Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg - Best Practice in der Informationsvermittlung

Foto Dr. Willi Bredemeier, Verleger und Chefredakteur von Password

Herr Bredemeier, Sie haben als Repräsentant des „Arbeitskreises Informationsvermittlung" für Information Professionals, Informationsvermittler, Großnutzer und Informationsanbieter die Veranstaltung „Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg - Best Practice in der Informationsvermittlung" in gemeinsamer Trägerschaft mit der Buchmesse ins Leben gerufen. Was möchten Sie mit dieser Veranstaltung erreichen?

Wir wollen zeigen, wie führende Informationsvermittler der Republik den rapiden Wandel ihrer Rahmenbedingungen meistern, neue Mehrwertdienste entwickeln, die neuen technischen Möglichkeiten und neue Angebote in ihre Arbeit integrieren und einen Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten. Das soll auch ein Stück Öffentlichkeitsarbeit für Informationsvermittler sein, die Stimmung unter den Information Professionals verbessern und den Erfahrungsaustausch unter ihnen beispielsweise über erfolgreiche Geschäftsmodelle fördern. Informationsvermittlung ist in erfolgreichen Unternehmen unverzichtbar - dies wird auch in Referaten aus Kundensicht nachgewiesen.

Mittlerweile ist die Veranstaltung insoweit ein Selbstläufer geworden, als wichtige Themen hinzugekommen sind. Es gibt zum Beispiel kaum ein Gespräch in unserer Branche, in dem nicht auf Google Bezug genommen wird, aber ein öffentliches Gespräch der Branche mit Google hat bislang nicht stattgefunden. Nun ist es uns gelungen, Jens Redmer, der bei Google Deutschland für neue Produkte zuständig ist, für das Referat „Google als Partner von Information Professionals - Tools & Trends" zu verpflichten. Das entsprechende und womöglich kritische Ko-Referat dazu hält der bekannte Publizist Prof. Dr. Gunter Dueck über „Trusted Advisor vs. Selbstgoogler - Mehrwert und Wandel der professionellen Informationsvermittlung".

Immer mehr Information Professionals wie auch Endnutzer klagen über den digitalen Informationsüberfluss. Kostenfreie wie kostenpflichtige Informationsanbieter müssen ihnen einen Mehrwert bieten. Was ist Ihrer Meinung nach eine mögliche Lösung?

Information Professionals nehmen seit langem eine Filterfunktion für ihre internen und externen Kunden wahr und unterscheiden zwischen relevanten und irrelevanten Informationen. Allerdings reicht es bei weitem nicht mehr, die richtigen Informationen zu suchen und zu finden. Vielmehr will der Kunde die vom Information Professional gelieferten Informationen aufbereitet, analysiert, bewertet und interpretiert wissen.

Meine Partnerin Dr. Sabine Graumann von TNS Infratest, die auf unserer Veranstaltung über die „Umwandlung von Rohdaten zu immer anspruchsvolleren Mehrwertdiensten" spricht, sagt dazu: „Der Information Professional von heute sollte den Mut finden, aus den von ihm recherchierten Daten und ergänzenden Informationen Handlungsempfehlungen abzuleiten und mit ihm auf Augenhöhe über dessen strategische Optionen sprechen."

Mein Partner Tim Brouwer vom Marktführer SVP Deutschland, der auf unserer Tagung über „Radikaler Wandel der Qualifikationsanforderungen an Information Professionals" referiert, ergänzt: „Von den Kunden wird immer mehr inhaltlicher Tiefgang, das heißt Informationsbewertung, Analyse und Ableitung von Handlungsempfehlungen, erwartet. Die „einfachen" Dienstleistungen werden von der Infrastruktur, sprich dem Web, also Google, erledigt. Es bleiben die schwierigen Aufgaben, die dann aber auch angemessen verkauft werden können. Suchen und Finden darf dem Information Professional nicht reichen. Fach- oder Branchenexpertise ist seine „Conditio sine qua non"."

Wir sehen einen starken Wandel in den Anforderungen an die Fähigkeiten eines Information Professionals. Wie geht die Entwicklung Ihrer Meinung nach in Zukunft weiter?

Ohne den Diskussionen auf unserer Veranstaltung vorgreifen zu wollen, will ich mich hier auf den aus meiner Sicht zentralen Punkt beschränken. Über Fachkompetenz, die Branchenkompetenz einschließen sollte, verfügen unsere Information Professionals durchaus. Aber sie müssen zusätzlich unternehmerisch denken und handeln. Das beginnt beim Marketing. Es reicht nicht, Gutes zu tun. Man muss auch darüber vor seinen internen und externen Kunden reden. Das setzt sich bei der Akquisition von Projekten und der Präsentation von Projektergebnissen fort. Man muss sich nicht gleich zu einer „Rampensau" wandeln, aber man sollte schon mündlich und schriftlich überzeugend auftreten. Das endet noch lange nicht bei der frühen Besetzung sich neu entfaltender Marktnischen. So bemängelt mein Partner Michael Klems (Infobroker), der auf unserer Veranstaltung über „Information Brokering als Freelancing: Die Einbindung von Multimedia und Social Media in Produktentwicklung und Kundenbindung spricht", zu Recht, dass einige Information Professionals den viel versprechenden Aufgabenbereich der Betreuung Sozialer Netzwerke kampflos anderen Unternehmensbereichen überlassen haben, beispielsweise den Public Relations.

Wollen Sie Ihre Veranstaltung wiederholen, also auf Kontinuität setzen?

Die wünsche ich mir. Es gibt so viele Herausforderungen, für deren Bewältigung eine öffentliche Debatte hilfreich wäre. Ich nenne hier nur die Zusammenarbeit zwischen den Information Professionals und den Informationsanbietern. Beide Gruppen haben viele gemeinsame Interessen und einen hohen Gesprächsbedarf, der sich durch Kundengespräche allein nicht befriedigen lässt.


Zur Person:

Dr. Willi Bredemeier ist Verleger und Chefredakteur von Password, einer seit 27 Jahren erscheinenden Monatszeitschrift in Print sowie einer werktäglich erscheinenden elektronischen Zeitung für kommerzielle Informationsdienste im Internet. In seinem zweiten Geschäftsbereich „Marktforschung" war er unter anderem Mitkoordinatior für Großprojekte im Auftrage der Europäischen Kommission und des Bundesministeriums für Wirtschaft. In seinen diversen Büchern nahm er beispielsweise zu Fragen der Innovationspolitik, der Informationsqualität und der Zukunft wissenschaftlicher Bibliotheken Stellung. Er ist Mitinitiator und Mitgestalter der Veranstaltung „Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg - Best Practice in der Informationsvermittlung" auf der diesjährigen Buchmesse. Bredemeier hat Sozialwissenschaften studiert und in Wirtschaftspolitik über das Tarifverhandlungssystem in der Bundesrepublik promoviert.

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