3 Weihnachtsgeschenke, die mit moderner Sklaverei in Verbindung stehen könnten

Foto Salvatore Saporito, LexisNexis GmbH

Das Kaufverhalten der Konsumenten wird immer mehr vom ethischen Verhalten der Unternehmen beeinflusst. Nun steht Weihnachten kurz vor der Tür und die letzten Geschenke werden besorgt. Ein guter Zeitpunkt, um einige Produkte genauer unter die Lupe zu nehmen, und zu untersuchen, ob sie von Menschen hergestellt wurden, die in moderner Sklaverei leben.  

Kaufkriterien der Konsumenten

Eine Studie1 ergab, dass 77 % der Befragten in Wachstumsmärkten es wichtig oder sehr wichtig finden, bei ethisch agierenden Marken einzukaufen. In fortgeschrittenen Märkten sind es 58 %. Diese Ergebnisse stammen aus einer Umfrage mit 90.000 Konsumenten:

Wir sehen eine Entwicklung der Kundenerwartungen. Dazu gehören transparente, ethische und nachhaltige Geschäftspraktiken."
Paul Flatters, Vorstandsvorsitzender, Trajectory 

Eine weitere Studie von Nielsen, die 30.000 Konsumenten in 60 Ländern befragte, kam zu einem ähnlichen Ergebnis:

Kunden auf der ganzen Welt sagen klar und deutlich, dass das soziale Engagement von Unternehmen ihre Kaufentscheidung beeinflusst. Diese Einstellung nimmt kontinuierlich zu und bietet Möglichkeiten für bedeutsame Verbesserungen unserer Gesellschaft sowie Wachstum für Unternehmen."
Amy Flenton, Global Leader für öffentliche Entwicklungshilfe und Nachhaltigkeit, Nielsen

Eine britische Studie2 von YouGov kam zu einem noch gravierenderen Ergebniss der jungen Teilnehmer: 28 % der 18- bis 34-jährigen würden Unternehmen meiden, die ihre Arbeiter nicht fair behandeln.

Überdenken Sie die Weihnachtsklassiker

Ob ethisch bewusster Kunde oder verantwortungsvoller Einzelhändler, jeder sollte sein Kaufverhalten für die folgenden Produkte überdenken:

1. Schokolade

Schokolade im Adventskalender oder Pralinen nach einem Festessen – Weihnachten ist Schokoladenzeit.

Für viele Kinder, die in der Kakao-Industrie an der Elfenbeinküste arbeiten, ist Schokolade leider kein Leckerbissen. Wie unser Bericht3 aus dem Jahr 2013 verriet, schätzte das US-Außenministerium, dass mindestens 10.000 bis 12.000 Kinder, die in der Kakao-Industrie an der Elfenbeinküste arbeiten, Opfer von Menschenhandel und Sklaverei sind. Laut der Tulane Universität aus dem Jahr 2015, arbeiten insgesamt 1,5 Millionen Kinder in der Kakao-Industrie.

Seit dem letzten Jahr wurden mehrere internationale Schokoladenhersteller mit Sammelklagen bezüglich Kinderarbeit auf den Kakao-Plantagen konfrontiert. cfo.comberichtete, dass diese Unternehmen (Hershey, Mars und Nestlé) öffentliche Erklärungen verfasst haben, die zeigen, wie sie Sklaverei und Menschenhandel ausmerzen.4 So ist es auch vom „Californian Act on Transparency in Supply Chains" vorgeschrieben. Denn dieser sieht stärkere Transparenz in Lieferketten vor. Die Beschwerden wurden von kalifornischen Einwohnern eingereicht, die den Unternehmen vorwarfen, falsche Werbung zu machen, da sie auf den Verpackungen nicht auf Kinderarbeit hinweisen.

2. Elektronik

Elektronische Geräte wie Tablets, Smartphones Küchengeräte oder Musikboxen sind beliebte Weihnachtsgeschenke.

Viele dieser Produkte und deren Bestandteile kommen aus Malaysia. Dort sind mehr als 5.000 internationale Unternehmen aus 40 Ländern aktiv.

Laut einer Studie von Verité5 (2014) sollen 73 % der Arbeiter in dieser Branche Formen von Zwangsarbeit vorweisen. Eine Zahl, die zeigt, wie erschreckend hoch Zwangsarbeit in der Elektro-Industrie ist.

Unser Arbeitgeber zwingt uns, sieben Tage die Woche zu arbeiten. Ich bin erschöpft. Ich stehe jeden Tag 12 Stunden auf den Beinen. Wenn wir nicht arbeiten, werden wir geschlagen. Ich habe gesehen, wie ein Arbeiter aus Nepal geschlagen wurde. Auch eine Vietnamesin wurde vom Arbeitgeber geschlagen und ihre Haare wurden ihr abgeschnitten."
Angestellte in Penang, Vietnam

Da „viele der bekanntesten Elektro-Marken ihre Bauteile aus Malaysia beziehen, gerät heutzutage nahezu jedes elektronische Gerät in Kontakt mit moderner Sklaverei."6

Nach einer Ermittlung unter nepalesischen Arbeitern in der malaysischen Elektronik-Industrie, berichtete der Guardian, dass Samsung und Panasonic Missbrauch in der Lieferkette in Malaysia vorgeworfen wird. Die Elektro-Giganten haben geäußert, dass sie umgehend Untersuchungen veranlassen werden.

Wenn es einen Weg zurück gäbe, würde ich auf der Stelle gehen. Aber meine Schulden halten mich gefangen", sagte ein Panasonic-Arbeiter aus Nepal. „95 % der Arbeiter hier würden das Gleiche tun wenn sie könnten".

3. Wein

Viele genießen am Weihnachtsabend ein Glas Wein mit der Familie. Eine Flasche Wein ist auch ein beliebtes Geschenk für einen Präsentkorb, um sich beispielsweise beim Gastgeber zu bedanken.

Die Dokumentation des Dänen Tom Heinemann, „Bittere Trauben – Sklaverei in den Weinbergen", zeigt die Arbeits- und Lebensbedingungen auf südafrikanischen Weingütern. Laut eines Berichts von Quartz7, wurden südafrikanische Weine in vielen dänischen Supermärkten nach Ausstrahlung der Dokumentation aus den Regalen genommen. Fast 50 % der südafrikanischen Weine werden weltweit exportiert. Zu den größten Abnehmern zählen Dänemark, Schweden und Großbritannien.

Die Dokumentation zeigt verschiedene Verletzungen des Arbeitsrechts, wie zum Beispiel ein Arbeitslohn von umgerechnet 7,00 € für eine 12-Stunden-Schicht, oder toxische Belastung ohne Schutzkleidung beziehungsweise Schulungen zum richtigen Umgang mit den Chemikalien. Auch die Lebensbedingungen sind menschenunwürdig und die Lohnabzüge reichen bis zu 80 %.

Außerdem wurden die Weingüter beschuldigt, ihre Arbeiter nach dem „Dop-System" zu bezahlen. Dieses System stammt aus der Apartheid-Ära und bedeutet, dass die Arbeiter mit Alkohol anstatt mit Geld bezahlt werden, was sie zu Alkoholikern werden lässt.

Wie Sie sklavenfreie Geschenke auswählen

Kunden:

  • Einige Ideen und Vorschläge finden Sie auf der erstellten Liste8 von Ethical Consumer.
  • Wenn Sie Schokolade kaufen, achten Sie auf Zertifizierungen von Fairtrade, UTZ oder Rainforest Alliance.
  • Fragen Sie bei Unternehmen direkt an, welche Maßnahmen diese eingeleitet haben, um versichern zu können, dass ihre Lieferkette frei von Sklaverei ist.

Unternehmen:

  • Beseitigen Sie moderne Sklaverei in Ihrer Lieferkette.
  • Implementieren Sie einen robusten Due-Diligence-Prozess. Lexis Diligence® hilft Ihnen bei der Überprüfung Ihrer Lieferkette durch Millionen von Firmenquellen, negativen Meldungen, Watch-, Black-, PEP-, Sanktions- und Interpol-Listen.
  • Überdenken Sie Ihre Einkaufsprozesse und behalten Sie Menschenrechte in Ihrer Lieferkette im Hinterkopf.

Zur Person

Salvatore Saporito ist Business Development Manager Risk & Compliance und seit 2003 bei der LexisNexis GmbH. Er studierte an der Universität zu Köln Wirtschaftswissenschaften (Betriebswirtschaftslehre) mit dem Abschluss Diplom-Kaufmann. Er ist Mitglied im Deutschen Institut für Compliance (DICO), im österreichischen Compliance Praxis Netzwerk sowie im American Chamber of Commerce. Salvatore Saporito ist regelmäßig Referent zum Thema Geschäftspartnerüberprüfung.


HSBC, 2016, The Future of Consumer Demand
Independent, 07.12.2016, Shop smart: How to make sure your Christmas buying isn't harming others
LexisNexis, 2013, Dark Chocolate
CFO, 22.11.2016, How to Comply With New Human Rights Rules
Verité, September 2014, Forced Labour in the Production of Electronic Goods in Malaysia
Techinasia, 18.09.2014, Widespread forced labor in Malaysia's electronics industry
Quartz, 26.10.2016, Denmark's supermarkets are refusing to stock South African wines made by "slavery in the vineyards"
ethical consumer, November 2016, Your Alternative Christmas Shopping List

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