HSBC setzt mit Einstellungswelle auf Big Data

Foto Salvatore Saporito, LexisNexis GmbH

HSBC stellt 1.000 Digitalexperten ein, um Big Data künftig aktiver und strukturierter zu nutzen. Diese erhebliche Investition zeigt, dass Finanzunternehmen die Möglichkeiten von Big Data zur Transformation der Branche erkannt haben.

Big Data im Kern der neuen Strategie

Die Einstellungswelle der in Großbritannien ansässigen Bank wird einige Analysten überraschen, weil HSBC vor erst drei Jahren 50.000 Arbeitsstellen gestrichen hatte. Die Bank sieht also Digitaltechnologie und insbesondere Big Data als Kern ihrer neuen Strategie an. Josh Bottomley, Global Head of Digital, Retail Banking & Wealth Management der HSBC, sagte1, das neue Digitalteam von Bänkern werde Big Data nutzen, um verschiedene Teile des Bankbetriebes zu verbessern. Sie müssten wissen, wie man neue Produkte und Dienstleistungen erschaffe und gleichzeitig das Risiko unter Kontrolle halte, um Privatsphäre und Datensicherheit der Kunden zu schützen. Bevor Bottomley bei HSBC einstieg, war er ein Jahr lang als Head of Display bei Google tätig. Dieser Technologiehintergrund gibt ihm eine Perspektive aus Datensicht.

Big Data fördert neue Produkte

Banken wie HSBC haben eine enorme Menge an Daten über Kunden und Dritte, die verwendet werden können, um das Geschäft zu unterstützen. Die Analyse der Customer Journey erlaubt der Bank, Kundenbindungs- und Loyalitätsprogramme mit individualisiertem Marketing zu entwickeln und innovative Produkte und Dienstleistungen zu lancieren. Maschinelles Lernen erleichtert die Bewertung von Krediten und nutzungsbasierten Versicherungen, Compliance-Risikomanagement und Betrugserkennung. Vorhersageanalytik zeigt Kauf- und Verkaufsentscheidungen an und prognostiziert Trends oder Ereignisse, die einen Einfluss auf die Zukunft haben könnten. Die Einstellung von 1.000 Datenwissenschaftlern wird es der HSBC ermöglichen, diese Wege zu erkunden und unausgeschöpfte Chancen zur Wachstumssteigerung wahrzunehmen.

Big Data unterstützt Risikomanagement

HSBC nutzt bereits Big Data-Technologien, um die Risiken von Finanzkriminalität zu reduzieren. Künstliche Intelligenz und fortschrittliche Analytik helfen der Bank2, schnell große Volumen an internen sowie öffentlich verfügbaren Daten und Informationen zu Kundentransaktionen zu verarbeiten, um potenziell verdächtige Aktivitäten zu identifizieren. „HSBC sucht stetig nach Möglichkeiten, unsere vorhandenen Fähigkeiten zur Feststellung und Verhinderung von Finanzkriminalität aufzubauen“, so Ray O’Brien, Global Risk COO der HSBC und Head of Global Risk Analytics. Big Data kann die Prüfung von Kunden, Unternehmen, Anbietern und Dritten durch Zugriff auf Sanktions- und PEP-Listen unterstützen und somit eine verbesserte Risikosichtbarkeit bieten; mit größerem Vertrauen als bei manuellen Prozessen.

Big Data wächst bei Finanzdienstleistungen

Experten sagen voraus, dass viele Finanzunternehmen in den kommenden Jahren ähnliche Investitionen in Big Data tätigen werden. Eine im Sommer 2018 durchgeführte Studie3 von SNS Telecom & IT prognostizierte Investitionen von Finanzunternehmen in Big Data von bis zu 9 Milliarden Dollar bis zum Jahresende; bis 2021 wachsend auf 14 Milliarden Dollar jährlich. Unterdessen schätzt4 Statista, dass sich 81% der Banken im Privatkundengeschäft in Großbritannien Big Data bis 2020 annehmen werden; ein höherer Wert als in jeder anderen Branche.

Big Data bietet Perspektiven für Banken, Versicherer, Kreditkarten- und Zahlungsverarbeitungsspezialisten, Anlage- und Vermögensmanagementunternehmen und Kreditgeber. Unternehmen, die die Entwicklung ignorieren, die durch Big Data möglich wird, unterliegen dem Risiko, durch den Wettbewerb überholt zu werden.

Data as a Service (DaaS) füllt Lücke bei internen Datenbeständen

Unternehmen in vielen Branchen wissen, dass Big Data ihr Geschäft transformieren kann, wenn relevante Datenquellen angezapft werden. Die Nutzung von Data as a Service (DaaS) und Datenintegration in vorhandene Systeme ermöglicht Unternehmen

  1. schnellere Rechercheprozesse bis hin zur Erkenntnis
  2. ein effizienteres Risikomanagement durch Integration von Nachrichten, Sanktionen und PEP-Daten in die Risikobewertung, Due-Diligence- und Monitoringtechnologie
  3. schnelleres Agieren als der Wettbewerb durch agilere Entscheidungsprozesse

Quellen:

1 Attention digital engineers: HSBC wants you to consider a career in banking, South China Morning Post, 05.07.2018
HSBC deploys AI tech to track money laundering, computing.co.uk, 10.04.2018
3 Big Data in the Financial Services Industry, SNS Telekom & IT, 07.2018
4 Estimated adoption rates of Big Data in the United Kingdom (UK) in 2020, by industry, investordaily.com.au, 03.07.2018


Zur Person

Salvatore Saporito ist Teamleiter Europa Risk & Compliance und seit 2003 bei der LexisNexis GmbH. Er studierte an der Universität zu Köln Wirtschaftswissenschaften (Betriebswirtschaftslehre) mit dem Abschluss Diplom-Kaufmann. Er ist Mitglied im Deutschen Institut für Compliance (DICO), dem Berufsverband der Compliance Manager (BCM), in der DGI Fachgruppe Compliance sowie im österreichischen Compliance Praxis Netzwerk. Salvatore Saporito ist regelmäßig Referent zum Thema Geschäftspartnerüberprüfung.

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