mit sich tragen, wurde dieses Thema nur in 43 % der Stellungnahmen behandelt und nur selten detailliert.

Eine Untersuchung der Ethical Trading Initiative (Initiative für ethischen Handel, ETI) und dem Ashridge Centre für Handel und Nachhaltigkeit fand heraus, dass 71 % der Unternehmen vor Einführung des Modern Slavery Acts glaubten, es gäbe irgendwo in ihrer Lieferkette Vorfälle moderner Sklaverei. Der Modern Slavery Act ermöglicht Firmen den Nachweis ihrer Untersuchungen und der darauf folgenden Maßnahmen, um die festgestellten Probleme zu behandeln.

Notwendigkeit von Due Diligence für Menschenrechte, die über das Gesetz hinaus geht

Der Human Trafficking Awareness Index für Großbritannien im Februar 2016 zeigt, dass 711 Artikel zum Thema Menschenhandel im Februar 2016 in den britischen und irischen Medien veröffentlicht wurden.2

Nicht nur rechtliche Konsequenzen sollten Unternehmen anspornen, sich mit dem Thema Menschenhandel intensiv auseinander zu setzen. Das große Medieninteresse zeigt, dass ein Rechtsbruch des neuen Gesetzes  für Unternehmen oder der Marken zu großen Reputationsschäden führen kann.

Unternehmen, die ihren Verpflichtungen der jährlichen Stellungnahme noch nicht nachgekommen sind, müssen jetzt damit beginnen. Diejenigen, die bereits eine Stellungnahme verfasst haben, müssen sicherstellen, dass diese detailliert ist und nicht nur ein bloßes Lippenbekenntnis. Die ersten hundert Stellungnahmen weisen Mängel bei der Risikobewertung, der Untersuchungsergebnisse und im Due Dilligence Prozess auf.

Um den Verbrauchern, potentiellen Kunden, Lieferanten, Nichtregierungsorganisationen und den Medien eine Art Versicherung zu liefern, müssen Unternehmen eine Stellungnahme verfassen, die ihren Einsatz im Kampf gegen moderne Sklaverei und Menschenhandel das ganze Jahr hindurch im Detail erklärt.

Nächste Schritte

Erfahren Sie in unserem Blogbeitrag UK Modern Slavery Act 2015 mehr darüber, wie Sie Ihren Verpflichtungen zur Risikominimierung von Sklaverei und Menschenhandel nachkommen können.

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Zur Person

Salvatore Saporito ist Business Development Manager Risk & Compliance und seit 2003 bei der LexisNexis GmbH. Er studierte an der Universität zu Köln Wirtschaftswissenschaften (Betriebswirtschaftslehre) mit dem Abschluss Diplom-Kaufmann. Er ist Mitglied im Deutschen Institut für Compliance (DICO), im österreichischen Compliance Praxis Netzwerk sowie im American Chamber of Commerce. Salvatore Saporito ist regelmäßig Referent zum Thema Geschäftspartnerüberprüfung.


Ergon Associates Bericht
Human Trafficking Awareness Index UK Februar 2016

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