Wie Wal-Mart Branchenführer in Bezug auf FCPA-Compliance wurde

Investitionen in Korruptionsprävention

Foto Salvatore Saporito, LexisNexis GmbH

Kürzlich gab ein Amtsrichter aus Arkansas bekannt, dass Anteilseigner von Wal-Mart eine Sammelklage gegen den Einzelhandelsgiganten einreichen können, um die Bestechungsvorwürfe gegen die Geschäftseinheit in Mexiko genauer untersuchen zu lassen. Der Michigan Pensionsfond, der in Wal-Mart investiert hatte, beklagte sich über Anteilsverluste wegen der Korruptionsanschuldigungen.

Die Sammelklage hängt aktuell in der Schwebe. Dem FCPA Professor Blog1 ist es aber wichtig, zu erwähnen, dass unabhängig davon, was bei Wal-Mart vor fünf bis zehn Jahren vorgefallen sein könnte, das Unternehmen mittlerweile eine beispiellose FCPA-Compliance eingeführt hat. Denn durch einen umfassenden Due-Diligence-Ansatz  können große Organisationen wie Wal-Mart das Risiko reduzieren, bei ihrer Bestechungs- und Korruptions-Compliance zu versagen.

Wal-Mart investiert in Korruptionsprävention

In den letzten Jahren hat sich Wal-Mart auf Compliance konzentriert und in neue Technologien investiert, um seine Due-Diligence-Recherchen zu Geschäftspartnern zu verbessern. Das Unternehmen erstellte 2014 einen Compliance-Bericht2, in dem es angab, mehr als 100 Millionen US-Dollar investiert zu haben, um seine weltweiten Compliance-Prozesse in den nächsten Jahren zu verbessern. Diese Berichte werden nun jährlich erstellt, um die Maßnahmen des Unternehmens zur Erreichung seiner Compliance-Ziele zu überprüfen. Erst kürzlich berichtete Wal-Mart, 33 Millionen Dollar für Compliance-Maßnahmen ausgegeben zu haben.

Einzelhandel besonders betroffen von Korruptionsgefahr

Der Fall Wal-Mart macht das hohe Bestechungs- und Korruptionsrisiko im Einzelhandel deutlich. Wenn es einem Land wirtschaftlich schlecht geht, tendieren die Konsumenten dazu, weniger für bestimmte Güter auszugeben. Das verführt einige Unternehmen dazu, Bestechung zu nutzen, um Geschäfte von ihren Mitbewerbern zu stehlen.

So fielen beispielsweise die Verkaufszahlen von Hongkongs Einzelhandel im ersten Quartal 2016 um 12,5 %. Hongkongs Independent Commission Against Corruption sprach daraufhin eine Warnung aus, dass Angestellte im Verkauf sowie das höhere Management in die Versuchung kommen könnten, stark nachgefragte Produkte für bestimmte Kunden zu reservieren, wenn sie im Gegenzug eine Gefälligkeit erhalten. Sie könnten auch versucht sein, Waren selbst zu kaufen und zu höheren Preisen wieder zu verkaufen. Die Kommission gab einen Leitfaden heraus, um Angestellte im Einzelhandel auf die Gefahren der Korruption hinzuweisen.

Risiko von Sammelklagen für Unternehmen

Im oben genannten Fall warfen Anteilseigner Wal-Mart vor, Behörden in Mexiko bestochen zu haben, um die dortige Eröffnung von Ladenlokalen zu beschleunigen. In solchen Sammelklagen verklagen Einzelpersonen ein Unternehmen und seine Top-Manager als kollektive Gruppe und müssen nicht als Einzelkämpfer mit je eigenen Anwälten aktiv werden. Anteilseigner können so Geld sparen und auf eine höhere Entschädigung hoffen. Im Falle von Einzelklagen wären womöglich unterschiedliche juristische Entscheidungen in unterschiedlichen Verhandlungen getroffen worden, und Kläger mit geringen Ansprüchen hätten vielleicht ganz auf eine Klage verzichtet. Wenn die Sammelklage erfolgreich ist, muss das schuldig gesprochene Unternehmen einen Pauschalbetrag an die gesamte Gruppe zahlen.

Wal-Mart ist nicht das einzige Einzelhandelsunternehmen, das solchen Problemen gegenübersteht. Eine ähnliche Situation gab es, als herauskam, dass in der thailändischen Fischfangindustrie Zwangsarbeiter beschäftigt sind. Eine Sammelklage der Konsumenten bezog sich auf Verstöße gegen den California Transparency in Supply Chains Act 2010. Solche Klagen resultieren oft in einer David-gegen-Goliath-Situation in den Medien, die Unternehmen mit Schlagzeilen in Verbindung bringt, auf die sie lieber verzichtet hätten. Oft hat dies starke Auswirkungen auf die Reputation der betroffenen Unternehmen, selbst wenn Klagen aus verschiedensten Gründen fallengelassen oder abgewiesen werden. Dies macht erneut deutlich, dass Unternehmen robuste Maßnahmen ergreifen müssen, um ihre Lieferanten und die Lieferanten der Lieferanten genau zu kennen. Denn nur so lassen sich Risiken zuverlässig minimieren.

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Zur Person

Salvatore Saporito ist Business Development Manager Risk & Compliance und seit 2003 bei der LexisNexis GmbH. Er studierte an der Universität zu Köln Wirtschaftswissenschaften (Betriebswirtschaftslehre) mit dem Abschluss Diplom-Kaufmann. Er ist Mitglied im Deutschen Institut für Compliance (DICO), im österreichischen Compliance Praxis Netzwerk sowie im American Chamber of Commerce. Salvatore Saporito ist regelmäßig Referent zum Thema Geschäftspartnerüberprüfung.


Quellen

1 Wal-Mart's FCPA And Compliance Related Expenses Stand At $738 Million – Expected To Grow To Approximately $850 Million, fcpaprofessor.com, 23.02.2016
2 Global Compliance Program Report on Fiscal Year 2014, corporate.walmart.com

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