5 Lektionen aus Verhaftung von Samsung-Chef

Verdacht auf Bestechung und Korruption

Foto Salvatore Saporito, LexisNexis GmbH

Der Leiter der Samsung-Gruppe wurde in Südkorea aufgrund schwerer Bestechungsvorwürfe verhaftet. Wirft man einen Blick auf die Details, erkennt man einige wichtige Lektionen für Unternehmen zur Wichtigkeit von Compliance, um Bestechung und Korruption vorzubeugen.

Anschuldigungen der Bestechung und Korruption

Jay Y. Lee wurde vergangene Woche wegen Verdacht auf Bestechung, Veruntreuung, Meineid, illegalen Verschiebens von Anlagevermögen ins Ausland und Verschleiern von Beweisen für kriminelle Machenschaften verhaftet. Die Sonderermittler in Südkorea beschuldigen ihn, einen engen Freund der Präsidentin bestochen zu haben. Lee wird vorgeworfen, 37 Millionen Dollar an Organisationen gezahlt zu haben, die in Verbindung mit Choi Soon-sil stehen, die aktuell wegen Machtmissbrauch und versuchten Betrugs in Haft sitzt. Dieser Skandal sorgte auch für ein Amtsenthebungsverfahren gegen Südkoreas Präsidentin Park. Es wird vermutet, dass durch die Zahlungen die behördliche Freigabe für eine Fusion zweier Samsung-Einheiten 2015 und ein unproblematischer Aufstieg an die Spitze von Samsung sichergestellt werden sollten.

Die Ermittlungen laufen noch, aber die Anschuldigungen offenbaren bereits einige hilfreiche Lektionen für Unternehmen, die darüber nachdenken, wie sie das Risiko von Bestechung und Korruption bekämpfen können.

1. Bestechungsvorwürfe können Reputation und Aktienkursen schaden

Die Reaktionen auf Lees Verhaftung hatten schon jetzt Auswirkungen auf den Ruf des Unternehmens und seine Finanzen. Samsungs Nikkei 225-Aktienkurs fiel über Nacht um 1,2 %. Und es gingen schon sechs schwierige Monate für Samsung vorweg, ausgelöst durch einen Produktrückruf eines Smartphones bei dessen Akkus Explosionsgefahr bestand. So sind Samsungs Anteilseigner nicht überzeugt, dass das Unternehmen sich effektiv auf seine nächste Produkteinführung konzentrieren kann, während es sich parallel mit Bestechungsvorwürfen beschäftigen muss.

2. Bei der Arbeit mit PEPs ist Vorsicht geboten

Die Vorwürfe erinnern uns einmal wieder an die Risiken, denen Unternehmen gegenüber stehen, wenn Sie Beziehungen zu politisch exponierten Personen (PEPs) pflegen. Bei PEPs geht man aufgrund ihres Einflusses von einem erhöhten Risiko der Bestechung, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung aus. Wenn Unternehmen Beziehungen zu PEPs eingehen möchten, sollten sie zunächst die Gesetze rund um PEPs in ihrem Land prüfen, sowie in den Ländern, mit denen Sie Geschäftsbeziehungen pflegen. Wie wir berichteten, haben einige Anti-Bestechungs- und Korruptionsgesetze wie der Foreign Corrupt Practices Act (FPCA) internationalen Einfluss. In einem zweiten Schritt sollten Unternehmen die betroffenen PEPs überprüfen und einer Enhanced Due Diligence unterziehen, um das vorliegende Risikolevel zu bestimmen.

3. Compliance-Kultur muss vorgelebt werden

Die Umsetzung von Compliance-Richtlinien, -Prozessen und -Systemen ist ein wichtiger Schritt in der Bekämpfung von Bestechung und Korruption. Allerdings kann das nur funktionieren, wenn die Geschäftsführung ein entsprechendes Verhalten vorlebt. Unternehmen müssen sicherstellen, dass Vorstand und Top-Management einheitlich auftreten und Transparenz und Verantwortung in jedem Unternehmensbereich erwarten. Werden von der Unternehmensführung verschiedene Botschaften gesendet, schwächt dies das Vertrauen der Mitarbeiter und hindert Whistleblower vielleicht daran, fragwürdige Praktiken zu melden. Das Unternehmen wird durch Reputations-, regulatorische, finanzielle und strategische Risiken verletzlich.

4. Eine starke Compliance-Kultur schafft Wettbewerbsvorteile

Die Vorwürfe gegen Samsung sind Teil einer größeren Korruptionsklage gegen Südkoreas Präsidentin. Das Parlament stimmte im Dezember 2016 dafür, Präsidentin Park ihres Amtes zu entheben. Wenn ein Gericht diese Entscheidung mitträgt, stehen in diesem Jahr Neuwahlen an. Möglicherweise fiel aufgrund dieser Anschuldigungen Südkoreas Wert im Transparency International Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) von 56 in 2015 auf 53 in 2016. Bis diese Vorwürfe geklärt wurden, sollten Unternehmen ihre Due Diligence zu Unternehmen und Personen, die mit Südkorea in Verbindung stehen, stärken.

Im Gegensatz zu Südkorea war Singapur mit 84 Punkten der am besten abschneidende Staat in Transparency Internationals CPI 2016. Ein Bericht von ethiXbase fand im letzten Jahr heraus, dass Singapurs harte Haltung gegen Korruption im privaten und öffentlichen Sektor einen signifikanten Wettbewerbsvorteil gegenüber seiner Nachbarsländer geschaffen hat. Die OECD schätzt weiterhin, dass Korruptionszahlen typischerweise etwa 10 % des Vertrags- beziehungsweise Transaktionswertes entsprechen. Unternehmen müssen also viel mehr leisten, um einen entsprechenden Gewinn zu erzielen.

Negative Kundenbewertungen, sinkende Aktienwerte und mögliche Multi-Millionen-Dollar-Strafen sowie Strafverfolgungen machen die Botschaft für Unternehmen klar: Die Umsetzung effektiver Anti-Korruptionsmaßnahmen und die Reputationsentwicklung für integres Handeln schützt nicht nur das Bestandsvermögen, sondern sorgt auch für finanzielle Honorierung. Denn die betroffenen Länder oder Unternehmen werden als sicherere und attraktivere Investitionsmöglichkeiten angesehen.

5. Es ist (meist) nicht zu spät, die Compliance-Kultur umzukrempeln

Waren sich Samsungs Führungskräfte und Anteilseigner bisher noch nicht über die Kosten im Klaren, die Bestechungs- und Korruptionsvorwürfe mit sich bringen, sind sie es jetzt definitiv. Das könnte das Unternehmen veranlassen, seine Compliance-Kultur und -Systeme zu überdenken und zu stärken. Daniel Gleeson, Analyst bei Ovum, sieht die Situation als passenden Moment für Samsung, interne Systeme genauestens zu prüfen. Auch Behörden und Investoren werden wohl nach einer radikalen Umstrukturierung des Unternehmens verlangen.

Was können Sie jetzt tun?

  1. Erfahren Sie mehr über Bestechungs- und Korruptionsrisiken.
  2. Lernen Sie, wie Lexis Diligence® den risikobasierten Ansatz Ihrer Due Diligence unterstützen kann. 

Zur Person

Salvatore Saporito ist Business Development Manager Risk & Compliance und seit 2003 bei der LexisNexis GmbH. Er studierte an der Universität zu Köln Wirtschaftswissenschaften (Betriebswirtschaftslehre) mit dem Abschluss Diplom-Kaufmann. Er ist Mitglied im Deutschen Institut für Compliance (DICO), im österreichischen Compliance Praxis Netzwerk sowie im American Chamber of Commerce. Salvatore Saporito ist regelmäßig Referent zum Thema Geschäftspartnerüberprüfung.


Quellen:

Samsung chief Lee arrested as South Korean corruption probe deepens, reuters.com, 17.02.2017
Samsung stock drops on chief's arrest over corruption, asia.nikkei.com, 17.02.2017
The rationale for fighting corruption, cleangovbiz.org
Samsung May Be Just Fine After Chief's Arrest, Forbes, 17.02.2017

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